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Spielbezirk in Nöten

Handball
Die Unparteiischen werden knapp

Viel Arbeit für (zu) wenige Handball-Schiedsrichter: Lehrwart Lutz Straube (links) und Ansetzer Axel Kalusche
Viel Arbeit für (zu) wenige Handball-Schiedsrichter: Lehrwart Lutz Straube (links) und Ansetzer Axel Kalusche © Foto: Michel Nowak
Michel Nowak / 14.07.2018, 05:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Auf Kreisebene werden die Handball-Schiedsrichter knapp. Und zwar in einem Ausmaß, dass nicht sicher ist, ob künftig alle Spiele besetzt werden können. Darauf weist Schiedsrichterwart Axel Kalusche hin. Bereits in der abgelaufenen Saison sei es nur unter großen Anstrengungen gelungen, ausreichend Unparteiische zu stellen.

Dabei werden im Spielbezirk – der die Kreise Märkisch-Oderland, Oder-Spree, Dahme-Spreewald und die Stadt Frankfurt umfasst – genügend Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter ausgebildet. „Wir kennen die aktuellen Zahlen noch nicht genau, da wir gerade mitten in den Lehrgängen sind“, sagt Schiedsrichter-Lehrwart Lutz Straube, „aber um die 200 Zeitnehmer, Sekretäre und Schiedsrichter werden es wieder sein.“

Tatsächlich spricht Schiedsrichteransetzer Axel Kalusche nur von 25 bis 30 Referees, auf die er während der Saison zurückgreifen kann: „Dazu kommen dann noch einige regelmäßig auf Landesebene pfeifende Schiris, die mal aushelfen.“ Mit diesem Stamm versucht er, den Spielbetrieb in nicht weniger als acht Ligen abzusichern. Beim Pokalwettbewerb kommen weitere vier Jugendligen hinzu.

Ein Grund für den Mangel: Viele der neu ausgebildeten Schiedsrichter würden gar nicht pfeifen, sondern in den Hallen von den Vereinen im Kampfgericht eingesetzt werden. Ehrgeizige Schiedsrichter wechselten zudem oft schnell in den Landesspielbetrieb und gingen dem Kreis weitgehend verloren.

„Die Bedeutung von Schiedsrichtern wird von den Vereinen sehr unterschiedlich bewertet“, sagt Kalusche. Es gebe einige, wie etwa die OSG Fredersdorf-Vogelsdorf oder der Grünheider SV, die vergleichsweise viele Ansetzungen übernehmen würden. „Aber es gibt auch Vereine, die nur wenige Schiedsrichter melden. Darunter sind auch solche mit vielen Mannschaften im Spielbetrieb.“ Einige versuchten, anderen Schiris abzuwerben – der Vorgang wird als  sogenannter  „Schiedsrichter-Tourismus“ bezeichnet. Zwei Clubs hätten in der vergangenen Spielzeit – entgegen den Durchführungsbestimmungen – gar keine Schiedsrichter gehabt. Allein dadurch wären rechnerisch rund 20 Spiele unbesetzt geblieben. Durch die Rückgabe weiterer Ansetzungen kam noch einmal die gleiche Zahl hinzu.

„Von Montag bis Donnerstag bin ich praktisch permanent beschäftigt, auf der Suche nach Schiedsrichtern fürs Wochenende herumzutelefonieren“, sagt der Ansetzer. Besonders für die Samstagnachmittage sei es häufig extrem schwierig, Personal zu finden. Dabei koppelt Kalusche oft Landesansetzungen mit Kreisspielen oder klopft in Nachbar-Spielbezirken an. Teilweise würden Jugendspiele auch nur von einem Schiedsrichter – statt wie beim Handball üblich von zwei – geleitet. „Zum Glück habe ich einige Helfer, die ich persönlich immer wieder anfragen kann.“ Insgesamt habe es bisher dann doch immer noch geklappt, dass jemand zur Verfügung stand. Dass zu 14 Spielen in der vergangenen Saison kein Referee anreiste, hatte andere Gründe. Beispielsweise, dass der angesetzte Verein den Termin übersehen hatte.

„Wir brauchen in den Vereinen in jedem Fall mehr starke Schiedsrichter-Obmänner und -frauen, die sich um den Nachwuchs kümmern“, appelliert Kalusche, „nach der Aus- oder Fortbildung werden viele alleingelassen.“ Und trotz Aufwandsentschädigungen zwischen 20 und 25 Euro pro Spiel ist die Pfeiferei eben auch eine harte Angelegenheit. Die Verrohung in den Hallen sei ein Stichwort. Axel Kalusche: „Was sich beispielsweise Eltern bei Jugendspielen an Beschimpfungen manchmal rausnehmen, kann man sich gar nicht vorstellen.“ Wer da nicht stabil genug sei und unterstützt wird, verliert schnell die Lust. „Wir brauchen mehr Handballer, die junge Schiedsrichter betreuen, auch auf Zuschauer zugehen und um Ruhe bitten.“ Lehrwart Lutz Straube bringt es auf den Punkt: „Keine Schiedsrichter, kein Spiel – das sollte jeder bedenken.“ Im Kreis werden aktuell Projekte entwickelt, um für mehr Fairplay in den Hallen zu werben. Axel Kalusche sorgt sich indes für die neue Saison um die Schiedsrichteransetzungen: „Ich befürchte, dass es nicht besser aussehen wird als bisher.“

Wer sich für das Handball-Schiedsrichterwesen interessiert,kann sich bei Lutz Straube melden: srlw-mol@kfvmol.de

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