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Premiere für Schüler des Wriezener Johanniter-Gymnasiums und deren Eltern zum Übergang ins Erwachsenenalter

Feier
Jugendsegnung als neue Form

Anett Zimmermann / 30.05.2018, 07:00 Uhr
Wriezen (MOZ) Neben Jugendweihe, Konfirmation und Firmung gibt es in Wriezen ein neues Angebot, den Übergang ins Erwachsenenalter zu begehen: die Jugendsegnungsfeier. 28 Schüler des Evangelischen Johanniter-Gymnasiums nahmen daran jetzt teil.

Die Mehrheit der Jugendlichen in der Region feiert bis heute Jugendweihe, für evangelische Christen gibt es die Konfirmation, für katholische die Firmung. Und was machen Schüler des Evangelischen Johanniter-Gymnasiums in Wriezen? Ihnen steht schon länger ein vierter Weg offen. In diesem Jahr allerdings in einer neuen Form, wie Robert Parr betont. Er ist geistlicher Leiter des Christlichen Vereins Junger Menschen Oderbruch (CVJM) und für die Region Seelow und Bad Freienwalde zuständiger Jugendpfarrer im Evangelischen Kirchenkreis Oderland-Spree.

Parr erinnert in dem Zusammenhang an die „Take off“ genannte Veranstaltung, wie sie in Fürstenwalde bereits seit 15 Jahren praktiziert wird. „Daran haben wir uns orientiert.“ Für die Jugendsegnungsfeier am Sonnabend in der katholischen St.-Laurentius-Kirche in Wriezen hätten sich 28 Schüler angemeldet. In dem Gotteshaus finden auch andere Veranstaltungen der Johanniter-Schulen statt. Neben dem 2007 gegründeten Gymnasium gibt es inzwischen seit drei Jahren auch eine Grundschule.

„Mit dieser großen Resonanz hatten wir allerdings nicht gerechnet“, räumt der Robert Parr ein, der die Veranstaltung gemeinsam mit Schulpfarrer Daniel Dubek vorbereitet und gestaltet hat. Bei 28 Teilnehmern seien die vorab monatlichen Treffen eine große Herausforderung gewesen. „Da müssen wir uns fürs nächste Mal etwas einfallen lassen, zum Beispiel die Gruppe teilen“, meint Parr und dankt in dem Zusammenhang auch Mark Steiner vom Wriezener CVJM-Jugendhaus. „Mit den Jugendlichen haben wir uns in den vergangenen sechs, sieben Monaten mit den Fragen, was vor, neben, hinter, über oder auch unter uns ist, beschäftigt.“ Dabei sei es unter anderem um Herkunft, Heimat, Freundschaft, aber auch um das Sterben gegangen. „Kein einfaches, aber wichtiges Thema“, sagt Parr, der selbst Familienvater ist. Zwei der Jugendlichen hätten auch erst kürzlich einen Elternteil verloren. „Das macht das Erwachsenwerden nicht leichter.“

Und so sei es immer wieder auch um die Frage nach Sicherheit gegangen. Während der Jugendsegnungsfeier werden dazu Bilder aus dem Kletterpark in Strausberg eingespielt. „Hoch in den Bäumen wurde der Kurs immer schwieriger“, blickt Robert Parr zurück. Den Parcours 11 hätten einige der Schüler noch bewältigt, den letzten dann aber nicht mehr. „Man brauchte Kraft und Technik, um die Aufgaben gut zu bewältigen. Wie auch im Leben benötigen wir bestimmte Gaben und Fähigkeiten, die uns Sicherheit geben.“

Dass „Irgendwas bleibt“, wie es in einem Hit der Bautzener Band „Silbermond“ heißt, damit überraschen dann Eltern ihre Kinder im Chor. Letztere wiederum hatten in der Vorbereitung ihr Zuhause oft als Sicherheit bezeichnet. Und das Erwachsenwerden damit gleichgesetzt, zunehmend Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst und andere. Das Nest zu verlassen, bedeute, Sicherheit zu verlieren, sagt Robert Paar, aber auch, Freiheit zu gewinnen. Und vor dem Segen noch: „Es gibt immer einen Gott, der dich trägt, egal, ob du an ihn glaubst.“ Dass die Liebe immer bleibt, auch wenn sich ihr Ziel verändere oder sie sich mal verkrieche. „Liebe macht das Leben erst lebenswert.“

Während Robert Parr und Daniel Dubek die Jugendlichen segnen, kommen bei Eltern und anderen Verwandten erste Tränen der Rührung auf. Erst recht, als sich die jungen Erwachsenen bei ihren Müttern und Vätern per Videobotschaft – weil es so leichter fällt – und dann in die Reihen gehend mit einer Rose dafür bedanken, dass diese immer für sie da waren und es auch künftig sein werden.

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