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Landwirtschaft
Bauern hoffen weiter auf Regen

Kaum zu retten: Lukas Schulze zeigt auf einem Feld bei Neu Golm verbranntes Getreide.
Kaum zu retten: Lukas Schulze zeigt auf einem Feld bei Neu Golm verbranntes Getreide. © Foto: Bettina Winkler
Bettina Winkler / 05.06.2018, 21:25 Uhr
Buchholz/Neu Golm (MOZ) Fährt Lukas Schulze mit seinem Traktor zum Vorwerk, um Strohballen zu laden, fällt sein trauriger Blick auf ein Feld mit Tritikale. Das Getreide sieht kläglich aus. Die Halme sind nur halb so hoch wie sonst üblich. „Da oben auf dem Berg ist durch die lange Trockenheit alles hin“, sagt der 21-jährige Juniorbauer des Neu Golmer Familienbetriebes und zeigt auf die weißen Flächen. Einige Meter weiter im Tal sind weitläufige braune Flecken  zu sehen. „Diese Pflanzen sind von der Hitze verbrannt, bei genug Feuchtigkeit sind sie vielleicht noch zu retten“, erklärt Lukas Schulze. Auch könnten die wenigen Körner auf den Boden fallen und neu keimen – was der Landwirt auf keinen Fall gebrauchen kann. Aufkommende Unkräuter würden die angeschlagenen Pflanzen zusätzlich schädigen.

Die Roggen- und Gerstenschläge sind ebenfalls von der Hitze und Dürre arg mitgenommen. Der Starkregen am vergangenen Wochenende – pro Quadratmeter 40 Liter Niederschlag wurde auf Schulzes Hof gemessen – kann die Situation beim Getreide nicht entschärfen. Für die 2,5 Hektar Kartoffeln allerdings war der Regen erst einmal lebensrettend. Für den Mais, der erst vor fünf Wochen auf einer Fläche von 30 Hektar gelegt wurde, ebenfalls. „Die Futterpflanze ist übers Wochenende gleich fünf Zentimeter gewachsen“, freut sich Lukas Schulze. Um Mais und auch Kartoffeln – beides wird erst im August oder September geerntet – sorgt sich Gisela Schulze in Neu Golm trotzdem weiterhin. „Noch mehr Regen wäre Gold wert“, sagt die Seniorchefin der Firma Karl, Marko und Burkhard Schulze GbR.

Mit 20 Prozent Ertragseinbuße beim Getreide rechnet auch Benjamin Meise, Geschäftsführer der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH in Buchholz. Um den schaden zu dokumentieren, wurden von den betroffenen Feldern mittels einer Drohne Luftaufnahmen gemacht. Ein Schlag Weizen bei Kiewels Teichen zwischen Buchholz und Steinhöfel-Charlottenhof ist besonders von der Dürre betroffen. Aus der Vogelperspektive sieht die Lage bedrohlich aus. Große braune Flächen bestimmen das Bild. „Hitze und Trockenheit geben den Pflanzen den Rest“, sagt Meise. Besonders betroffen sind Gerste, Weizen, Tritikale und Raps. „Die Ölpflanze bildet jetzt Körner aus, dafür wird viel Wasser benötigt“, erklärt Meise. Die Gerste, die überlebt hat, wird demnächst notreif. Ende Juni – wenn das Wetter passt – soll mit dem Dreschen begonnen werden. „Noch mehr Verlust durch feuchtes Getreide können wir uns nicht leisten“, sagt er. Hinzu käme der Qualitätsverlust. Eigentlich müsste das Getreide viel mehr Zeit zum Reifen haben, um Energiestoffe einzulagern. Hitze und Trockenheit haben es nur notreifen lassen, daher sind die Körner viel kleiner als üblich und enthalten weniger Feuchtigkeit.

Für den Mais kam der Regen genau richtig. Die Futterpflanze ist gut im Rennen. Als sie vor einigen Wochen gelegt wurde, kam idealerweise Wasser von oben. Dann haben die gut aufgelaufenen Jungpflanzen Wärme bekommen. Die Landwirte können nur noch auf mehr Regen hoffen. In der Region gibt es vorwiegend deutsche Durchschnittsböden. In Richtung Beeskow werden sie immer sandiger. „Wir müssen die Entwicklung abwarten. Derzeit gehen wir jährlich von 500 Liter Niederschlag pro Quadratmeter aus“, sagt Benjamin Meise, der auch Vorstandsmitglied im Kreisbauernverband ist.

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