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Shakespeare im Kletterwald erfreut sich am Premierenwochenende von „Romeo und Julia“ zahlreicher Besucher

Theater
Es war der Pfau und nicht die Lerche

Marco Marschall / 16.07.2018, 06:45 Uhr
Groß Schönebeck Eine Bühne zwischen Bäumen. Julia am Karabiner. Ein Liebesdrama zwischen Raben- und Pfauengeschrei in lauer Sommernacht. Darüber hinaus animierte „Shakespeare im Kletterwald“ zur Premiere diesmal noch zu ganz unerwarteten Liebesbekundungen.

Das berühmteste Liebespaar der Welt hat längst den tragischen Freitod gewählt, die Schauspieler sind mit warmherzigem Applaus belohnt worden, da ist es nicht Julia, sondern Juliane Pagel (31) aus Eichhorst, die von der Zuschauerbank aufsteht und ihren eigenen Romeo, Alexander Heinrich (28), an die Hand nimmt. Das Publikum ahnt: Heute bekommt das Shakespeare-Drama doch noch ein Happy End. „Willst du mich heiraten“, fragt sie ihn am Ende einer kurzen Ansprache. Er antwortet mit „Ja“. Mehr als 100 Gäste im so gut wie ausverkauften Freilichttheater applaudieren erneut.

Bereits sechs Jahre sind Juliane und Alexander ein Paar, kennen gelernt haben sie sich an gleicher Stelle: im Kletterwald vor den Toren des Wildparks. Damals war die Idee vom Theaterspielen unter Seilen und Hängebrücken noch nicht geboren. Erst im vergangenen Jahr erprobten Kletterwaldchef Sven Unger und Schauspieler Thomas Bading das Ambiente für die Aufführung eines Shakespeare-Stoffes. „Ein Sommernachtstraum“ wurde 2017 zum Erfolg. Alle vier Vorstellungen volle Sitzbänke. Das sieht am Freitag zur Premiere von „Romeo und Julia“ ähnlich gut aus. Kaum eine Lücke ist in den Zuschauerreihen auszumachen. Und das obwohl die Kapazität  von 100 auf 130 Plätze aufgestockt wurde.

Als das Ensemble aus sechs Schauspielern, begleitet von Geige und Akkordeon, auftritt, wird es still im Publikum. Thomas Bading schlägt zwei Degen zum Takt der Musik aneinander und nimmt schließlich den Platz des Erzählers ein. Um das Drama mundgerecht in eine einstündige Vorstellung zu verpacken, hat er sich eines Tricks bedient und die Kinderbuchfassung von Barbara Kindermann zur Vorlage genommen. Bading liest und rafft damit das Geschehen.

Die wichtigsten Szenen des Stücks aber werden auf Bühne, Baum-Plattform und Hängebrücke vorgetragen. So befindet sich Julia (gespielt von Marie Bauer) die meiste Zeit am Karabiner gesichert über den Köpfen des Publikums. Nur zum Ball, auf dem sie ihren Romeo (Jonathan Heck) kennenlernt, für ein ausgelassenes Toben durch den Kletterwald und am Ende des Stückes kommt sie herab.

Für die berühmte Balkonszene des Dramas ist das Ambiente mit seinen verschiedenen Ebenen natürlich wie geschaffen und Romeos stürmisches Hinaufklettern zur Angebeteten wird zur humorvoll ekstatischen Erfahrung fürs Liebespaar – ähnlich wie die Fechtkunst ohne Degen ein überraschender Handgriff der Inszenierung, die auf Ausstattung und Requisite weitestgehend verzichtet.

Der Wald und seine Bewohner sind die optische und akustische Kulisse des Stücks. Da fliegt ein Julikäfer durch die Reihen oder krächzt ein Rabe in den Wipfeln. So dass die Frage, ob es denn die Nachtigall oder die Lerche war, die das Paar aus seiner Liebesnacht reißt, auf sympathische Weise ad absurdum geführt wird. Denn immer wieder lärmt ein ganz anderer Vogelschrei aus dem benachbarten Wildpark. Wie der Mann am Einlass zum Kletterwald später erklärt, ist es ein Pfau.

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