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Jury aus Österreich begutachtet Dorfentwicklung / Vierstündige Rundfahrt durch das Dorf / Gute Chancen auf EU-Preis

Wettbewerb
Groß Schönebeck zeigt schönste Seiten

Susan Hasse / 08.06.2018, 21:00 Uhr
Groß Schönebeck (MOZ) Das Schorfheide-Dorf Groß Schönebeck hat sich am Donnerstag von seiner besten Seite gezeigt. Eine Jury, die über die Vergabe des Europäischen Dorferneuerungspreises entscheidet, nahm den Ort und seine Bürger kritisch unter die Lupe.

Vier Juroren der ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung nahmen am Donnerstag Groß Schönebeck in exakt vier Stunden in Augenschein. Das Dorf hat sich für den EU-Preis beworben und muss sich gegen 23 andere Dörfer durchsetzen, um als Sieger hervorzugehen. Der Bürgermeister Uwe Schoknecht, der scheidende  Landrat Bodo Ihrke und zahlreiche Bürger des Ortes begleiteten den Tross durch das Dorf. Im eng getakteten Programm stand die Besichtigung sämtlicher Highlights des Dorfes: Jagdschloss, Waldschule, Garten der Kulturen und das Kutschenmuseum, um nur einige zu nennen.

Die Jury war kritisch, hakte nach und versuchte direkt mit den Akteuren ins Gespräch zu kommen. Die Juroren aus Österreich, Ungarn und Slowenien wollten keinen Frontalunterricht, sondern das authentische Leben sehen. Sie wollten begreifen und fühlen. Wohl zu oft, sind den erfahrenen Juroren der ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung bei ihren Visitationen „Potemkinsche Dörfer“ präsentiert worden.

Die Bürger in Groß Schönebeck waren auf den Besuch bestens vorbereitet und enttäuschten nicht. Sie lieferten viele Argumente, warum Groß Schönebeck in einem erfolgreichen Transformationsprozess stecke und in Sachen Dorferneuerung die Nase vorn hat. Das Motto des EU-Wettbewerbs lautet nämlich „Weiter denken“. Dass in Groß Schönebeck weiter gedacht wird, zeigen zahlreiche Projekte. So etwa der „Garten der Kulturen“, in dem Flüchtlinge lernen, wie in Deutschland geackert wird. Die Arbeit des Bürgervereins „Wir für Groß Schönebeck“ und die Vielzahl engagierter Bürger im Ort verdeutlichten, dass hier der Zusammenhalt stimme und alles miteinander vernetzt ist.

„Wir wollen die Prozesse im Dorf sehen“, erklärt Juror Peter Schawerda. Diese zeigen sich in verschiedenen Maßnahmen und Projekten im Bereich Soziales, Ökonomie und Ökologie. Auch Machtstrukturen interessierten die Jury. Wir wollen wissen, wie Prozesse und Entscheidungen organisiert sind. Ob sie von oben kommen oder dem Engagement der Bürger entspringen, erläutterte Jurorin Doris Hofbauer ihr Vorgehen.

Die Groß Schönebecker fanden Antworten auf diese Fragen: Die Freiwillige Feuerwehr, die sich vor Nachwuchs kaum retten kann, beeindruckte als Beispiel für ehrenamtliches Engagement. Auch die Sammelleidenschaft von Jürgen Bohm, der dutzende Kutschen besitzt und ganz ohne Fördermittel auskommt, ist ein gutes bürgerschaftliches Vorbild. Bohm´s Hof ist, ganz ehrenamtlich,  zum beliebten Treffpunkt im Ort geworden.  Auch die engagierte Pfarrerin Sabine Müller überzeugte: Mit unumwundener Ehrlichkeit erklärte sie die Grenzen ihres missionarischen Auftrags im säkularisierten Osten. Dass sich die Einheimischen durch ihre direkte und ehrlich-unverstellte Art auszeichnen, bewies auch Olaf Pieper, einer der beiden Chefs des landwirtschaftlichen Betriebs SAG. Er erklärte den Gästen knackig kurz und charmant, wie auf den Äckern rund um Groß Schönebeck geackert wird. Dabei berichtete er den Jury-Mitgliedern auch wie integrativer Pflanzenschutz funktioniert und dass es auf kargen Sandböden keine Option sei, darauf gänzlich  zu verzichten. Juror Schawerda goutierte diese Offenheit wohlwollend. Es war vor allem die Begeisterung, die die Einwohner bei allen besuchten Stationen zeigten, die beeindruckte. „Begeisterte Leute“ notierte die Jury am Ende in die Unterlagen. Das Fazit nach der 4-Stunden-Tour fiel grundsätzlich wohlwollend aus, aber auch kritische Töne fehlten nicht. Die Bewerbung hätte Fehler, bemängelte Juror Gabor Onodi. Den gelieferten Einwohnerzahlen nach zu urteilen, schrumpfe Groß Schönebeck. Das sei kein Indiz der Dorferneuerung. Dem widersprach Ortsvorsteher Hans-Joachim Buhrs jedoch: Der Kindergarten mit langer Warteliste, die ausgelastete Grundschule und Baustellen in fast jeder Straße des Dorfes würden die Verjüngung und den Aufbruch belegen. Man werde entsprechendes statistisches Material nachreichen.

Ob es am Ende für das Siegertreppchen im Europäischen Wettbewerb reicht, wird sich Ende Juni zeigen. „Gute Chancen“ haben die Groß Schönebecker in jedem Fall. Falls es nicht klappen sollte: Gewinner sind die Groß Schönebecker schon jetzt, mit dem was sie an „positiven Prozessen“ vorzuweisen haben.

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