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Ausbildung
Sorge um Rang der Altenpflege

Im Unterrichtsraum der Altenpfleger: Gregor Weiß, Geschäftsführer der Altenpflegeschule Strausberg (Sowi), hat bis zum 1. Oktober 2020 alle Hände voll zu tun, um den Start in die generalistische Pflegeausbildung vorzubereiten. Es gebe viele Baustellen, sagt er.
Im Unterrichtsraum der Altenpfleger: Gregor Weiß, Geschäftsführer der Altenpflegeschule Strausberg (Sowi), hat bis zum 1. Oktober 2020 alle Hände voll zu tun, um den Start in die generalistische Pflegeausbildung vorzubereiten. Es gebe viele Baustellen, sagt er. © Foto: Gerd Markert
Jens Sell / 11.07.2018, 19:30 Uhr
Strausberg (MOZ) Vor einer Woche beschloss der Deutsche Bundestag die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Pflegeberufe. Für Gregor Weiß, den Leiter der Strausberger Altenpflegeschule Sowi, enthält sie eine Abwertung des Altenpflegerberufs.

Nachdem der Bundestag kurz vor Ende der Legislaturperiode 2017 das Pflegeberufegesetz beschlossen hatte, warteten die Pflegeschulen und Verbände auf die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung mit konkreten Vorgaben. Nun haben die Abgeordneten des neuen Bundestages kurz vor ihrer Abreise in den Urlaub die Verordnung vor einer Woche beschlossen – und die Betroffenen sind alles andere als zufrieden.

„Eine Abwertung des Altenpflegerberufs ist der wesentlichste Mangel, den  ich bei der ersten Übersicht erkennen kann“, sagt der Leiter der Strausberger Sowi-Altenpflegeschule Gregor Weiß. Sich so eine Übersicht zu verschaffen, ist gar nicht so einfach, denn nach dem rund 120 Seiten starken Referentenentwurf aus dem Bundesgesundheitsministeriums kamen drei veränderte Fassungen. Und weil die Änderungen nicht kenntlich gemacht wurden, musste er alles erneut durchgehen.

Künftig sollen alle Pflegeberufe (Pflegefachfrau/Pflegefach­mann,  Gesundheits- und Kin­der­krankenpfleger und Altenpfleger) in den ersten zwei Lehrjahren eine gleiche, also generalistische, Ausbildung durchlaufen. Sie erhalten dort die für alle drei Richtungen gleichermaßen zutreffende Grundlagenausbildung. Im dritten Jahr können sie die generalistische Ausbildung bis zum Abschluss als Pflegefachmann bzw.  -frau fortsetzen oder sich als Altenpfleger oder Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger spezialisieren.

„Im Unterschied zum Referentenentwurf macht die beschlossene Ausbildungs- und Prüfungsverordnung jetzt Abstriche bei der Vermittlung von Kompetenzen in der Erkennung und Bewertung von Krankheiten und Festlegung von Pflegebedarf bei den Altenpflegern“, sagt Gregor Weiß. Ebenfalls erheblich reduziert wurde die Vermittlung von Kommunikationskompetenzen an die künftigen Altenpfleger im Vergleich zu den Pflegefachkräften. Für Gregor Weiß ist gerade das unverständlich: „Der Altenpfleger, der seine Klienten manchmal über Jahre hinweg stationär betreut, braucht gerade kommunikative Kompetenzen, weil er beispielsweise bei Demenzkranken langfristig mit dessen Defiziten umgehen muss. Der Krankenpfleger kann mit den meist nur begrenzte Zeit auf seiner Station zu pflegenden Patienten in der Regel ganz normal reden.“

Unterm Strich empfinden er und viele Vertreter von Verbänden die neue Verordnung als Abwertung des Altenpflegerberufs, die sich möglicherweise in der Perspektive auch in finanzieller Hinsicht auswirken könne. Genau damit mache man den Beruf aber nicht anziehend für junge Menschen, das war ja das Ziel des neuen Gesetzes.  Am 1. Oktober 2020 soll in der Strausberger Schule die Ausbildung nach dem neuen Bundesrahmenlehrplan für die generalistische Ausbildung beginnen. „Bis dahin ist eine große Zahl von offenen Fragen zu klären“, sagt Gregor Weiß. Die erste wäre nach der Finanzierung, schließlich sollen das bisher vom Land oder den Kassen getragene Ausbildungsgeld verschwinden und eine angemessene Ausbildungsvergütung gezahlt werden. Auch müsste das Land verbindliche Lehrpläne als Grundlage für das Ausbildungsprogramm erarbeiten, das Weiß für seine Schule aufstellen muss.

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