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45 Naturfreunde begleiten Wanderung über Bebauungsplangebiet / Seltene und schützenswerte Pflanzen auch Am Wäldchen Süd

Umwelt
Botaniker Jürgen Feder begeistert von Artenvielfalt am Johanneshof

Großes Interesse: Rund 45 Naturfreunde folgten dem Botaniker Jürgen Feder durch den Naturraum Strausberg-Ost.
Großes Interesse: Rund 45 Naturfreunde folgten dem Botaniker Jürgen Feder durch den Naturraum Strausberg-Ost. © Foto: Thomas Dahl
Jenny Stiebitz / 29.05.2018, 21:15 Uhr - Aktualisiert 30.05.2018, 10:15
Strausberg Der Diplom-Ingenieur für Landschaftspflege, Flora und Vegetationskunde Jürgen Feder zählt zu den bekanntesten Experten für Botanik in Deutschland. Auf Bitten der Naturschützerin und Mitstreiterin der Bürgerinitiative Marlis Greil erschien Feder am vergangenen Wochenende am Johanneshof, wo ihn 45  Zuhörer erwarteten.

Dass der Johanneshof und Am Wäldchen Süd schützenswerte Gebiete sind, wissen Engagierte der Bürgerinitiative Naturraum Strausberg-Ost. Nachdem sie erst kürzlich einen zweijährigen Baustopp für die Gebiete erwirken konnten, arbeitet die Bürgerinitiative nun daran, die Gebiete bekannt zu machen. Sie wollen den Strausbergern zeigen, warum die Flächen so liebens- und erhaltenswert sind. Und wer könnte das besser als „der Feder“?

Die Begehung hätte gut länger gehen können als die zwei Stunden. Feder war begeistert von der Stadt, ihren Menschen und dem Johanneshof: „Strausberg heißt das hier? Das muss ich mir merken!“ Die Zuhörer machten sich teilweise seitenlange Notizen zum Silberfingerkraut, zur Ackerwitwenblume, zum Binsen­knorpellattich und vielen weiteren. Ein Gast äußerte sich im Anschluss: „Ich habe heute sehr viel Neues gelernt, zum Beispiel, dass das Labkraut die Milchproduktion von Kühen anregt und von Menschen als Salat gegessen werden kann.“

Während der Begehung wurde Magerrasen identifiziert, der nach Paragraf 28a als Biotop zu schützen ist.  Auch die geschützte Sandstrohblume sowie das Silbergras wurden gefunden. Auf Nachfrage einer Zuhörerin, ob es denn nicht schlimm wäre, wenn jetzt so viele Menschen über den Johanneshof latschen, meinte Feder auf seine ganz eigene Art: „Wir latschen hier nichts kaputt. Wir sind heute die Schafe, und deren Job ist wichtig. Nur so kann ein Gleichgewicht entstehen und die Samen weitergetragen werden.“

Zum Dank lud die Bürgerinitiative Feder zum gemeinsamen Ausklang bei Hannelore Hostmann-Sachse ein. Feder stellte fest: „Ich würde den Johanneshof unter Naturschutz stellen, damit man das nicht zubaut. Dort wurde nie gedüngt, und das ist gut, denn nur so kann es diese wunderbare Mischung auf dem Johanneshof geben. Jede Art ist wertvoll. Es geht nicht nur darum, dass wir seltene Arten haben, sondern Artenvielfalt.“ Peter Müller ergänzte, dass der weitere Verlust unwiederbringlichen Naturraumes vermieden werden müsse: „Gebraucht werden neue Handlungsinstrumente für einen zeitgemäßen Stadtumbau, nicht mehr Flächenverbrauch, nutzen wir, was da ist, effizienter.“

Feder war begeistert von der Natürlichkeit des Naturraums am Johanneshof, so dass er spontan eine zweite Begehung für die Fläche „Am Wäldchen Süd“ für den Folgetag verabredete. Am Sonntag begleiteten Katja und Thomas Dahl von der Bürgerinitiative  Jürgen Feder zum „Am Wäldchen Süd“. Auch dort haben sie viele Arten entdeckt wie die Sandgrasnelke und die Trompetenpflanze. Feder zeigt sich so beeindruckt von den Flächen und vom Engagement so vieler Menschen, dass er gern mit der Bürgerinitiative in Kontakt bleiben will. Er versprach im Herbst oder Winter wieder zu kommen und eine zweite Wanderung durchzuführen.

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