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Bernauer starten einzigartiges Brandenburger Projekt zur Anpassung an Hitze, Dürre, Sturm und Starkregen

Projekt
Prima Klima mit Potenzialen

Stehen für besseres Klima ein: Sylvia Hirschfeld und Dirk Hoffmann hoffen auf viele Ideen der Bernauer.
Stehen für besseres Klima ein: Sylvia Hirschfeld und Dirk Hoffmann hoffen auf viele Ideen der Bernauer. © Foto: Andrea Linne
MOZ / 15.05.2018, 22:00 Uhr
Bernau (Andrea Linne) Bernau. Stürme, Überschwemmungen, Trockenheit. Das sind Wetterphänomene, die auch Bernau und der Barnim mehrfach erwischt haben. Wie diese Folgen des Klimawandels aber Eingang in Planungen, Grüngestaltung und Entwässerungskonzepte finden können, das wird jetzt mit einem einzigartigen Projekt untersucht. Es heißt Bernau.Pro.Klima.

Den Auftakt machte ein Workshop, an dem 25 Interessierte teilnahmen. Die Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNEE) begleitet die Stadt in ihrem Willen, ein Anpassungskonzept zu schreiben und in greifbare Ideen zu packen, die auch jeder Eigentümer und Einwohner versteht.

Denn es gibt ganz konkrete Ansätze, wie Klimawandel bei jedem spürbar ist. Ob beim Pflanzen, in Sachen Regenentwässerung oder im Stadtwald. So sorgte Orkan Xavier im vergangenen Oktober mit Schneisen durch heimische Wälder und Gärten für erhebliche Schäden.

„Noch gibt es keine belastbaren empirischen Zahlen, aber dass Windstärken zunehmen, ist eine Folge der wärmeren Atmosphäre. Ein Grad Celsius mehr in der Atmosphäre bedeuten sieben Prozent mehr Wasserdampf als noch vor hundert Jahren“, erzählt Dirk Hoffmann. Der fungiert als Bindeglied zwischen dem HNEE-Lehrstuhl für Econics und Ecosystem Management sowie der Stadtverwaltung und sitzt im Stadtplanungsamt. Bis Ende 2019 ist das aus Bundesmitteln finanzierte Vorhaben angelegt, 30 000 Euro gibt Bernau dazu.

Die Folge der Erwärmung sind häufigere Starkregen-Ereignisse, aber auch heftige Stürme. Für Sylvia Hirschfeld, Leiterin des Stadtplanungsamtes, sind das Themen der Zukunft. „Das ist kein rein wissenschaftliches Projekt“, schätzt sie ein, „sondern vor allem eine Chance für uns, von den Experten Wissen zu schöpfen und es in konkrete Vorhaben einfließen zu lassen.“ So soll seit einem Jahr im Rahmen von Bebauungsplänen intensiv Einfluss auf Baumpflanzungen genommen werden. „Bisher ist es uns nicht gelungen, das adäquat umzusetzen“, schätzt die Stadtplanungschefin ein. Sie erhofft sich konkrete Schützenhilfe, auch zu Pflanzenarten, die besser in die Zeit passen als die herkömmliche Kastanie. Davon könne auch der Landschaftsplan in Bernau partizipieren. „Vieles ist langfristig zu sehen, aber doch sehr konkret“, so Hirschfeld. Zusätzliche Mittel, ergänzt Hoffmann, sollen auch über 2019 hinaus eingeworben werden.

In einem ersten Schritt soll eine projektbegleitende Arbeitsgruppe ins Leben gerufen werden. Dazu könnten Stadtwerke oder Wobau stoßen. Aber auch die Bevölkerung ist direkt angesprochen. Landwirte, Waldbesitzer, Grundstücksbesitzer sind aufgerufen, ihre Ideen einzubringen. Aus den oft ländlich geprägten Ortsteilen erhoffen sich die Akteure viel Input. In der Folge sollen Bauvorhaben besser begleitet werden, Flächen, die auf keinen Fall bebaut werden dürfen, weil sie für das Bernauer Klima und die Frischluftzufuhr herausragende Bedeutung haben, herausgefiltert werden.

Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung begleitet das Ganze und will Daten beisteuern, die über 15 Jahre gesammelt wurden und Veränderungen in den Oberflächentemperaturen belegen. Fassaden- oder Dachbegrünungen, der Zustand der Panke, aber auch Versieglungsprobleme wurden im ersten Workshop diskutiert. Das war aber nur ein Auftakt, jetzt geht die Arbeit erst richtig los.

Wer mitmachen möchte oder Ideen einbringen will, kann sich an Dirk Hoffmann unter klimaanpassung@bernau-bei-berlin.de oder Telefon 03338 365212 wenden.

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