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Sozialministerin
In Würde Altern wird schwieriger

Diskutierten über Altersarmut: Bürgermeisterin Margitta Decker, Sozialministerin Diana Golze und die Linken-Politikerin Monika Huschenbett (v.l.) bei der Podiumsdiskussion im Rathaus in Woltersdorf.
Diskutierten über Altersarmut: Bürgermeisterin Margitta Decker, Sozialministerin Diana Golze und die Linken-Politikerin Monika Huschenbett (v.l.) bei der Podiumsdiskussion im Rathaus in Woltersdorf. © Foto: Jan-Henrik Hnida
Jan-Henrik Hnida / 13.06.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 13.06.2018, 09:36
Woltersdorf (MOZ) Über hohen Besuch aus der Landespolitik konnte sich der Seniorenbeirat am Dienstag bei der 25. Brandenburger Seniorenwoche freuen. Sozialministerin Diana Golze nahm bei der Diskussion über Armut und Wohnen im Alter teil – ohne Gemeindevertreter.

Der kleine Ratssaal ist gut gefüllt. Viele Senioren sind gekommen, um sich die Podiumsdiskussion anzuhören, zu der der Woltersdorfer Seniorenbeirat eingeladen hatte. Nach den lobenden Worten der Bürgermeisterin Margitta Decker, die das Engagement der Älteren hervorhebt, kommt gleich ein Thema auf den Tisch, was viele im Saal umtreibt: Die großen Wohnungen an der Seniorenresidenz in der Berliner Straße. „Statt der 27 Wohneinheiten in den Stadtvillen sollte die Gemeinde lieber mehr kleinere bauen“, sagt die Bürgermeisterin.

Zwei Schwerpunkte setzte Ines Große vom Landesverband der Volkssolidarität zum Thema Altersarmut: Zwar dürften nur wenige im Raum aktuell von Armut betroffen sein – der Trend in Ostdeutschland gehe aber dahin, dass heutige junge Menschen zukünftig immer mehr betroffen seien. Für umso wichtiger hält die Vorstandsvorsitzende deshalb die Teilhabe älterer Menschen an der Gesellschaft – „wie hier im Seniorenbeirat und der Volkssolidarität.“

Daraufhin folgen Zahlenkolonnen aus verschiedenen Studien und Befragungen, die manchen Zuhörer eher ratlos oder erschlagen zurücklassen. Derzeit gehe Armut quer durch alle Altersgruppen. Doch laut einer aktuellen Bertelsmann-Studie seien 36 Prozent der Alten in einigen Jahren arm, insbesondere im Osten.  Die „Armutsgefährdungsquote“ – Nettoeinkommen von unter 900 Euro pro Monat – sei in den letzten Jahren schon um 49 Prozent gestiegen. Viele seien zukünftig neben ihrer Rente auf Sozialhilfe angewiesen, um auf den Betrag der Grundsicherung im Alter zu kommen.

Ebenso drücken niedrige Löhne, Arbeitslosigkeit und niedrige Zinsen auf das Rentenniveau. Dazu komme, dass zwei von fünf Bedürftigen heute ihre Ansprüche nicht wahrnehmen – „noch mehr Sozialberatung“ schlägt Große vor. Das kann Hannelore Buhl vom Seniorenbeirat Erkner nur bestätigen: „Wir wissen nicht, wie hoch die Dunkelziffer bei uns ist.“ Der nächste Kritikpunkt ist der geplante Verkauf des Gefas-Gebäudes (Gesellschaft für Arbeit und Soziales) in Erkner durch die Deutsche Bahn. „Das trifft wieder die Ärmsten der Armen“, ist Hannelore Buhl überzeugt. Sie wirbt für ihre Petition gegen die Schließung – was tut die Politik dagegen?

Dass die Bahn als Bundesunternehmen „streng wirtschaftlich“ handelt, mag auch Ministerin Diana Golze ein Dorn im Auge sein, gerade als Linken-Politikerin. Gleichzeitig bestärkt sie die Anwesenden „öffentlichen und politischen Druck“ auszuüben. Ihr sei das Problem erst kurz vor der Diskussion zu Ohren gekommen – sie verspricht, sich darum zu kümmern.

„Ich komme selbst aus einem Drei-Weiber-Haushalt“, erzählt die Sozialministerin freimütig. Sie kenne ihre Familie nur arbeitend. Doch jetzigen Rentnern drohe durch politische Entscheidungen – Absenkung des Rentenniveaus – und „gebrochene Erwerbsbiografien“ ein Leben in Armut. Das grundlegende Problem sei das fehlen „guter Arbeit“. Arbeitete man früher von der Lehre bis zur Rente im Betrieb, so bestimmen heute geringe Verdienste, Arbeitslosigkeit und befristete Verträge die Erwerbsbiografien. Ein Manko sei ebenfalls, dass kein Landesvertreter in der frisch eingeführten Rentenkommission der Bundesregierung sitze.

Den zweiten Vortrag hält Monika Huschenbett, ehemalige Amtsleiterin für Gebäudemanagement beim Landkreis Oder-Spree. Wohnen im Alter sei nicht gerade rosig: Zu wenige Wohnungen, Barrierefreiheit fehle und bezahlbar sei es für viele auch nicht.

Am Ende kommen erneut die Stadtvillen an der Seniorenresidenz zur Sprache: Zu große Wohnungen, zu viele Parkplätze, die man eher für weiteren Wohnraum nutzen könnte, und schließlich der schwere Einstieg in Straßenbahnen. Schade, dass dies keiner der abwesenden Gemeindeabgeordneten hörte.

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