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Der Anglistenchor Heidelberg und Kantor Christoph Bornheimer eröffneten den 4. Strausberger Orgelsommer

Strausberger Orgelsommer
Zwei Zugaben und viel Applaus

Jens Sell / 05.06.2018, 06:00 Uhr
Strausberg (MOZ) Mit zwei Zugaben ist am späten Sonntagnachmittag das Eröffnungskonzert des 4. Strausberger Orgelsommers zu Ende gegangen. Die Besucher auf den gut besetzten Bänken der Marienkirche hörten den Anglistenchor Heidelberg im Dialog mit der Orgel von der Empore.

Es hatte einen Hauch von Gemeinschaftsempfang, wie er in den nächsten Wochen der Fußball-Weltmeisterschaft Alltag werden wird: Eine große Leinwand vor der rechten Seite des Chorraums der Marienkirche zeigte den Blick auf die Empore, wo der Anglistenchor Heidelberg unter Leitung von Jan Wilke und der Strausberger Kantor  Christoph Bornheimer einen konzertanten Dialog gestalteten. Möglich machte diesen Blick eine abenteuerliche Stativkonstruktion, auf deren windschiefer Spitze ein Camcorder balancierte, der seine Signale zum Beamer sendete.  So kamen die zahlreichen Freunde klassischer Musik in den Genuss, von hinten beschallt zu werden und vorn den Akteuren beim Musizieren zuschauen zu können.

„Bei unseren Konzerten ist alles echt, nichts künstlich“, hatte Pfarrer Tilmann Kuhn eingangs versprochen, „wir brauchen keine künstlichen Geschmacksverstärker. Sie hören heute nicht nur die Orgel, sondern auch menschliche Stimmen. Es ist die Güte der Musik, die zu Ohren und zu Herzen geht. Was uns erfreut, sind der Hörgenuss und die Spannung eines Hauses, in dem schon unsere Vorfahren lebten – unserer Kirche.“ Jan Wilke, der Dozentenkollege Christoph Bornheimers an der Heidelberger Hochschule für Kirchenmusik, bedankte sich namens seiner Chormitglieder für den warmherzigen Empfang zu einem viertägigen Besuch in Strausberg: „Wir haben herzliche Aufnahme im Gemeindehaus und bei Gemeindemitgliedern zur Übernachtung gefunden. Und was ich gar nicht wusste: Hugo Distler, von dem heute ein Lied auf dem Programm steht, hat seine letzten Jahre in Strausberg verbracht. Das ist ein wunderbarer Zufall.“

Distlers Lied „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser“ aus dem Jahreskreis Opus 5 war denn auch gleich die erste Antwort auf ein englisches Stück zum gleichen Thema: Herbert Howells „Like as the Hart Desireth the Waterbrooks“. Die Interpretation der beiden Lieder war sehr unterschiedlich. Kam der Brite als furioser Start mit kraftvoller Orgelbegleitung daher, begeisterte die Distler-Antwort mit filigranen A-cappella-Gesangsstimmen, die sich ineinander verschränkten. Christoph Bornheimer schob zwischen die fünf Dialog-Teile zwei Orgel-Soli ein, zwei Teile von Paul Hindemiths Orgel-Sonate Nr. 1. Als einer der deutschen Vertreter der Moderne mutet Hindemith den Konzertbesuchern andere Orgelklänge zu, als vielen aus Bachs barocken Fugen oder von den Romantikern vertraut sind. Doch St. Mariens Sauer-Orgel bietet in ihrer Stimmung eben auch die Potenz, gerade jene Klangfarben zum Leuchten zu bringen. Und im zweiten Teil nutzt Bornheimer die freie Phantasie, um im ruhig bewegten Teil ein dialogisch lebhaftes Intermezzo unterzubringen.

Es waren nicht die einzigen Perlen, die Wilke und Bornheimer in diesem Konzert polierten. Da ragte das deutsche Magnificat von Heinrich Schütz (1585-1672) heraus, mit zunächst mittelalterlicher Anmutung und schließlicher Steigerung zu optimistisch-freudvollem Ausklang. Glanzvoller Schluss einige Stücke später bildete George Dysons Magnificat & Nunc Dimittis, das Wilke und Bornheimer wegen seines musikalischen Glanzes als Finale ans Ende des Eröffnungskonzertes verlegt hatten.

Da hatten sie aber die Rechnung ohne die mehr als 100 Besucher gemacht! Die erklatschten als Zugabe den zweiten Teil des Magnificats von Dyson und als zweite Zugabe, dann aber im Angesicht des herabgestiegenen Chores, einen A-cappella-Gesang von hohem Anspruch.

Die begeisterten Besucher können sich noch auf weitere sechs Konzerte des Strausberger Orgelsommers freuen. Alle zwei Wochen immer sonntags, immer 16 Uhr mit anschließendem Grillen, und die nächsten drei Male dann mit Gemeinschaftsempfang der WM-Spiele mit deutscher Beteiligung.

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