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Blumberger Mühle betreibt Deutschlands erste begehbare Freianlage für fast ausgestorbene heimische Panzertiere

Naturschutz
Der Hüter der Schildkröten

Daniela Windolff / 18.05.2018, 07:30 Uhr - Aktualisiert 18.05.2018, 11:47
Angermünde (MOZ) In der Blumberger Mühle finden die letzten Exemplare der fast ausgerotteten Europäischen Sumpfschildkröte noch ein Refugium. Im naturgetreuen Freigehege beginnt jetzt die Zeit der Eiablage.

Im Schutze der Dämmerung, wenn die Sonne genug Zeit hatte, den Boden zu wärmen, beginnt ein stilles Schauspiel. Schildkrötenweibchen krabbeln ans Ufer und graben auf der sandigen Böschung eine Grube. Hier legen sie 10 bis 12 Eier ab und buddeln alles sorgsam zu. Es ist der Brutkasten für den Schildkrötennachwuchs, der je nach Witterung spätestens im kommenden Frühjahr schlüpft. Winzige Schildkrötenbabys, nicht größer als ein Zwei-Euro-Stück, krabbeln aus der Eihülle ins Freie und flitzen dem schützenden Wasser entgegen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Fressfeinde lauern. Die zarten Babys sind ein Leckerbissen für Raben, Reiher, Marder und neuerdings auch für Waschbären, die Schildkröten für ihren Speisezettel neu entdecken.

Dieses faszinierende Wunder neuen Lebens findet nicht an Meeresküsten in südlichen Hemisphären statt, sondern ist im Freigelände der Blumberger Mühle zu beobachten. Die neu gebaute Besucherplattform in Deutschlands erstem begehbaren Freigelände für Schildkröten bringt die seltenen und extrem scheuen Tiere ganz nah. „Die Anlage ist unser Besuchermagnet. Hier den Schildkröten hautnah beim Sonnenbaden, Schwimmen oder mit Glück die kleinen Babys beobachten zu können, ist schöner als jede Tierdoku im Fernsehen“, erklärt Mathias Otto, der für die Schildkrötenanlage verantwortlich ist.

Dass man die kleinen Panzer in freier Wildbahn nicht entdeckt, liegt zum einen daran, dass sie extrem scheu und zurückgezogen an ruhigen Seeufern und Sümpfen leben. Vor allem jedoch, dass es so gut wie keine Schildkröten mehr in Deutschland gibt. Die Europäische Sumpfschildkröte, die hier ihre nördlichste Verbreitung hat und sich als eigene Unterart an die klimatischen Bedingungen angepasst hat, ist in Mitteleuropa quasi ausgestorben. Bis ins 19. Jahrhundert wurden sie massenhaft gefangen und ganze Wagenladungen als Fastenspeise auf Märkte nach Berlin gekarrt. Später machte die Zerstörung ihres Lebensraumes den Garaus.

Kleine Restpopulationen freilebender Tiere gibt es nur noch in der Uckermark. Deren Lebensräume werden geheim gehalten und besonders geschützt. In der Naturschutzstation Rhinluch werden die Tiere nachgezüchtet. Und auch in der Blumberger Mühle finden sieperfekten Lebensraum, in dem sie sich offensichtlich wohlfühlen und vermehren. 20 Tiere hat Mathias Otto gezählt. Regelmäßig im Frühling, wenn die Tiere aus der Winterstarre erwachen und Sonne tanken, macht er Inventur.

„Unser Auftrag ist die Umweltbildung. Wir wollen die seltenen Tiere erlebbar machen, ihre Lebensweise zeigen und für den Schutz der Roten-Liste-Art sensibilisieren, damit die Methusalems im Tierreich weiter leben dürfen.

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