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Traditionsbetrieb
Rheinsberger fordern Erhalt der Grillstube

Alles hausgemacht: Gulasch, Frikadellen, Würstchen, Steak, Salate, Sauerkraut und vieles mehr bietet Brigitte Weidauer seit Jahrzehnten an. Ihre Grillstube ist eine Institution und eine konkurrenzlose Alternative zum Restaurantbesuch
Alles hausgemacht: Gulasch, Frikadellen, Würstchen, Steak, Salate, Sauerkraut und vieles mehr bietet Brigitte Weidauer seit Jahrzehnten an. Ihre Grillstube ist eine Institution und eine konkurrenzlose Alternative zum Restaurantbesuch © Foto: Siegmar Trenkler
Siegmar Trenkler / 14.07.2018, 08:30 Uhr
Rheinsberg (MOZ) Seit 38 Jahren gibt es an der Rheinsberger Seestraße die Grillstube von Brigitte Weidauer. Nun ist der 67-Jährigen eine Räumungsklage der Stadt ins Haus geflattert. Sie soll alles abreißen, damit das Grundstück samt leerem Rathaus verkauft werden kann. Dabei kann die Verwaltung vermutlich für Jahre nicht ins Bürgerzentrum umziehen.

Dass sie früher oder später ihre Grillecke neben dem Rathaus aufgeben muss, war Weidauer schon lange klar. Der Grund und Boden, auf dem sie seit Jahrzehnten hausgemachtes Essen verkauft, gehört zum Rathaus. Sobald dieses ins fertiggestellte Bürgerzentrum umziehen wird, soll das ganze Grundstück verkauft werden. Doch der Termin dafür rückt in immer weitere Ferne.

Zuletzt wollte Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow (BVB/Freie Wähler) nicht einmal mehr bestätigen, dass der Bau Ende 2019 abgeschlossen sein soll. Umso verwunderlicher erscheint es daher, dass Schwochow nun die Grillstuben-Chefin schriftlich aufgefordert hat, ihr Geschäft bis Ende Oktober aufzugeben und abzureißen. Die Kosten für den Abriss und die Entsiegelung der 500 Quadratmeter großen Fläche betragen laut Weidauer rund 28 000 Euro. Vor allem aber den geforderten Zeitpunkt kann sie nicht verstehen. „Ich würde sogar freiwillig gehen, wenn die Stadt einen Käufer gefunden hat“, sagt sie. Doch so weit ist nichts gediehen „Und wenn ich weg bin, liegt die Fläche einfach für Jahre brach“, wundert sich die 67-Jährige.

Es kann in der Tat lange dauern, bis das neue Rathaus nutzbar ist und das alte verkauft werden kann. Zudem legt der Bebauungsplan für das Grundstück eine Nutzung als Fläche für den Gemeinbedarf fest. Würde es sich bei einem potenziellen Käufer also nicht beispielsweise um einen Träger für eine Kita, eine Schule, eine Kirche, eine soziale oder eine kulturelle  Einrichtung handeln, die unter diese Nutzungsart fallen, müsste der B-Plan geändert werden. Weidauers Grillstube ist davon nur deshalb nicht betroffen, weil der Plan erst nach der Wende erstellt wurde und ihr Imbiss damit Bestandschutz genießt. Den Plan erneut zu ändern, kann aber auch zwei Jahre und länger dauern. Gerade deshalb versteht Weidauer nicht, warum die Stadt ausgerechnet jetzt die Räumungsklage forciert. Verärgert ist sie auch, dass es bisher kein persönliches Gespräch mit dem Bürgermeister gegeben habe.

Für Schwochow stellt sich der Fall indes anders dar. Das Liegenschaftsamt habe mehrfach den persönlichen Kontakt zu der Chefin der Grillstube gesucht. Und auch Schwochow sieht die Gefahr einer Brache, die aus dem geforderten Abriss resultieren würde. „Uns geht es auch gar nicht darum, Frau Weidauer loszuwerden. Sie könnte die Räumung ganz einfach verhindern, indem sie einen neuen Vertrag unterschreibt“, sagt er. Dieser habe eine einjährige Laufzeit, die bis zur Fertigstellung des neuen Rathauses immer wieder verlängert werden könne. Bereits seit vorigen August liege Weidauer der Kontrakt vor, sagt Schwochow. Damit soll der unbefristete Vertrag aus dem Jahr 1981 ersetzt werden, der auch noch die damals üblichen Konditionen enthält – unter anderem, was den Pachtzins angeht. „Das Verfahren wird auch nicht jetzt besonders forciert, sondern läuft schon zehn Jahre“, stellt Schwochow klar. So habe bereits der damalige SPD-Bürgermeister Manfred Richter im Jahr 2008 Weidauer schriftlich darüber informiert, dass sie langfristig das Areal verlassen müsse, wenn das Rathaus verkauft werde. Im Juli 2017 war dann unter Richters Nachfolger Jan-Pieter Rau (CDU) durch die Kämmerei der Vertrag zum 31. Oktober 2017 gekündigt worden. Seinerzeit war noch von einer Fertigstellung des Rathauses 2017 ausgegangen worden. Zeitgleich sei Weidauer der neue Vertragsentwurf vorgelegt worden. „Ich habe jetzt lediglich die Vollmacht für den Rechtsanwalt erneuert“, so Schwochow. Da die Chefin der Grillstube den neuen Vertrag nicht unterschreibe, der alte aber längst gekündigt wurde, sei die Verwaltung gezwungen, die Räumung zu verfolgen.

Das wird derweil nicht überall so gesehen. So hat die SPD-Stadtverordnete Marion Grefrath in einem Brief an Schwochow appelliert, einen Kompromiss zwischen Stadt und Pächterin zu finden. Noch einen Schritt weiter gegangen ist der Rheinsberger Markus Kersten. Er hat am Dienstag auf der Internet-Plattform www.openpetition.de eine Petition gestartet, die den Erhalt der Grillstube fordert. Am Freitagnachmittag hatten dort bereits mehr als 360 Unterstützer unterschrieben. Die Hälfte davon kam aus Rheinsberg.

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