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Zukunftsangst
Bombardier-Chef gibt auf

Der Bombardier-Standort in Hennigsdorf
Der Bombardier-Standort in Hennigsdorf © Foto: Ingmar Höfgen
Roland becker / 12.06.2018, 19:36 Uhr - Aktualisiert 12.06.2018, 19:44
Hennigsdorf (MOZ) Mitten in einer der schwierigsten Phasen, die das Hennigsdorfer Bombardier-Werk bisher erlebt hat, verlässt Standortleiter Rainer Fellenz das Werk. Wann und ob es einen Nachfolger geben wird, ist bislang nicht klar. „Rainer Fellenz wird Bombardier Transportation auf eigenen Wunsch verlassen, um sich neuen Herausforderungen zu stellen“,  teilte Firmensprecher Jörn Bischoff auf Nachfrage mit. Fellenz ist damit der dritte Chef in Folge, der nach spätestens einem Jahr das Handtuch wirft.

Konkrete Fragen zur künftigen Leitung des Werks mit zirka 2 300 Mitarbeitern blieb der Pressesprecher schuldig. Er teilte lediglich mit: „Das Unternehmen wird zu gegebener Zeit über eine Nachfolgeregelung informieren.“ Diese Antwort lässt sowohl den Zeitpunkt als auch den Arbeitsort eines neuen Chefs offen. Bischoff konnte noch nicht einmal sagen, wann Fellenz Bombardier verlassen wird. Dabei ist das spätestens seit Montag allen Mitarbeitern klar. Laut Betriebsrat wurde auf einer Betriebsversammlung darüber informiert, dass der Vertrag mit Fellenz zum 30. September aufgelöst wird. Antworten auf Fragen nach der künftigen Leitung während der Versammlung wurden, so Betriebsratsvorsitzender Volkmar Pohl, so interpretiert, dass es nicht sicher sei, ob Hennigsdorf wieder einen Standortleiter bekommt. Im Klartext: Hennigsdorf könnte von einem anderen Standort aus mitverwaltet werden. Den Inhalt mündlicher Konkretisierungen, die Bischoff dazu auf Nachfrage gegeben hatte, zog dieser wenig später zurück. Das Hennigsdorfer Werk steht im alle Standorte betreffenden Transformationsprozesses bei Bombardier vor großen Umwälzungen. Die Produktion soll stark gedrosselt, deren Belegschaft auf 400 Mitarbeiter reduziert werden. Zugleich wird in Bautzen die Produktionskapazität mit Millionen schweren und vom Land Sachsen geförderten Investitionen ausgebaut.

Betriebsrats-Chef Pohl bedauert Fellenz’ Weggang, mit dessen Antritt große Hoffnungen verbunden waren. Dessen Gestaltungsspielraum, vermutet Pohl, sei zu gering gewesen. Schon seit Wochen war im Werk gemunkelt worden, dass der gelernte Maschinenschlosser und studierte Maschinenbauer mit internationaler Berufserfahrung das Handtuch werfen wird. Ganze 13 Monate oblag dem gebürtigen Baden-Württemberger die Leitung des Standorts, der vor großen Umwälzungen und Arbeitsplatzverlusten steht. Damit reiht sich Fellenz in die Riege seiner Vorgänger ein.

Der Posten scheint ein Schleudersitz zu sein. Pohl erinnert sich: „Der Vorgänger war ein dreiviertel Jahr im Amt, der davor ein Jahr.“ Er hält es für unabdingbar, dass der Standort wieder einen Chef bekommt. „Wir brauchen einen Mann vor Ort, der sich um die Belange des Standorts kümmert. Das kann man nicht einem überlassen, der irgendwo in Europa sitzt, ohne dass dieser weiß, wie die Lage in Hennigsdorf ist.“

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