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Tour de MOZ
Schlittenhunde mitten in der Mark

Kunst als Begleiter: Kurze Pause der Tour-de-MOZ-Radler an der Kreuzung des aus Prötzel kommenden Kähnsdorfer Wegs und der Tour Brandenburg. An Letzterer stehen immer wieder Holzskulpturen, die in den vergangenen Jahren während verschiedener Workshops entstanden sind.
Kunst als Begleiter: Kurze Pause der Tour-de-MOZ-Radler an der Kreuzung des aus Prötzel kommenden Kähnsdorfer Wegs und der Tour Brandenburg. An Letzterer stehen immer wieder Holzskulpturen, die in den vergangenen Jahren während verschiedener Workshops entstanden sind. © Foto: Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 04.06.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 04.06.2018, 07:37
Wriezen (MOZ) Wriezen. Das Wetter meint es gut mit den Teilnehmern, die am Sonnabend zur Tour de MOZ anlässlich des Deichtags in Wriezen aufbrechen. Über Nacht hatte es sich merklich abgekühlt und der Tross kommt nach 50 Kilometern Fahrt auch trocken an den Ausgangspunkt zurück.

Die MOZ-Radler, die diesmal erneut aus allen Himmelrichtungen kommen, sind meist leicht zu erkennen. Viele tragen zur Tour am Sonnabend eines der blauen Tour-de-MOZ-Shirts. Dass sie an diesem Tag mit Tourleiter Dieter Hennig 50 Kilometer unter ihre Räder nehmen wollen, nötigt Passanten auf dem Wriezener Marktplatz immer wieder Respekt ab.

Die Tour de MOZ am 2. Juni 2018 startete vom Wriezener Marktplatz. Dort fand am Wochenende der 21. Deichtag zur Erinnerung an das Oderhochwasser von 1997 statt. An die 50 Radler machten sich nach der offiziellen Eröffnung durch Bürgermeister Karsten Ilm (CDU) und Salutschüssen der Schützengilde Wriezen auf eine knapp 50 Kilometer lange Strecke über Schulzendorf, Lüdersdorf, Haselberg, Harnekop, Sternebeck, Prötzel, Prädikow, Reichenow, Möglin, Kunersdorf, Bliesdorf und Vevais. Tipp für Nach-Radler: Vom Husky-Park aus geht es über die Biesower Straße zur B 168. Prötzel ist dann schon zu sehen. Noch vor dem Ort geht es aber rechts ab (An der Weißen Brücke). Gegenüber der Kita und Grundschule liegt der Kähnsdorfer Weg, der direkt zur Tour Brandenburg und zurück nach Wriezen führt.
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Tour de MOZ zum Deichtag in Wriezen

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Vor allem, wenn sie hören, dass es erst einmal Richtung Schulzendorf geht. Für Autofahrer ist der lange Anstieg ein Klacks, aber für Fahrradfahrer? Und: Noch immer sind nicht wenige Unentwegte im Pulk der etwa 50 Radler zu entdecken, die nur per Muskelkraft unterwegs sind. „In der Zeitung stand, dass es nur diesen einen schweren Anstieg gibt und sonst Tempo 15 gefahren werden soll“, sagt Rona Bochow-Höhne, die ebenfalls mit einem normalen Rad unterwegs ist. Sie hat sich kurzfristig für diesen Ausflug entschieden. Genauso wie Kathrin Klesse und Dagmar Leue. Alle drei kennen sich aus Wriezen, wo sie wohnen und auch das eine oder andere miteinander unternehmen. Aber, so stellen sie dann fest, sie sind das erste Mal bei einer Tour de MOZ dabei.

„Dabei fahre ich viel Fahrrad“, sagt Dagmar Leue und verweist unter anderem auf eine zweimalige Teilnahme bei der in der Region ebenfalls bekannten Tour de Tolérance. „Mich hat meine Nachbarin angesprochen“, sagt Kathrin Klesse und verweist auf ihre Vorrednerin. Auch sie freut sich, dass sie nun dabei ist. „Es ist ja manchmal nicht so einfach, sich am Sonnabend gleich wieder zu aktivieren“, gibt die Köchin in einer Kita offen zu und ergänzt: „Das hängt doch davon ab, wie die Woche vorher war.“

Nach kurzen Trinkpausen in Schulzendorf, Haselberg und Sternebeck geht es dort an der Dorfkirche und dem Vereinsheim der Meeresangler vorbei Richtung Wald und Husky-Park. Da wartet kurz nach 12 Uhr bereits Axel Kranich mit seiner Gulaschkanone. Während sich das Gros der Radler schon mal anstellt, um sich einen Schlag Erbsensuppe mit Bockwurst zu holen. zieht es einige als erstes zu den Zwingern mit den Sibirian Huskys und den Grönländern. Walter Steinbach, der mit seinen Hunden bereits seit 2002 in Prötzel lebt, steht gern Rede und Antwort.

Und auch Tourführer Dieter Hennig weiß einiges zu erzählen, hatte er zu seinem 70. Geburtstag doch eine Huskytour bei Walter Steinbach geschenkt bekommen. Die seien in Prötzel allerdings nur bei Temperaturen bis 20 Grad Celsius möglich, macht der Gründer von Stonecreek Tours deutlich. Was ihn nach Prötzel verschlagen hat? „Hier oben bin ich einen Tag näher an Skandinavien dran“, sagt Steinbach, der aus dem Allgäu stammt und dort auch Schlittenhunderennen gefahren ist. „Da gab es richtige Winter und jedes Wochenende ein Rennen an einem anderen Ort.“ Über den Sport sei er schließlich zu den langen Touren gekommen, die er heute in Prötzel, im Februar und März aber auch in Schweden, anbietet.

Der Himmel hat sich unterdessen bezogen. „Da werden wir unterwegs wohl irgendwo nass werden“, meint einer der Teilnehmer. Doch selbst das Donnergrollen später in Kunersdorf wird nur ein Grollen bleiben. Die paar Tropfen, die die Tour-de-MOZ-Teilnehmer abbekommen, sind nicht der Rede wert. Dafür haben sie eine Frage nach der anderen an Walter Steinbach.

Wie alt werden seine Hunde? „Der Älteste ist 16, aber der wird natürlich nicht mehr angespannt.“ Wie viele Kilometer legen sie mit den Hunden zurück? „2000 bis 3500 im Winter.“ Wie finanzieren Sie das Ganze? „In dem Gäste mich bezahlen.“ So gibt es in Prötzel unter anderem Schnupper- und Halbtagestouren, in Schweden seien es jeweils Aufenthalte von sieben Tagen. Und wie kalt ist es da? „Bei minus 15 bis minus 20 Grad Celsius sind die Hunde am besten drauf, es kann aber auch deutlich kälter werden.“ Macht das den Hunden nichts aus? „Nein, sie bleiben meist draußen und lassen sich sogar einschneien. Unter der Schneedecke bewegen sie sich dann etwas, um sich Platz und damit so etwas wie einen kleinen Iglu zu schaffen.“

Benötigt man für die Touren Vorkenntnisse oder Ausrüstung? „Nein, aber die Teilnehmer müssen mitmachen, also auch die Hunde ein- und ausspannen, versorgen. Während ihrer Zeit in unserem Camp in Schweden, das etwa 200 Kilometer von Östersund entfernt liegt, kümmern sie sich stets um ein festes Gespann, wechseln die Hunde also nicht.“ Rund 70 Prozent der Gäste seien übrigens Frauen.

Und dann muss Steinbach erst einmal eingreifen: Die Huskys raufen miteinander. Das sei häufiger der Fall, aber nur untereinander. „Schlittenhunde sind immer noch Wölfe“, sagt der Outdoor-Guide. Viele Kommandos müsse man auch nicht lernen. Und nein, das Iditarod – das längste Hundeschlittenrennen der Welt über mehr als 1800 Kilometer durch Alaska – sei er noch nicht mitgefahren. „Das werde ich auch nicht“, erklärt Steinbach und fügt hinzu: „Dafür braucht man unter anderem spezielle Hunde.“

Von den Huskys ist Olga Kelch aus Strausberg bei der Rückkehr in Wriezen noch ganz begeistert: „Allein die Augen, aber auch, dass wir so viel über die Hunde erfahren haben.“ Und sonst? „Wir haben wieder einmal etwas Neues in unserer Region kennengelernt, und das ist doch Sinn und Zweck dieser Touren. Die Landschaft und die Jahreszeit sind ebenfalls toll, die Linden blühen und der Holunder, dazu die Roggenfelder, der Mohn und die Kornblumen...“

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