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Illegale Geschäfte
Pharmahändler unter Verdacht

Unter die Lupe genommen: Das Gesundheitsministerium hat die griechischen Medikamente sichergestellt und beprobt. Dabei sei eine einwandfreie Qualität festgestellt worden, heißt es. Patienten müssten sich also keine Sorgen machen, nicht oder schlecht wirkende Medikamente erhalten zu haben.
Unter die Lupe genommen: Das Gesundheitsministerium hat die griechischen Medikamente sichergestellt und beprobt. Dabei sei eine einwandfreie Qualität festgestellt worden, heißt es. Patienten müssten sich also keine Sorgen machen, nicht oder schlecht wirkende Medikamente erhalten zu haben. © Foto: dpa/Ralf Hirschberger
Ulrich Thiessen / 14.07.2018, 06:30 Uhr
Potsdam (MOZ) Der Pharmagroßhändler Lunapharm in Mahlow (Teltow-Fläming) ist in Verdacht geraten, krumme Geschäfte mit Krebsmitteln gemacht zu haben. Eine Bezugsquelle über eine griechische Apotheke wurde schon vor anderthalb Jahren gekappt. Jetzt stehen neue Vorwürfe im Raum.

Der erste Verdacht kam Anfang Dezember 2016 in Polen auf. Die dortigen Arzneimittelkontrolleure fanden in einer Apotheke große Mengen – mehr als 100 Packungen – eines teuren und schwer zu beschaffenden Krebsmedikamentes. Es kam von dem Großhändler Lunapharm mit Sitz im brandenburgischen Mahlow, der es wiederum aus einer Apotheke in Griechenland bezogen hatte.

Aber: Apotheken dürfen keine Medikamente an Großhändler verkaufen, erläutert Thomas Barta, zuständiger Abteilungsleiter im Potsdamer Gesundheitsministerium. Damals habe Lunapharm zunächst die Übersetzung einer Betriebserlaubnis besagter Apotheke vorgelegt, die das Ministerium nicht anerkannte – und sich deshalb noch im Dezember 2016 an die griechischen Behörden wandte.

Im März 2017 kam die endgültige Mitteilung, dass die Apotheke nicht befugt war, Handel zu trieben. Einen Tag später wurde Lunapharm von den Behörden kontrolliert. Die griechischen Medikamente wurden sichergestellt und beprobt. Barta betont, dass die Medikamente die angegebenen Wirkstoffe tatsächlich erhielten. Dennoch wurde Lunapharm der Handel mit dem griechischen Partnern untersagt. Einem Widerspruch beim Verwaltungsgericht Potsdam wurde nicht stattgegeben.

2017 wurden bei Kontrollen in Brandenburg insgesamt 29 Verstöße gegen die Gesetze des Medikamentenhandels registriert. Barta erläutert, dass es in der Regel nicht darum geht, Medikamente oder deren Wirkstoffe zu verfälschen. Vielmehr werden die Produkte eines Herstellers, die beispielsweise außerhalb der EU nur ein Zehntel des hiesigen Preises kosten,  neu etikettiert und reimportiert. Damit seien enorme Gewinne zu erzielen. Der Handel mit Arzneimitteln kreuz und quer durch Europa sei an sich jedoch nicht illegal. Wenn jedoch Verpackungen und Beipackzettel geändert werden, um den Eindruck zu erwecken, sie seien gleich für den deutschen Markt bestimmt gewesen, schreiten die Behörden ein.

Das ARD-Magazin „Kontraste“ erhob in seiner jüngsten Sendung am Donnerstagabend dieser Woche weitergehende Vorwürfe. Demnach seien die Krebsmittel, die Lunapharm bezogen hatte, in Griechenland gestohlen worden. Eventuell seien auch die Kühlketten beim Transport nach Deutschland nicht eingehalten worden.

Das brandenburgische Gesundheitsministerium zeigt sich von diesen Vorwürfen überrascht. Es habe erst durch die Anfragen von „Kontraste“ von dem Verdacht erfahren. Allerdings ermittelt die Potsdamer Staatsanwaltschaft im Rahmen eines Amtshilfeersuchens der griechischen Behörden seit März 2017 gegen die Geschäftsführerin des Mahlower Unternehmens. Es geht dabei um den Verdacht der Hehlerei, sagt eine Sprecherin der Behörde. Im April 2017 wurden dazu umfangreiche Durchsuchungen vorgenommen.

Das Gesundheitsministerium hat nun Einsicht in die Ermittlungsakten beantragt. Man bedauere, nicht früher von der Staatsanwaltschaft informiert worden zu sein, heißt es dort. Dann hätte sich früher die Frage gestellt, ob dem Pharmaunternehmen die Betriebserlaubnis zu entziehen ist.

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