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Uwe Striegler ist Vorsitzender der Sicherheitspartner von Storkow / Prävention gegen Graffiti hat aktuell Priorität

Serie
Den Schmierfinken auf der Spur

Wachsam: Uwe Striegler und die anderen Sicherheitspartner aus Storkow wollen gegen Schmierereien vorgehen und halten stets Augen sowie Ohren offen.
Wachsam: Uwe Striegler und die anderen Sicherheitspartner aus Storkow wollen gegen Schmierereien vorgehen und halten stets Augen sowie Ohren offen. © Foto: Elke Lang
Elke Lang / 15.05.2018, 07:45 Uhr
Storkow Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne Menschen. Manche bekleiden öffentliche Ämter und sind es gewohnt, im Rampenlicht zu stehen. Andere haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig. Das Oder-Spree-Journal stellt in einer Serie Gesichter aus Oder-Spree vor. Heute: Der Storkower Uwe Striegler,  Vorsitzender der elf Sicherheitspartner.

Der 37-jährige Uwe Striegler sitzt in seinem idyllischen Garten und atmet tief durch. Hier in der Anlage Birkengrund kann er nach der Arbeit gut entspannen. Es hatte technische Probleme gegeben im Peugeot-Autocenter Storkow, wo der Kfz-Meister als  Peugeot- und Systemtechniker sowie Werkstattleiter tätig ist und leitende Funktionen in der Lehrlingsausbildung sowie Schulung der Mitarbeiter ausübt. Pädagogische und methodische Grundlagen dafür wurden ihm in der Ausbildung zum Techniker vermittelt. „Ich habe viel mit Telematik- und Softwaresystemen zu tun und mit Diagnose, das heißt Bordcomputer auslesen“, erklärt er. Das sind die speziellen Gebiete von Uwe Striegler, der als Kfz-Mechaniker angefangen hatte. „Heutzutage muss jeder alles können. Ich kann zum Beispiel auch Bremsen reparieren und alle normalen Wartungsarbeiten verrichten“, erzählt er, „aber jeder hat auch sein spezielles Gebiet, und Computertechnik ist eben bei mir das, das mich am meisten interessiert.“

Er freue sich immer, wenn alles funktioniert und wenn die Kollegen den Kunden sagen: Geh mal damit gleich zu Uwe. Schreibtischarbeit kommt bei ihm selten vor. Er hat seine eigene Werkbank und Arbeitsbühne in der Firma.

Uwe Striegler ist ein echter Storkower, aufgewachsen in Karlslust und dort hat er die Kurt-Steffelbauer-Oberschule, heute Europaschule, besucht. Mutter Ute und Vater Bernd waren aus Löbau beziehungsweise Mittweida in Sachsen zugezogen, die Mutter hatte in Storkow in der Geflügelaufzucht gearbeitet, der Vater ist Teilhaber und Geschäftsführer des Peugeot-Autocenters. Der gelernte Kfz-Mechaniker und Meister wollte einen Nachfolger für sich und hat darauf gedrungen, dass der Sohn den gleichen Beruf ergreift.

In der Schule war das absolute Lieblingsfach von Uwe Striegler Musik bei Inka Hettfleisch. „Im Singen hatte ich eine Eins“, lacht er. Am liebsten hat er den deutschen Schlager, allerdings in Richtung Disco-Fox und Pop. „Ich kann fast jeden Titel mitsingen, aber solo in einer Band mit Mikrofon ist nicht mein Ding“, gibt er zu. „Dagegen in der Waldbühne in der Gruppe, das ist es.“ Sein Onkel Peter Funke war von der 7. bis zur 10. Klasse sein Klassenleiter, auch sein Kunst- und Deutschlehrer. Aber auch Kunst war nicht sein Ding, Deutsch schon eher. In der außerschulischen Arbeitsgemeinschaft bei Lehrerin Hildegard Wuntke zeigten sich schon Uwe Strieglers Interessen für Gartenarbeit.

Als 1994 das Innenministerium des Landes Brandenburg aufgerufen hatte, als Modellversuch in den Kommunen Sicherheitspartnerschaften zu bilden, hat sich Storkow sofort angeschlossen. „Es gab damals viele Umweltdelikte hier, zum Beispiel illegale Müllablagerungen“, weiß Uwe Striegler. Einbrüche seien noch nicht so viele vorgekommen. Es meldeten sich Martin Graef, Horst Ring, Hans Postel, Wilfried Krienke, Harry Striegler, der Opa von Uwe, und als Leiter Lothar Schulze. „Es ging darum, Augen und Ohren offen zu halten, die Leute anzusprechen, wenn man sie auf frischer Tat ertappt hatte, oder die Frevel an Marlies Fenslau im Ordnungsamt oder an den Revierpolizisten Gerd Neidthardt zu melden“, erzählt der heutige Leiter, der als 16- und 17-Jähriger vom Opa zu den Zusammenkünften und den abendlichen Streifen mitgenommen wurde.

Die Versammlungen fanden immer am ersten Mittwoch im Monat bei Andreas Neidthardt in der Gaststätte Seeburg, nach deren Schließung im Alten Weinberg, statt. Uwe Striegler erinnert sich: „Ich war der einzige Junge unter den reiferen Herren, aber ich bin gern mit alten Menschen zusammen, denn man kann viel von ihren Erfahrungen lernen.“ Zuerst sei er nur mitgelaufen, manchmal bis halb vier in der Nacht. Es sei sehr interessant gewesen, da es viel in der Natur zu beobachten gegeben habe. In dem jungen Mann entwickelte sich allmählich auch das Interesse an der Aufgabe, denn „ich finde es nicht in Ordnung, dass alles zugemüllt wird, wo wir doch in einer so schönen Ecke leben“, sagt er. Lothar Schulze führte ihn zielgerichtet an die Leitungstätigkeit heran, so das Uwe Striegler 2002 die Funktion des Sprechers und des Vorsitzenden übernehmen konnte.

Die erste Garde der Sicherheitspartner ist inzwischen abgetreten, der größte Teil lebt schon nicht mehr. Uwe Striegler hat um junge Mitglieder geworben und den Altersdurchschnitt auf 50 Jahre bringen können. Die Jüngste ist mit 23 Jahren Lisa-Marie Scholz, die Ältesten sind mit über 60 Jahren Erwin Otto und Dietmar Dreier. Weiter gehören dazu: Andrea Scholz, Beate Schröder, Enrico Schiering, Thomas Kaps, Marko Uhlig, Ronny Kowalski und Andreas Schröder. Sie sind von der Fürstenwalder Straße über die Strandbadregion, die Altstadt, Karlslust und Wochowseer Weg über die Stadt verteilt, und alle sind sie ehrenamtlich Ansprechpartner für die Bürger.

Über die Jahre hinweg haben sich die Aufgabengebiete erweitert auf Einbrüche in Privat- und Firmengelände und Häuser. Körperliche Auseinandersetzungen gab es bei ihren Streifengängen noch nie, „toi, toi, toi, denn jede Aktion kann gefährlich sein“, so Uwe Striegler.

„Wir haben zwar Jedermannsrechte, dürfen aber keinerlei Waffen oder Abwehrsprays tragen, nur Taschenlampe und Handy“, erklärt er. Die Sicherheitspartner gehen deshalb immer mindestens zu zweit mit vorheriger    Anmeldung bei der Polizeiwache Fürstenwalde, und das Geld, das sie vom Benefizkonzert der Bundeswehr und der Stadt bekommen hatten, nehmen sie auch für Lehrgänge in Konfliktbewältigung und Selbstverteidigung. In den Versammlungen werden die Schwerpunkte besprochen. Aktuell ist das die Prävention gegen Schmierereien, wie sie „in sehr großen Ausmaßen“ in der Altstadt um den Marktplatz und an den Bushaltestellen angebracht wurden.

„Unsere Aufgabe ist das Beobachten, Feststellen und Melden sowie mit Zetteln in den Briefkästen und Flyern Gedankenanstöße zu geben, wenn Grundstückstore ungesichert offen stehen oder Taschen im Auto zu sehen sind.“

Die zehn Sicherheitspartner um Uwe Striegler sind eine eingeschworene Gruppe. „Jeder kann sich auf den anderen verlassen, und nach den Versammlungen sitzen wir auch gern noch ein Stündchen zusammen, im Sommer draußen im Garten“, ist der Leiter zufrieden.

Fragen an Uwe Striegler

Wer hat Sie in Ihrer Entwicklung am meisten beeinflusst, geprägt?

Die Bundeswehr.

Was würden Sie als erstes veranlassen, wenn Sie Bürgermeister Ihres Ortes wären?

Eine Schlagerbootspartie auf der Seenkette veranstalten.

Was wünschen Sie sich seit Jahren?

Liebe und Zufriedenheit.

Möchten Sie noch einmal 17 sein?

Nein.

Träumen Sie gern?

Ja.

Was hält Sie in Ihrer Heimat? Würden Sie noch mal woanders hinziehen?

Über den Winter nach Mallorca.

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