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Firma Teut nimmt elf Strommaschinen rund um Angermünde in Betrieb / Gegner kritisieren zu hohen Lärmpegel

Erneuerbare Energien
Anblasen im neuen Windpark

Oliver Schwers / 09.07.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 09.07.2018, 10:31
Dobberzin (MOZ) Mit einem Aufstieg in 139 Meter Höhe hat die Firma Teut elf neue Windräder rund um Angermünde in Betrieb genommen. Zum Eröffnungsfest konnten Besucher einen Blick in die Riesentürme werfen, einige Gäste durften sogar bis in die Gondel.

Rund 72 Millionen Euro haben die elf Stromriesen gekostet. Sie entstanden im vergangenen Jahr und sind jetzt ans Netz gegangen. Jedes einzelne Windrad hat eine installierte Leistung von 3,2 Megawatt. Insgesamt kommt das Feld auf rund 90 Millionen Kilowattstunden Strom, die jedes Jahr in die Leitungen fließen. Erst vor einem Jahr entstanden die Fundamente. Dann ging es Schlag auf Schlag. Jetzt ragen die Strommühlen etwa 200 Meter in die Höhe. Der Rotordurchmesser beträgt allein 122 Meter.

„Ich empfinde heute Freude, es geschafft zu haben“, so Unternehmer Jan Teut beim Eröffnungsfest auf freiem Feld zwischen Dobberzin und Mürow. Das Hin und Her um eine Veränderungssperre vor anderthalb Jahren habe bei ihm schon „kurzfristig eine nicht ganz kleine Nervosität“ erzeugt, gibt er zu. Schließlich steckt auch ein unternehmerisches Risiko hinter dem Windpark. Nach aufwendigen Planungsprozessen habe es aber dann reibungslos mit Grundstückseigentümern, Firmen, Ortsbeiräten und Genehmigungen funktioniert.

Am 07.07.2018 wurde im Angermünder Ortsteil Dobberzin ein Windpark-Eröffnungsfest gefeiert. Die Errichtung des Windparks Mürow-Dobberzin im vergangenen Jahr soll damit gewürdigt werden. Die neuen Windenergieanlagen wurden vorgestellt, z.B. durch Besichtigungen der Anlage, Präsentationen und Infomaterial. Jan Teut eröffnete das Fest. Auf die Besucher warteten Steaks und Wurst vom Grill, Gewinnspiele und alles um den Nutzen der Windkraftanlagen.
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Eröffnungsfest des Windparks Mürow-Dobberzin

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Allerdings hat es bereits erste Beschwerden gegeben wegen der Lautstärke. Bei bestimmten Windrichtungen und –stärken sind die Rotorblätter bis Mürow zu hören. Ein dumpfer Ton, bestätigen Anwohner. „Wir werden ein Gutachten für die Genehmigungsbehörde machen“, erklärt Jan Teut. „Das muss der Hersteller gegebenenfalls nachbessern.“ Einige Anlagen dürfen ohnehin nur schallreduziert laufen. Das lässt sich durch die Stellung der Rotorblätter erreichen.

Doch es gibt auch Widerstand. „Es ist provozierend, ein solches Fest zu machen“, sagt Rainer Ebeling von der Bürgerinitiative „Keine neuen Windräder für Crussow“. Er hatte sein Auto direkt an der Zufahrt zum Parkplatz abgestellt und Protestschilder aufgehängt. „Gerade die Windräder rund um Angermünde sind umstritten gewesen wegen des staatlich anerkannten Erholungsortes.“ Er wollte die Bürger aufklären über Lärmschutz und den Schutz von Fledermäusen.

„Strom ist der Motor für die Zukunft“, entgegnet Frank Bretsch, Chef vom Planungsausschuss der Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim, welche den Windplan in beiden Landkreisen beschlossen hat. „Und auch bei den erneuerbaren Energien wird es weitere technische Entwicklungen geben. Man muss ihnen aber eine Chance geben.“

Eine solche Neuentwicklung ist das Abschalten der Nachtkennzeichnung. Heute blinken zwar die roten Lampen noch im Disco-Takt, doch verspricht die Firma Teut Abhilfe. Ein Radarschirm erfasst künftig sich nähernde Flugobjekte, erst dann blinkt es wieder. Anfang 2019 soll die Anlage in Betrieb gehen und alle zwölf Windräder erfassen. Pro Windrad seien das Zusatzkosten von bis zu 40 000 Euro, informiert Christian Häfner, Planer bei Teut. Der Radarturm soll an der Pinnower Deponie stehen. „Wir sind Überzeugungstäter“, sagt Häfner. Überzeugt von alternativen Energiequellen und deren Zukunft. „Das Abschalten der Nachtkennzeichnung sorgt für mehr Akzeptanz.“

Genau darum machen sich die Windbauer die meisten Sorgen. Ein solches Fest soll ebenso dazu beitragen, die Leute im Umfeld von der Windidee zu begeistern. Doch die Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes, das Nachtleuchten und der Schall bringen die Windfelder immer wieder in Verruf. „Wir werden also weiter mit den Bürgerinitiativen streiten, welches der richtige Ansatz ist“, meint Jan Teut. „Aber man kann nicht immer nur dagegen sein. Das stört mich. Vielleicht sollte man einen runden Tisch dazu einberufen.“

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Rainer Ebeling 11.07.2018 - 10:17:33

Teut seine Wundermühlen

Wie immer werden großartige Versprechungen beim Thema Energiewende gegeben, so sollen die neuen Windkraftanalagen 90 Millionen Kilowattstunden leisten. Verwundert reibt man sich die Augen, wo doch die durchschnittliche Vollaststundenzahl der Anlagen in Deutschland bei 1.560h liegt. Daraus errechnen sich für die 11 Windkraftanlagen 54 Millionen Kilowattstunden und diese stehen nur „rechnerisch“ zur Verfügung. Das ist auch der Grund warum kein konventionelles Kraftwerk abgeschaltet werden kann oder man importiert den fehlenden Strom. So wird es zum Teil jetzt bereits praktiziert, wir holen uns den Atomstrom aus Frankreich und Tschechien und exportieren den Windstrom. Verringern wird sich die elektrische Arbeit der 11 Windkraftanalgen noch durch Drosselung bzw. Stillstandzeiten wie Schattenmanagement, Fledermaus-Abschaltung, Schallreduzierter Modus, Abregelung durch die Bundesnetzagentur. Aber diese falschen Versprechungen kenn wir ja, sollten die Kosten für Erneuerbare Energien sich nicht auf 1 Kugel Eis pro Haushalt beschränken? Ja, wir sind gegen diese Art der Naturzerstörung durch eine uneffektive, flächenverbrauchende Technologie in einem dichtbesiedelten Land, welches durch eine der abwechslungsreichsten Naturlandschaft gekennzeichnet ist. Wir sind für die Erhaltung unserer Natur-Landschaften, für den Erhalt unserer Wälder, für den Erhalt bedrohter Tierarten, für den Erhalt guter Lebensbedingungen auf dem Land. Wir sind für bezahlbare Energiekosten, die auch der deutschen Wirtschaft helfen. Ich appelliere an alle Verantwortlichen auf die Bremse zu treten, statt auf das Gaspedal.

Elmar Oberdörffer 10.07.2018 - 14:36:09

Die übliche Übertreibung

90 Mio kWh sollen also diese tollen neuen Windräder jährlich erzeugen. Das entspräche einer Auslastung von 45,9% oder 4018 Vollaststunden! Im Mittel werden in ganz Deutschland etwa 1500 Voolatsstunden erreicht, und selbst in Schleswig-Holstein, dem besten Bundesland für Windenergie, werden keine 2000 Vollaststunden erreicht. Herr Teut verspricht, ohne rot zu werden, für seine Anlagen mehr als das Doppelte an Vollaststunden, die in SH erreicht werden. Er wird sich noch wundern. Dann schwafelt er davon, wie wichtig Strom für jeden von uns ist. Richtig, aber genauso wichtig ist es, daß der Strom jederzeit verfügbar ist, und genau das können Windräder nicht leisten. Deshalb müssen ständig zuverlässige und regelbare thermische Kraftwerke mit einer Nennleistung von ca 60 GW am Netz sein, die notfalls bei Ausfall des Wind- und Sonnenstroms die gesamte Stromversorgung zusammen mit den Bio- und Wasserkraftwerken (ca. 10 GW) übernehmen können. Diese thermischen Kraftwerke können auf etwa 40% ihrer Nennleistung heruntergeregelt werden, nicht tiefer, dann müßten sie abgeschaltet werden und stünden für den Notfall nicht zur Verfügung. Eine Mindestleistung von ca. 24 GW muß also von den thermischen Kraftwerken ständig ins Netz eingespeist werden, ganz gleich, wie hoch die Leistung der Wind- und Solaranlagen gerade ist. Der Überschußstrom dieser Anlagen wird dann ins Ausland entsorgt, zum Teil unter Zuzahlung von Geld, damit er überhaupt angenommen wird. Da die thermischen Kraftwerke, demnächt nach Abschalten der Kernkraftwerke nur noch mit fossilen Brennstoffen betriebene, ständig mitlaufen müssen, wird auch kein CO2 eingespart. Unsere trotz ständigen Zubaus neuer Windräder und PV-Anlagen seit Jahren konstante CO2-Bilanz beweist es. Damit sind die Windräder und PV-Anlagen überflüssig und für den nicht beteiligten Bürger nur schädlich. Nutzen tun sie allein den Herstellern, Planern und Erbauern der Anlagen, die auf jeden Fall ihren Gewinn einstreichen, und einigen, nicht mal allen Betreibern.

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