Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Zwei Freienwalder berichten Austauschreporterin Kathrin Meyer, warum sie wieder in ihre Heimat gekommen sind

Heimweh
Rückkehr war stets ihr Traum

Kathrin Meyer / 18.05.2018, 07:30 Uhr - Aktualisiert 18.05.2018, 10:01
Bad Freienwalde ( ) Wer in Bad Freienwalde unterwegs ist, der trifft sie nicht unbedingt auf der Straße, die jungen Leute. Nach dem Schulabschluss verlassen viele ihre Heimat, um eine Ausbildung zu machen oder zu studieren. Das ist vor Ort kaum möglich. Zwei Freienwalder erzählen unserer Kollegin Kathrin Meyer, Teilnehmerin an der Aktion Reporter-Tausch, warum sie zurückgekommen sind.

„Es war immer mein Traum zurückzukommen“, sagt Till Grüning. Der 34-Jährige arbeitet seit September als Sozialarbeiter an der Käthe Kollwitz Grundschule in Bad Freienwalde. Nach dem Abitur hatte Grüning zuerst in Halle Wirtschaftsinformatik studiert, war dann zur Betriebswirtschaftslehre gewechselt. Aber auch hier merkte er, das ist nicht das, was er eigentlich machen wollte. Er orientierte sich um und kam erst einmal wieder zurück nach Freienwalde. Kurze Zeit später begann Grüning eine Ausbildung zum Erzieher und zog dafür nach Berlin.

Für viele ist die Hauptstadt die hippe Trendmetropole – nicht für Grüning. „Ich bin in Wendtshof groß geworden, da hat mich schon die Größe von Halle überfordert“, sagt Grüning. Ähnlich sei es dann in Berlin gewesen. Er habe immer unglaublich lange gebraucht, um sich einzugewöhnen und habe nie das Gefühl, wirklich angekommen zu sein. In Bad Freienwalde sei das anders.

Im vergangenen Jahr haben Grünings Eltern das alte Spielbau-Gelände am Sonnenburger Weg gekauft. „Die Anlange hier soll ein kleines Familienprojekt werden“, sagt Grüning. Der ebenso wie sein Bruder bald mit den Eltern auf dem Gelände wohnen will. Außerdem sollen Ferienwohnungen vermietet werden.

Ob seine Freunde verstehen können, dass er wieder zurück nach Bad Freienwalde gezogen ist? „Ja, die die mich kennen, auf jeden Fall“, sagt Grüning. „Die wissen, dass ich immer wieder ins Grüne wollte und sie kommen mich hier auch gerne besuchen.“ Grüning schätzt die Weite und, dass er nicht unbedingt auf jemanden Rücksicht nehmen muss. Viele Kontakte in Bad Freienwalde habe er verloren, weil er länger weggewesen sei. Aber das komme jetzt alles nach und nach wieder. Auch über seine Arbeit an der Schule könne er viele alte Bekanntschaften wieder erneuern. Die Partnersuche ist allerdings schwieriger auf dem Land, das hat der 34-Jährige bereits gemerkt – viele hätten direkt kein Interesse, wenn er sage, dass er nicht direkt in Berlin wohne. Aber davon will er sich nicht abschrecken lassen. Die Vorteile für ihn überwiegen.

Ähnlich sieht es auch Anne Freudenberg. 2007 hat die 30-Jährige Abitur am Gymnasium Bertolt Brecht in Bad Freienwalde gemacht, heute ist sie selbst seit vier Jahren dort Lehrerin. Ob sie nicht von vielen Kollegen noch als Schülerin gesehen wird? „Nein, auf keinen Fall“, sagt sie. Das sei nie ein Problem gewesen. „Ich war hier für niemanden mehr Schülerin.“

Ihren Mann hat sie schon zu Schulzeiten in Bad Freienwalde kennengelernt, gemeinsam haben sie dann in Berlin studiert. Aber irgendwann habe es dann auch gereicht mit dem Trubel in der Hauptstadt. Beide wollten gerne wieder zurück zu ihren Familien in die brandenburgische Kurstadt, dass es dann für sie mit einer Stelle am Brecht Gymnasium geklappt hat, ist für Freudenberg ein absoluter Glücksfall. Ihr Mann sei erst noch längere Zeit nach Berlin gependelt, mittlerweile arbeite er ebenfalls in der Nähe.

Dass sie zurückgekommen sind, haben sie nie bereut. Freudenberg unterrichtet Biologie und Politische Bildung. Mit diesen Fächern unterrichtet sie fast alle der 300 Schüler und die kennt man dann natürlich auch mit Namen. „Man muss das natürlich mögen, dort zu arbeiten, wo man auch wohnt“, sagt Freudenberg. Für viele furchtbar, aber sie kenne es nicht anders. Wo sie früher ihre Lehrer auf dem Stadtfest getroffen habe, da treffe sie jetzt eben ihre Schüler.

Aber an einer kleinen Schule sei das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern einfach sehr eng und familiär. Eben wie sonst auch in Bad Freienwalde, da kenne jeder jeden. Gerade das schätzt Freudenberg an der Kurstadt – man lebt nicht so anonym wie in Berlin. Und das ist einfach das, was ihre Heimat für Freudenberg ausmacht. Neben der Ruhe und der vielen Natur in die man unmittelbar eintauchen kann - etwas, was die 30-Jährige in ihrer Zeit in Berlin immer vermisst hat.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG