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Blumen säen statt ärgern: Serwester Karl Rümenapf will Maulwurfshügel in Mini-Blühflächen verwandeln

Blühstreifen
Kleiner Gruß an den Naturschutz

Julia Lehmann / 16.05.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 16.05.2018, 15:03
Serwest (MOZ) Wenn Karl Rümenapf einen Maulwurfshügel sieht, schimpft er nicht etwa über den Maulwurf. Er greift zu Mini-Harke und Blumensamen. Es soll ein kleiner Gruß an den Naturschutz sein. Der Serwester will kleine Blühflächen für Insekten schaffen und hofft auf Unterstützer.

Auf seinem großzügigen Grundstück in Serwest (Chorin) macht Karl Rümenapf es vor. Neben dem kurz geraspelten Rasen lässt der immer auch einen eineinhalb Meter breiten Streifen Erde übrig. Jedes Jahr, wenn das Frühjahr in den Sommer übergeht, gedeiht dort eine Wildblumenwiese. Mohn, Kornblume, Sonnenblumen und vieles, bei dem Rümenapf gar nicht so genau weiß, worum es sich handelt. Für die Insekten, vor allem Bienen, denen er damit eine Nahrungsgrundlage schafft, spielt das ja auch keine Rolle.

Auch dieses Jahr im März hat er wieder Samen in den Boden gebracht. Den meisten davon habe er kaufen müssen, so der 83-Jährige. Und das stört ihn. Viel lieber möchte er Samen aus den Pflanzen selbst gewinnen und einen Kreislauf schaffen. Frau Ruth hilft ihm gern dabei. Dazu sammeln beide einfach die Samen aus den bereits verblühten Blumen, lagern sie über den Winter möglichst dunkel und trocken und bringen sie im nächsten Frühjahr wieder raus.

Das ist aber nur ein Teil seines Anliegens. Karl Rümenapf greift immer öfter die Idee eines Ingenieurs aus seinem Bekanntenkreis auf, nach der Maulwurfshügel als Minibeete genutzt werden. Statt sich über den Aushub des unterirdisch lebenden Pelztiers im Garten oder Wald zu ärgern, möchte er, dass viel mehr Menschen, den Maulwurf als „Verbündeten“ betrachten. Rümenapf zeigt wie es geht: Mit einfachem Gartenwerkzeug werden die Hügel kurz durchgeharkt und flach gemacht. Dann werden verschiedenste Samen von blühenden Pflanzen eingebracht. Falls nötig ein bisschen gießen, fertig. „Am besten nimmt man ältere Maulwurfshügel“, sagt Rümenapf. Die seien ganz einfach an der trockeneren Erde zu erkennen.

Effektiv ist das Ganze aber nur, wenn sich viele an dieser kleinen Geste beteiligen. „Ich will die ansprechen, die viel in der Natur sind“, sagt er. Er ruft dazu auf, sich beim Waldspaziergang oder im Park mit Blumensamen auszurüsten und einfach loszulegen, wenn einem ein Maulwurfshügel begegnet. Geht es nach Rümenapf könnten kleinere Blühstreifen an vielen Orten, auch in der Stadt, geschaffen werden. „An Straßenrändern wird so irrsinnig viel gemäht“, sagt Karl Rümenapf. Viel sinnvoller fände er es, Grünstreifen ein bisschen länger stehenzulassen, damit Insekten sie nutzen können. „Wir müssen viel mehr für unsere Insekten tun“, so der Serwester. Wie schwierig es die Insekten in der Region haben, Futter zu finden, meint Rümenapf an den fehlenden Schwalben zu erkennen. Vor 15 Jahren, so sagt er, hätte es noch unzählige in Serwest gegeben. Heute, Fehlanzeige. „Die Landschaft soll wieder zum Blühen kommen“, lautet Rümenapfs Wunsch.

Bei seiner Idee mit den Maulwurfshügeln erhofft sich Rümenapf Hilfe. Samen im Handel zu kaufen, könne schnell teuer werden. Für die eigene Ernte habe vielleicht auch nicht jeder Zeit. Naturschutzvereine und -organisationen, aber auch landwirtschaftliche Betriebe sollen bei der Beschaffung der Blumensamen behilflich sein. Die Idee zu alldem sei ihm in diesem Frühjahr gekommen. In seinem Garten, an einem Maulwurfshügel.

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