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Konzert
Trompeten rufen zum Jüngsten Gericht

Durchdringend interpretiert: Der scheidende Generalmusikdirektor Howard Griffiths dirigierte noch einmal das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder).
Durchdringend interpretiert: Der scheidende Generalmusikdirektor Howard Griffiths dirigierte noch einmal das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder). © Foto: Andreas Gora
Peter Buske / 25.06.2018, 17:47 Uhr
Neuhardenberg „Das Kloster scheint auch bei seinen Um- und Anwohnern nicht die geringste Spur seiner Existenz zurückgelassen zu haben“, beklagte Theodor Fontane einst in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ über die Armut an Überlieferungen zum Kloster Chorin: „Alles ist tot hier, alles schweigt.“

Das kann man seit über einem halben Jahrhundert nun wahrlich nicht behaupten, denn der längst legendäre „Choriner Musiksommer“ sorgt mit seinen Konzerten für jene von Fontane vermisste Quirligkeit des Ortes. „Und wenn es eine Hitliste der Musikfestivals gäbe, würde der Choriner Musiksommer den ersten Platz einnehmen“, bringt Kuratoriumsvorsitzender Wolfgang Thierse in seiner Eröffnungsrede der diesjährigen Saison die sinnenreizende Verbindung von Architektur, Geschichte, Landschaft und Musik auf den Punkt.

Schweigend geht es danach auch nicht weiter, denn mit Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 2 c-Moll, der „Auferstehungssinfonie“ für Orchester, Chor und zwei Solisten, steht ein monumentales Werk auf dem Programm, das über Sinn und Zweck des Daseins, über Leben und Tod tiefgründig nachdenkt.

Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) und die Frankfurter Singakademie (präzise und sangesgewaltig einstudiert von Rudolf Tiersch) unter der werkdurchdringenden Leitung von Howard Griffiths bürgen für die beeindruckende Deutung des vielschichtigen Werkes. Laut Mahlers programmideelichen Hinweisen gilt es hier, eines Verstorbenen zu gedenken, sich „an sein Leben, Kämpfen, Leiden und Wollen“ zu erinnern. Die markante Einleitung mit unruhevollen Celli und Kontrabässen erinnert stark an Wagners „Walküre“-Vorspiel, dann vervollständigen schneidende Bläserstimmen den Aufruhr, stets von tiefen Streichern grundiert.

Zwischendurch entwickeln sich lyrische Betrachtungen: die Weichen für aufeinanderprallende Konflikte sind gestellt. Geheimnisvolles erklingt, durchbrochen von Bläserdissonanzen. Genüsslich ausgespielte Land-idylle erweist sich als brüchig und trügerisch. Diese thematischen Kontraste werden mit enormer Ausdrucksintensität plastisch und präzise gestaltet. Ergreifend die Erinnerung an die Jugend des Verstorbenen, seine Selbstzweifel, seinen traumatischen Weltüberdruss mit dem nachfolgenden „Urlicht“-Altsolo als Stimme naiven Glaubens, innig von der Mezzosopranistin Maren Favela vorgetragen.

Wild herausfahrend ruft der 5. Satz mit Unterstützung signalartiger Attacken eines Trompetenfernorchesters zum Jüngsten Gericht. Doch statt apokalyptischer Verdammung verkündet der Chor der Heiligen „Aufersteh’n, ja aufersteh’n wirst du“, unterstützt durch Mezzo und Sopran (Elena Tsallagova). In grandioser Steigerung klingt das Werk aus, gefolgt von enthusiastischem Beifall.

Nächstes Konzert im Kloster: 800 Jahre Dresdner Kreuzchor, 30.6, 16 Uhr; Programm unter www.choriner-musiksommer.de

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