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Ultraläufer Silke Stutzke und Stefan Bichler wagen sich ein an ein neues Abenteuer und laufen nach Trzebiatów

Ultralauf
220 Kilometer nonstop nach Polen

Freuen sich auf ihren ganz besonderen Pfinsgtlauf: Die Klosterfelder Ultraläuferin Silke Stutzke und ihr Laufpartner Stefan Bichler legen die 220 Kilometer von Wandlitz nach Trzebiatow zurück.
Freuen sich auf ihren ganz besonderen Pfinsgtlauf: Die Klosterfelder Ultraläuferin Silke Stutzke und ihr Laufpartner Stefan Bichler legen die 220 Kilometer von Wandlitz nach Trzebiatow zurück. © Foto: privat
Britta Gallrein / 18.05.2018, 05:30 Uhr - Aktualisiert 18.05.2018, 10:06
Klosterfelde (MOZ) Für verrückte Ideen ist Ultraläuferin Silke Stutzke ja bekannt. Von Berlin nonstop nach Usedom laufen – kein Problem. 24 Stunden auf einer Tartanbahn in Spanien Runden fressen – klaro. Jetzt kommt der neuste Coup: Es geht nach Polen. 220 Kilometer. Laufend. Nonstop.

„Ich wollte mal was Neues machen“, erzählt die 50-jährige Klosterfelderin. Und das bedeutet bei ihr nicht wie bei anderen Läufern, vielleicht mal die Laufstrecke zu ändern oder sich an den ersten Marathon zu wagen. Etwa Neues muss natürlich bei ihr ein Ultra sein. Und zwar diesmal ein grenzüberschreitender. Die Ultraläuferin will gemeinsam mit Laufpartner Stefan Bicher am heutigen Freitag von Klosterfelde in die Partnergemeinde ihres Heimatortes Wandlitz, nach Trzebiatów an der polnischen Osteseeküste laufen. 220 Kilometer werden es etwa werden, schätzt Silke Stutzke.  Ein fünffacher Marathon also, der sie da erwartet.

Am Freitag geht es los. Um 16 Uhr will das Lauf-Duo vom Wandlitzer Rathaus aus starten. „Bürgermeisterin Jana Radant hat schon zugesagt, dass sie uns verabschieden wird. Vielleicht kommen auch noch ein paar Schulkinder“, sagt Silke Stutzke, der man die Vorfreude auf diesen besonderen Lauf anmerkt. „Es ist ein großes Abenteuer“, berichtet die 50-Jährige lachend, die damit Neuland betritt. Bislang hat sie immer an organisierten Läufen teilgenommen. „Da ist ja dann alles genau geplant. Man weiß, wo die Verpflegungspunkte kommen, wo man sich ausruhen kann, wann man welchen Kilometerpunkt erreicht hat“, sagt sie. Das ist diesmal anders. Denn ganz bewusst verzichten die beiden Läufer auf eine allzu ausgeklügelte Planung. „Es kann unterwegs so viel passieren. Das macht es so interessant. Wir haben zwar ein kleines Begleitfahrzeug dabei, das unser Gepäck transportiert, aber das wird uns ja nicht ständig begleiten“, erzählt Stutzke. „Wir werden unterwegs einfach anhalten und was essen, wenn wir irgendwo vorbei kommen, wo es uns gefällt.“

Ihren Laufpartner, den Berliner  Stefan Bicher, kennt sie aus ihrem Verein LG Nord Berlin. „Der Stefan ist zum Glück für verrückte Ideen immer zu haben.“ Auch wenn sich der 36-Jährige schon ein wenig Sorgen mache, ob er die Tour durchhält. „So eine lange Strecke ist er noch nie gelaufen. Das weiteste waren für ihn 160 Kilometer.“

Ist es nicht schwer, sich über so eine lange Strecke einem anderen Läufer anzupassen? „Wir sind im Vorfeld viel zusammen gelaufen. Wichtiger als das sportliche ist aber das mentale“, findet Silke Stutzke. „Es ist wichtig, dass man sich versteht. Man muss wissen, dass man auch mal sagen kann: Lass uns jetzt mal eine Stunde nicht reden. Und der andere dann nicht eingeschnappt ist.“ Ein gemeinsames Tempo finde man von allein, ist sie überzeugt. „Stefan ist ein Typ, der sich dem anderen anpasst. Er ist total unkompliziert und unehrgeizig. Er läuft als Ausgleich für den stressigen Arbeitsalltag, also das ist alles ganz entspannt.“

Allerdings: Ankommen wollen die beiden natürlich unbedingt. 42 Stunden müssen sie dafür etwa laufen – am Stück. Höchstens zum Essen wird mal kurz angehalten und Rast gemacht, dann geht es weiter. Ein GPS-Tracker wird ihnen den Weg weisen.

Wann kommt bei einer solchen Strecke denn der berühmte tote Punkt? „Das kann ich nicht sagen. Ich bin noch nie so spät los gelaufen. Normalerweile starten wir ja morgens früh, jetzt erst nachmittags. Ich denke, so zwischen vier und fünf Uhr morgens wird es vermutlich hart werden, weil dann die Müdigkeit dazu kommt“, fürchtet Silke Stutzke. Wenn es gar nicht mehr geht, dann sind die beiden gewappnet. „Dann marschieren wir einfach. Das haben wir viel geübt“, berichtet sie. Am Körper werden sie nur einen kleinen Rucksack tragen mit einer Jacke, einem Shirt zum Wechseln, ein paar Müsli-Riegeln und etwas Wasser. Bloß nicht zu viel mit schleppen.

Die Ankunft in Polen haben die beiden am Pfingst-Sonntag gegen 1 Uhr geplant – nach 42 Stunden. „Die Leute aus der Stadtverwaltung in Trzebiatów waren total begeistert, als wir von unserem Vorhaben berichtet haben“, erzählt Silke Stutzke. „Die haben gesagt: Zu Fuß ist noch keiner gekommen“, freut sie sich.  „Die haben uns sogar eine Übernachtung im Hotel spendiert.“ Fünf Kilometer vor der Stadt werden die beiden dann von einer Gruppe Läufer und der Stadtpolizei bis ins Ziel begleitet.

Wenn sie genug ausgeruht haben, wollen beiden Ultraläufer noch die Gelegenheit nutzen, sich die Stadt anzusehen, bevor es wieder zurück nach Brandenburg geht. Wie, das steht übrigens noch nicht fest. „Darüber haben wir noch nicht so richtig nachgedacht – wahrscheinlich mit dem Zug“, berichtet Silke Stutzke, für in diesem Jahr sportlich noch so einiges ansteht. „Eventuell laufe ich noch einmal die 24 Stunden von Barcelona.“ Und eine Premiere will sie in diesem Jahr feiern. „Ich werde beim Berlin Marathon starten“, kündigt sie an. Ein Event, das mit seiner Größe und dem ganzen Spektakel eigentlich so gar nicht nach ihrem Geschmack ist. „Aber eine Freundin will ihren ersten Marathon laufen und hat gefragt, ob ich sie begleite. Und eine andere hat mir ihren Startplatz geschenkt. Dann muss ich das ja eigentlich mal machen.“

Aber jetzt steht erst das Abenteuer Trzebiatów an. Wer die beiden Ultras mit auf die Reise schicken will: Die beiden starten am heutigen Freitag um 16 Uhr vom Rathaus in Wandlitz aus.

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