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Bildhauer
Künstlerischer Mauerbau in Tornow

Übung macht den Maurer: Clemens Baldszun testete am Freitag seine Vorgehensweise. Wobei er selbstverständlich auf Mörtel verzichten  wird, sonst würde die Aktion kommende Woche in Tornow sicher mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Übung macht den Maurer: Clemens Baldszun testete am Freitag seine Vorgehensweise. Wobei er selbstverständlich auf Mörtel verzichten  wird, sonst würde die Aktion kommende Woche in Tornow sicher mehrere Monate in Anspruch nehmen. © Foto: Thomas Pilz
Thomas Pilz / 14.07.2018, 09:00 Uhr - Aktualisiert 14.07.2018, 11:17
Tornow (MOZ) Etwas auf den ersten Blick Beunruhigendes plant der junge Bildhauer Clemens Baldszun kommende Woche in Tornow: Der 27-Jährige möchte an der Dorfstraße eine etwa drei Meter lange Mauer errichten, aber sie zum Glück anschließend wieder abbauen. Und zwar, um sie nebenan sogleich wieder hochzuziehen.

Baldszun plant kein vordergründiges, politisches Statement: Die skurrile Aktion  sei eine zwei Tage andauernde Performance – um mit den Tornowern besser ins Gespräch kommen zu können, betont er auf Nachfrage.

In Stuttgart erblickte Baldszun (Baldschun gesprochen) das Licht der Welt, da war die Mauer als Symbol der deutschen Teilung bereits Geschichte. Er studierte Kunstgeschichte in Bonn und anschließend in Freiburg Bildhauerei. Dass er nun in Tornow die Mauer-Performance plant, ist auch einem Freund zu verdanken, der im Schloss Tornow von Ökowerk quasi ein- und ausgeht, Nico Semsch, Sohn vom Ökowerk-Vorsitzenden, Lothar Semsch.  „Ich kann hier im Schloss ein paar Tage Urlaub machen und diese Zeit für kreative Betätigung nutzen“, erklärt Clemens Baldszun. Ökowerk, der Name steht nicht nur in der Region für den Willen neue Wege zu beschreiten, nicht zuletzt im ökologischen Landbau oder mit alternativen Lebensentwürfen. Evident scheint daher auch die Idee der Performance zu sein, die der junge Bildhauer nun für 17. und 18. Juli plant. „Ich will meinen Mauerbau quasi als Brückenbau verstanden wissen, weil ich für Überraschung bei den Einheimischen sorgen werde und sicher mit ihnen über dem Gartenzaun ins Gespräch kommen kann“, stellt sich der Künstler vor.

Weniger gehe es dabei um plakative Vergangenheitsbewältigung, obgleich Baldszun das heikle Thema DDR-Mauer durchaus bewusst ist, wie er versichert. „Aber auch im Westen gibt es bekanntlich Gegenden, wo die Leute heute noch Mauern in den Köpfen haben und sich mit dem Nachbarn, Leuten aus anderen Dörfern oder ferneren Regionen nicht verstehen oder es nicht wollen“, erklärt Clemens Baldszun.

Doch wie soll das nun vonstatten gehen? Stein um Stein wird Baldszun als der Neue im Ort eine Mauer aus 40 Ziegelsteinen setzen. Stein um Stein wandern die 40 Ziegel durch Tornow, 700 Meter vorbei an der alten Schmiede und der Kirche bis zur Mühle. Die Irritation, die seine scheinbar sinnlose Arbeit auslöst, soll Einladung zum Austausch sein. In Mildenberg kam Baldszun übrigens die Idee, Ziegel zu nutzen. Denn dort gab es den bedeutenden Ziegelstandort.

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