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Auch immer mehr Jüngere betroffen / Zahl leicht rückläufig / Richter entscheidet über Heimeinweisung

Verfahren
1100 Personen unter gesetzlicher Betreuung

Peter Wolff (rechts), Direktor des Amtsgerichtes.
Peter Wolff (rechts), Direktor des Amtsgerichtes. © Foto: Winfried Mausolf
Stefan Lötsch / 11.07.2018, 20:02 Uhr - Aktualisiert 12.07.2018, 10:41
Eisenhüttenstadt (MOZ) Im Bereich des Amtsgerichtes Eisenhüttenstadt stehen derzeit 1100 Menschen unter gesetzlicher Betreuung. Im vergangenen Jahr wurden 232 Verfahren eingeleitet, in diesem Jahr, bis zur Mitte des Jahres, waren es 100. „Meistens handelt es sich dabei um ältere Menschen“, sagt Dr. Peter Wolff, Direktor des Amtsgerichtes Eisenhüttenstadt. „Aber wir stellen auch zunehmend fest, dass das junge Menschen betrifft.“ Oft genug hat bei Jüngeren Drogenkonsum zu irreparablen Hirnschädigungen geführt, so dass sie nicht mehr in der Lage sind, das Leben eigenständig zu führen. Ob die Zahl der unter Betreuung Stehenden im Bezirk des Amtsgerichtes Eisenhüttenstadt, der rund 60 000 Einwohner umfasst, hoch oder im Durchschnitt des Landes Brandenburg liegt, lässt sich nicht sagen. Die Zahl im Amtsgerichtsbezirk ist eher rückläufig.

Ob jemand unter Betreuung gestellt wird, stellt ein Richter des Amtsgerichtes fest. Ein entsprechendes Verfahren kann von Amtes wegen eingeleitet werden. Aber auch Angehörige oder ein Heim, in dem die betroffene Person lebt oder sogar die betroffene Person selbst, können das in die Wege leiten.

Wobei, wie Peter Wolff erklärt, es unterschiedliche Betreuungsweisen gibt. Zum einen kann sich die Betreuung auf finanzielle Angelegenheiten beziehen. Der Betreuer regelt Überweisungen, sorgt zum Beispiel dafür, dass die Miete, der Strom und sonstige Rechnungen bezahlt werden.

Einschneiden wird es, wenn es um die Aufenthaltsbestimmung geht, zum Beispiel die Einweisung in ein Heim. Das entscheidet in jedem Fall ein Richter. Peter Wolff betont, dass diese Entscheidung nicht vom grünen Tisch aus geschieht. „Der Richter fährt zu der Person hin, macht sich selber ein Bild von den Lebensumständen.“ Begleitet wird er von einem Arzt, der den Richter berät. Wie viele Aufenthaltsbestimmungen es unter den 1100 betreuten Personen gibt, darüber werde nicht eigens eine Statistik geführt, erklärt Peter Wolff.

Laut Gesetz ist die ehrenamtliche Betreuung die Regelform. So werdenvom Gericht Verwandte wie etwa Kinder zu Betreuern bestellt. Die ehrenamtlichen Betreuer erhalten einAufwandsentschädigung. Tatsächlich ist es aber oft genug so, dass Berufsbetreuer beauftragt werden, wenn zum Beispiel keine Angehörigen da sind oder diese zu weit weg wohnen.

Die Berufsbetreuer sind, gerade wenn es um die Verwaltung von Geld und Vermögen geht, rechenschaftspflichtig. Zu Beginn der Betreuung wird das Anfangsvermögen des zu Betreuenden festgestellt. Einmal jährlich muss dann Rechnung gelegt werden. Das wird von zwei Beamtinnen des gehobenen Dienstes kontrolliert.

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Werner Matzat 12.07.2018 - 12:33:36

Zahlen rückläufig? - Wenn Betreuung zum Albtraum wird - Entmündigt durch den Staat - Kein Recht auf freie Entscheidung!

Wir wissen was gut für dich ist. Wie uns Politiker und Gerichte in ein besseres Leben schubsen wollen. Niemand lässt sich gerne was verbieten. Ein sanfter Schubs in die richtige Richtung? Den nimmt man schon eher in Kauf. “Nudging” heißt das Schubsen auf Englisch und ist inzwischen nicht nur bei Politikern und Gerichten sehr gefragt. Glücklich, wer am Ende einfach tod vom Stuhl fällt und bis dahin geistig und körperlich fit war. Mit zunehmender Lebenserwartung aber wird das für immer weniger Menschen gelten, schon heute stehen weit über eine Million Menschen in Deutschland unter rechtlicher Betreuung, drei mal mehr als noch Anfang der 90er Jahre. "Frau M. kann es nicht fassen. Die wohlhabende Bonner Beamtenwitwe hält den Beschluss des Betreuungsgerichts in den Händen. Ihre jüngste Tochter hat sie entmündigen lassen - gegen ihren und den Willen ihrer anderen Töchter. Die per Gericht verordnete Betreuung reicht von leichten rechtlichen Einschränkungen bis hin zur faktischen Entmündigung. Im Netz des Betreuungssystems: Und wer sich einmal im Netz des Betreuungssystems verfangen hat, kann sich nur schwer daraus wieder befreien. So kritisiert der Jurist Prof. Volker Thieler, dass mit dem Betreuungsrecht stärker in die Freiheitsrechte des einzelnen eingegriffen werde als bei Strafgefangenen." Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=4maDcLBnbHQ --- Und immer häufiger betreuen gegen ihren Willen nicht etwa Verwandte sondern vom Gericht eingesetzte Betreuer, für die Angehörigen bleibt da mitunter nur Ohnmacht. Man darf bei all der Zahlenhuberei nicht vergessen, dass der Anteil an Betreuung rapide zunimmt. Diese besorgniserregende Zustandsbeschreibung lässt für die Zukunft tief blicken. So lässt sich natürlich leichter und wenig hinterfragt regieren. Ein schönes Beispiel wie Betreuung in Deutschland funktioniert und deren mögliche Folgen für die Betroffenen.

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