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Windräder und Insektensterben bedrohen die Tiere

Fledermäuse
Geflatter am Dannenberger Dorfteich

Nadja Voigt / 09.07.2018, 07:00 Uhr
Dannenberg (MOZ) Zur Fledermausbeobachtung hat die Nabu-Ortsgruppe Oberbarnim an den Dannenberger Dorfteich geladen. Pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit flatterten die ersten Exemplare am Freitag an – und gingen den Wissenschaftlern ins Netz.

Auf einmal sind sie da: Fledermaus um Fledermaus macht sich auf, um am Dannenberger Dorfteich Wasser zu sich zu nehmen. „Die Tiere verlassen jetzt die Wochenstuben, um zu trinken. Sie säugen ihre Jungen und müssen nun selbst auf Nahrungssuche gehen. Gegen Mitternacht sind sie dann wieder bei ihrem Nachwuchs“, berichtet Hinrich Matthes.

Der Wissenschaftler hat gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Grewe Netze am Dorfteich aufgespannt. Nach und nach verfangen sich Fledermäuse aller Größenordnungen in dem hauchfeinen Gewebe. So können die beiden Experten die Tiere den Teilnehmern der nächtlichen Exkursion zeigen. Zunächst ein Zwergfledermaus-Jungtier. „Die werden gerade erst flügge“, erklärt Matthes den begeisterten Teilnehmern. Vor allem die Kinder sind fasziniert von den kleinen geflügelten Wesen.

Der zweite „Fang“ ist ein Weibchen. Eine Breitflügelfledermaus, die ihrem Namen alle Ehre macht. Denn die Flügel sind um ein vielfaches größer als der Körper der Fledermaus.

Mit dem Detektor waren die herannahenden Tiere schon zu hören. Und dann geht es, Punkt 22 Uhr, Schlag auf Schlag. Eine Fledermaus nach der anderen schwebt – wie ein Mauersegler – über den Dorfteich, um Wasser aufzunehmen. Sie kommen, berichten die Experten, erst im Schutz der Dunkelheit aus ihren Quartieren. 20 verschiedene Fledermausarten gibt es in Brandenburg, einige davon auch in der Region. Doch ihr Lebensraum wird stark eingeschränkt. Das liegt, so Professorin Dr. Antje Stöckmann, Lehrgebiet Natur- und Ressourcenschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, die die Gruppe führt, zum einen daran, dass immer mehr Häuser hermetisch saniert werden, so dass die Tiere keinen Unterschlupf mehr finden. Zum anderen am Insektensterben.

„Ein weiteres Problem sind die Windkraftanlagen. Direkt und indirekt“, so Antje Stöckmann, die Mitglied der Nabu-Regionalgruppe ist. Zum einen sind es die Rotorblätter, die den Fledermäusen, die sich mittels Echoortung fortbewegen, gefährlich werden. Zum anderen zerreißt der durch die Rotation entstehende unterschiedliche Luftdruck den Tieren die Lungen. „Große Windparks sind dazu geeignet, ganze Fledermaus-Populationen auszulöschen“, konstatiert die Wissenschaftlerin. Da außerdem manche Arten – ähnlich wie Zugvögel – über 1000 Kilometer zurücklegen, würde gerade versucht werden, gerichtlich durchzusetzen, das die Windparks während der Flugzeiten abgeschaltet werden müssen, so Antje Stöckmann weiter.

Doch auch im Kleinen kann man den nachtaktiven Säugetieren das Leben leichter machen: So können zum einen Dachspalten offen gelassen werden, sägerauhes Holz beim Bau verwendet oder Fledermauskästen angebracht werden.

„Die Quartiernot nimmt zu“, konstatiert Hinrich Matthes. Beliebt sind bei den geflügelten Jägern Bunker, Brauereikeller, aber auch Dachböden, Baumhöhlen oder Mauerspalten. Und die Dannenberger Dorfkirche. Im Ort vermuten die Experten auch die Wochenstube der Exemplare, die am Freitagabend vor den Augen der staunenden Teilnehmer der Fledermaus-Beobachtung zum Trinken an den Dorfteich kamen.

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Dannenberger Antje Stöckmann Dorfteich Hinrich Matthes Insektensterben

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