Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Testfahrt auf der Ersatzstrecke der S2 und S8 / Ungewissheit durch Staubildung an Ampeln und auf der Autobahn

Testfahrt
60 Autofahrer sind eine Busladung

Fabian Sauer / 15.05.2018, 22:30 Uhr
Bernau/Berlin Mit der Testfahrt des Schienenersatzverkehrs für die Linien S2 und S8 am Dienstag kündigt sich für leidgeprüfte Bahnfahrer die nächste Etappe im Ausbau des Karower Kreuzes an. Damit der S-Bahn-Ersatz so reibungslos wie möglich läuft, testeten Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), Verkehrslenkung Pankow, S-Bahn-Planer und Fahrgäste die Strecke.

Wer die Strecke zwischen Berlin-Buch und Bernau schon einmal mit dem Bus zurücklegen musste, dürfte mit Staus, schwer zu findenden Ersatz-Haltestellen und einem deutlichen Plus an Fahrzeit vertraut sein. Da sich die Instandsetzung der Brücken, Gleis- und Signalanlagen nicht umgehen lässt, liegt es an Leuten wie Björn Vetter und Mario Lehmann, das Maß der Einschränkungen gering wie möglich zu halten. Als Verkehrsplaner ist Vetter Teil der strategischen Angebotsplanung der S-Bahn, Lehmann ist beim Busunternehmen Bayern Express & P. Kühn Berlin GmbH, kurz BEX, für die Betriebsplanung zuständig. Allerdings, „zaubern können wir nicht“, schränkt Björn Vetter ein.

Im Berliner Norden, wo keine U-Bahn-Linien als Fahralternative zur Verfügung stehen, habe man es mit besonderen Herausforderungen zu tun. „Mit den vielen Baustellen ist die Planung schon eine Herausforderung, wir können leider nur die Straßen nutzen, die es gibt“, erklärt Björn Vetter. Dennoch ist es den Planern gelungen, Baustellen auf den Routen für den Ersatzverkehr zu vermeiden. Außerdem wolle man den Fahrgästen das Umsteigen und die Wegfindung erleichtern.

Neben einem ohnehin hohen Verkehrsaufkommen zu Stoßzeiten erschweren Bauarbeiten das Finden einer idealen Ersatzroute. Und im Fall der Sperrung des Karower Kreuzes sind gar mehrere Routen nötig. Für die erste Unterbrechung vom 26. Juni bis 16. Juli wollen die Planer den S-2-Verkehr im Zehn-Minuten-Takt zwischen Karow und Pankow-Heinersdorf umleiten – der Bahnhof Blankenburg wird aufgrund der Baustelle der Wasserbetriebe nicht angefahren. Gleichzeitig ersetzt eine weitere Route ab Heinersdorf die S8 nach Schönfließ/Birkenwerder.

Ähnlich sieht die Ersatzverkehrsplanung auch für die zweite Sperrpause vom 17. bis 23. Juli aus, doch statt in Karow beginnt die Busumleitung bereits ab dem Bahnhof Buch, südlicher Ausgang. Auch ein Express-Bus wird eingerichtet. Direkt ohne Zwischenstopp fährt dieser über die Autobahn A114 nach Karow und zurück nach Heinersdorf. Anvisiert sind für diese knapp zehn Kilometer lange Strecke 15 Minuten Fahrzeit.

Dabei kommt das Busunternehmen Bayern Express für den Verkehrsverbund ins Spiel. Auf einer Testfahrt unter realistischen Bedingungen am Dienstagmorgen um 8 Uhr sagt Mario Lehmann: „Lange braucht man für die Strecke Buch-Heinersdorf eigentlich nicht, sobald man auf der Autobahn ist, geht das nonstop.“ Die Autobahnauffahrt an der Hobrechtsfelder Straße beispielsweise ist ein großes Problem, weiß der Berliner Planer.

„Das ist immer ein bisschen wie in der Lotterie - mal dauert die Tour 14 Minuten, mal 24 Minuten, je nachdem, wie viele Linksabbieger dann da in der Reihe stehen“, verrät Lehmann die unplanbare Ungenauigkeit. Knapp fünf Minuten wartet der zwölf Meter lange Bus, bevor es auf der Autobahn bis nach Pankow-Heinersdorf weitergeht. Mit 22 Minuten später als geplant schafft er sein Ziel. „So, wie sich das jetzt gezeigt hat, gehe ich mal davon aus, dass bei richtigem Stau auf der Autobahn noch 15 bis 30 Minuten dazukommen können“, macht der erfahrene Fahrer klar.

Damit ein Stau in einer Fahrtrichtung den Schienenersatzverkehr nicht zum Erliegen bringt, setzen S-Bahn und BEX nicht nur circa 60 Busse für die Verbindungen ein. In Pankow „kommt von der Tankstelle bis zum P+R-Parkplatz eine Busspur hin - damit können wir noch ein bisschen flexibler handeln“.

„Natürlich ist klar, dass die Fahrgäste nicht begeistert sind, aber wenn viele wegen des Schienenersatzverkehrs auf ihr Auto umsteigen, dann tragen die genau zum Stau bei“, wirbt Björn Vetter um Verständnis für die Beeinträchtigung durch die Arbeiten. „Aber das ist ein bisschen wie die selbst erfüllende Prophezeiung: 60 Autos sind ein Bus, das darf man nicht vergessen.“ Auch sei das Verkehrsaufkommen in den Ferien geringer.

Ab 10. Juni fallen der RE5 und RB12 aus. Vom 26. Juni bis 17. August gibt es Schienenersatzverkehr auf der S2, vom 26. Juni bis 16. Juli auf der S8.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG