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Auf der Baustelle des neuen Schiffshebewerkes Niederfinow hat das Entleeren des Troges begonnen / Prozedur dauert etliche Wochen

Belastung für Mensch und Technik
Die Sandsäcke müssen jetzt raus

Viola Petersson / 12.06.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 12.06.2018, 10:00
Niederfinow (MOZ) Vor fast zwei Jahren kamen sie rein, jetzt müssen sie wieder raus: tausende Sand-Säcke, sogenannte Bigbags. Seit Montag wird der Trog am neuen Schiffshebewerk geleert. Danach erhält er seinen Korrosionsschutz, um später, im Sommer 2019, schließlich mit Wasser gefüllt zu werden.

„Anna und Mark am Schiffshebewerk Niederfinow“, die kleine Broschüre der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), speziell für Familien entwickelt, gehört zu den Bestsellern im Informationszentrum am Fuße des alten Hebewerkes. Sie erklärt dem Nachwuchs anhand einer Geschichte mit vielen Illustrationen die Wirkungsweise des gigantischen Fahrstuhls. Anna und Mark erfahren auf ihrer Reise, sie dürfen eine Passage an Bord eines Schiffes ihres Onkels miterleben, viel Wissenswertes über den gut 80 Jahre alten stählernen Koloss, der mehr als 800 000 Schiffe transportiert hat. Und dass nebenan gerade ein neues Schiffshebewerk errichtet wird. Ein noch viel größeres. Mit einem Trog, der wassergefüllt immerhin 9000 Tonnen wiegt. So viel wie 2000 Elefanten.

Der Trog ist denn dort derzeit auch einer der Hauptschauplätze. Seit Montag werden die riesigen Sandsäcke nämlich entsorgt. 5200 Stück müssen raus. Im Herbst 2015 waren sie eingebaut worden. Um die Wasserlast zu simulieren. Danach, so erklärt Bauüberwacher Klaus Winter vom Wasserstraßen-Neubauamt (WNA) Berlin, begann für den Baukörper bekanntlich die „Verharrungsphase“. Inzwischen ist der Neubau weit vorangeschritten.

Schwerpunkt ist aktuell der Maschinenbau. Um den Trog, eines der zentralen Elemente im Hebewerk, komplettieren zu können, muss er innen jetzt mit dem Korrosionsschutz versehen werden. Die Sandsäcke würden dabei natürlich stören. Fünf bis sechs Wochen, so Winter, werde die Entsorgung dauern, die – so räumt der WNA-Vertreter ein – für die unmittelbaren Anlieger mit Belastungen verbunden ist. Denn: Die Firma habe angekündigt, die Kranarbeiten 18 Stunden täglich durchführen zu wollen, von 4 bis 22 Uhr.

Eine Art Härtetest ist diese Aktion bzw. diese Etappe allerdings ebenso für Bauwerk und Technik, speziell für den Rahmen. Der leere Trog entspreche praktisch dem Havariefall, erklärt der Experte. Dass der Trog nämlich Wasser verloren hat. „Da jene 6500 Tonnen fehlen, ist dies die höchste Belastung für den Rahmen, einschließlich Sicherungssystem.“ Virtuell habe es alles funktioniert. Alle Baugruppen, so Winter, seien einzeln bereits digital getestet. Jetzt werden diese zu größeren Einheiten zusammengeführt. Und: Nach und nach werden die Teile in der Praxis erprobt.

Bei einem dieser Tests bzw. beim Einbau habe sich herausgestellt, dass die Antriebswellen nachgearbeitet werden müssen. „Also gingen sie zurück an den Hersteller, nach Italien“, hatte WNA-Chef Rolf Dietrich jüngst erklärt. Letztlich komme es auf Millimeter oder Bruchteile davon an, die Maschine muss absolut präzise arbeiten.

Apropos Antrieb: Im Gegensatz zum alten Hebewerk kommen beim modernen Nachfolger zwei Motoren pro Trogantrieb zum Einsatz. Der Vorteil: Das Getriebe könne kleiner ausfallen als beim Vorläufer von 1934. Jeder Motor habe eine Leistung von 136 kW. Das sind 184 PS, was der Leistung eines guten Mittelklassewagens entspricht. Motoren und Ritzel seien bereits eingebaut, bis zum Sommer 2019 soll alles komplett sein. Dann wolle die Firma die erste Trogfahrt mit Wasser durchführen.

Parallel zur Entsorgung der Bigbags und zu den Korrosionsschutzarbeiten werden an den Toren die Dichtungen angebracht. Und in Ebene 13, hoch oben, wo der Bedienstand positioniert ist, werden jetzt die Steuerschaltschränke installiert. Gleichzeitig laufen sozusagen am laufenden Meter Kabelarbeiten. Vieles sei für Besucher nicht sichtbar. „Die Zeit der großen optischen Veränderungen ist vorbei“, sagt der Fachmann.

Mit einer Ausnahme: Im Schatten des riesigen Hebewerkes nimmt der untere Vorhafen Gestalt an. Die Spundwände stehen. Jetzt werden die Anker gesetzt. „Und dann, noch in diesem Jahr, beginnt das großen Baggern“, kündigt Winter an. Der Aushub. Im Herbst 2019 soll der Vorhafen fertiggestellt sein. Eine Voraussetzung für den realen Probebetrieb.

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