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Betreuung
Lange Kitazeiten für ein Drittel

Kinder spielen in einer Kita.
Kinder spielen in einer Kita. © Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Lisa Mahlke / 14.07.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 14.07.2018, 10:40
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die aktuelle Betreuungssituation in den Kitas und wie damit umgegangen werden kann, war am Mittwoch wieder Thema im Jugendhilfeausschuss. Mehr als ein Drittel der bis zur Einschulung betreuten Kinder in Frankfurt kommt auf eine Betreuungszeit von mehr als acht Stunden. Hintergrund ist, dass das Land lange Betreuungszeiten nicht voll finanziert, weshalb die vier Fröbel-Kitas in Frankfurt seit April keine neuen Verträge mehr abschließen, die über eine Betreuungszeit von acht Stunden hinausgehen.

Ina Grahl vom Amt für Jugend und Soziales stellte die Zahlen in den Frankfurter Krippen und Kitas vor. Demnach werden im Krippenbereich 285 von 825 Kindern mehr als acht Stunden betreut. Bei den über Dreijährigen bis zur Einschulung sind es 548 von 1585 Kindern, also 35 Prozent. Zwei Träger haben erklärt, dass sie aufgrund der Finanzierungssituation nur noch eingeschränkt Betreuungsverträge über acht Stunden abschließen, und zwar nur bis zu einem Grenzwert von 20 Prozent beziehungsweise bei Härtefällen, wie etwa Geschwisterkindern. Neben den Fröbel-Kitas betrifft das die Kita Kunterbunt, die angekündigt hat, zum 1. Januar 2019 Betreuungsverträge zu kündigen, sollte es nicht zu einer zusätzlichen Finanzierung durch Land oder Stadt kommen. Davon wären bis zu 17 Kinder betroffen. Die 15 weiteren Träger wollen weiterhin uneingeschränkt Betreuungsverträge über acht Stunden abschließen, vier davon haben allerdings angekündigt, gegebenenfalls zu reagieren, sollte sich die Situation im kommenden Jahr nicht bessern.

Sollten diese Träger Betreuungsverträge kündigen oder Einschränkungen vornehmen, „wird die Situation problematisch“, unterstrich Ina Grahl in ihrer Präsentation. Würde man in diesem Fall die Kinder auf andere Einrichtungen umverteilen, hätte das wiederum bei diesen Einrichtungen besondere Belastungen zur Folge; es könnte passieren, dass sie dann keine Kinder mehr uneingeschränkt aufnehmen können.

„Akuter Handlungsbedarf besteht nicht“, sagte Jens-Marcel Ullrich, Beigeordneter für Jugend und Soziales, in der Ausschusssitzung. Bis Jahresende sei die Betreuung gesichert, das Problem müsse mittelfristig aber im Blick behalten werden. Es gebe Signale aus dem Landtag, dass die sogenannte dritte Betreuungsstufe diskutiert werde.

Sollte die Stadt diese freiwillig einführen, betonte Ina Grahl am Mittwoch, würde das Kosten in Höhe von einer Million Euro bedeuten. „Das Problem ist, dass die Mittel im Haushalt nicht zur Verfügung stehen“, sagte sie. Außerdem, so betonte Ullrich, hätte das Land dann weniger Ansporn für die Finanzierung von mehr Personal, nicht nur in Frankfurt, sondern auch in anderen Brandenburger Kommunen.

In einer zweiten Alternative, die Ina Grahl dem Ausschuss vorstellte, würde die Stadt in Einzelfällen zusätzliches Personal finanzieren. Doch auch in diesem Fall wäre die Finanzierung problematisch, eine Refinanzierung durch das Land nicht gesichert und das Vorgehen könnte zu Konflikten führen. Die dritte Idee sei eine Einigung zwischen Stadt und Träger, dass künftig nicht alle Kitas Kinder über acht Stunden aufnehmen und stadtteilbezogene Absprachen dazu treffen. Die möglichen Lösungen sollen im Unterausschuss Jugendhilfeplanung diskutiert werden.(sam)

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