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Sport mit Handicap
Fast 1000 Teilnehmer bei Integrationssportfest

Zog die Blicke auf sich: Paralympics-Teilnehmer Matthias Schulze war der Stargast beim Integrationssportfest.
Zog die Blicke auf sich: Paralympics-Teilnehmer Matthias Schulze war der Stargast beim Integrationssportfest. © Foto: MOZ/Roland Becker
Roland Becker / 16.05.2018, 17:48 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Die Rekorde beim mittlerweile 19. Integrationssportfest purzelten am Mittwoch nicht erst auf dem Sportplatz des Rugbyvereins, sondern schon in den Wochen zuvor. Mit 991 Teilnehmern wurden alle bisherigen Zielmarken deutlich überschritten.

„Wir hatten bei der Planung mit etwa 750 Anmeldungen gerechnet“, berichtete Steffen Leber von der Projektfördergesellschaft PuR, die das Sportevent ausrichtet. Der neue Rekord sorgte nicht nur für mehr organisatorischen Aufwand, sondern ließ die Finanzierung zwischenzeitlich auch ins Wanken geraten. Es dauerte, ehe der Kreis bereit war, die zusätzlich benötigten 1 000 Euro zur Verfügung zu stellen.

Während Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam an den sechs Stationen des Geschicklichkeitswettbewerbs und beim Dreikampf ihre Kräfte maßen, bangte PuR-Chefin Annette Koegst noch, dass die Siegerehrung pünktlich stattfinden kann. Auch hier stellte die hohe Zahl der Teilnehmer eine echte Herausforderung dar: „Ich zittere etwas, dass die Ergebnisse von 635 Dreikämpfern pünktlich vorliegen. Aber ich setze auf die von einem Lehrer des Oberstufenzentrums eigens für uns entwickelte Software.“

Der Tradition des Integrationssportfests folgend wurde auch in diesem Jahr ein international erfolgreicher Behindertensportler nach Hennigsdorf eingeladen. Der mehrfache Paralympics-Teilnehmer Mathias Schulze ließ es sachte angehen, als er beim Kugelstoßwettbewerb gegen ein Team von Lehrern und PuR-Mitarbeitern antrat. Seine erste Kugel landete so, dass die Kontrahenten durchaus achtbare Ergebnisse erzielten. Mit dem zweiten Wurf allerdings zeigte er sein wahres Können. „Das waren so 14 Meter, ich wollte meine Mitstreiter nicht gleich entmutigen“, erklärte er die Differenz zwischen beiden Würfen.

Der 34-Jährige kam wegen einer Rötelerkrankung seiner Mutter während der Schwangerschaft bereits mit einem Handicap auf die Welt. Doch die fehlende Hand hat ihn nie davon abgehalten, sich für den Sport zu begeistern – vor dem Fernseher ebenso wie auf dem Sportplatz. Als er mit zwölf Jahren Fußball spielte, sei er der Einzige im Verein mit einer Behinderung gewesen.

„Ich habe mich sozusagen selbst entdeckt“, plaudert der studierte Techniker über seinen Einstieg in den internationalen Behindertensport. „Ich bin groß, sportlich, habe nur einen Arm und will zu den Paralympics“, schrieb er 2005 an den zuständigen Bundestrainer. Sein Traum erfüllte sich 2009, als er in London an den Start gehen konnte. Seinen größten Erfolg errang er 2017, als ihm bei den Para-Weltmeisterschaften der Leichtathleten in London sein Wurf den Vize-Weltmeistertitel einbrachte.

Vor den Paralympics 2020 in Tokio, bei denen er sich eine Medaillenchance ausrechnet, stehen erst einmal die diesjährigen Hausaufgaben. Im August findet die Para-Leichtathletik-EM im Berliner Jahn-Sportpark statt. „Wir wollen dort volle Ränge haben und freuen uns über jeden Zuschauer“, bittet er um regen Besuch. Das war auch der Grund, weshalb am Mittwoch in Hennigsdorf der Berliner Behindertensportverband als Organisator der Para-Euro 2018 mit einem Info-Stand vertreten war.

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