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Risiko
Anlieger warnen vor Baugebiet auf Schutt

Uwe Spranger / 18.07.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 18.07.2018, 11:47
Hennickendorf (MOZ) Im Ort brodelt wieder einmal die Gerüchteküche. Anlieger des Stienitzsees halten Hausbaupläne der Stienitzsee Real Estate GmbH im Bereich „alte Ziegelei/Tonloch“ für bedenklich.

Bereits seit fast zehn Jahren gibt es für das Areal am südwestlichen Ufer des Sees nahe der Berliner Straße einen rechtskräftigen Bebauungsplan. Vor einigen Wochen hatten Vorbereitungen zur Umsetzung begonnen, Baumfällungen für eine künftige Straße. Und bei weiteren Pächtern vor allem von Wochenendgrundstücken liefen oder laufen Verträge aus oder sind gekündigt worden. Auch Fischer Peter Klose war mit seinem Standort betroffen.

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Ehemaliges Tonloch am Stienitzsee

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Die Aktivitäten könnten der Auslöser für neueste Bemühungen sein, die Baupläne zu stoppen. „Man weiß ja nie, aus welchem Antrieb Bedenken vorgebracht werden“, äußert Ortsvorsteherin Monika Döppner-Smyczek. Anlieger haben jedenfalls gegenüber dem Bauordnungsamt Zweifel an der Machbarkeit angemeldet. Sie seien, wie sicher auch viele Hennickendorfer, sehr daran interessiert, das attraktive Gelände für die Zukunft nutzen zu können, betonen sie. Man wolle verhindern, dass eine weitere Nutzung nicht mehr möglich ist, weil bei den Bauarbeiten Schadstoffe freigesetzt werden könnten. Schließlich seien nach dem Ende des zweiten Weltkriegs in dem Bereich enorme Aufschüttungen „mit Industrieabfällen, Abraum und Bauschutt sowie Siedlungsabfällen“ erfolgt.

Als Beleg dafür werden Aussagen alter Hennickendorfer und Vergleiche von aktuellen Karten mit solchen aus den 1930er-Jahren angeführt. Demnach sei das Tonloch heute gut 1,5 Hektar kleiner als früher, seien bis zu 23 Meter hohe Aufschüttungen erfolgt, die im Zuge der Bauarbeiten wohl aufgerissen werden. Beim geplanten Anlegen eines künstlichen Sees – damit würden noch mehr Wassergrundstücke entstehen – könnten Schadstoffe aus Ablagerungen in den Stienitzsee gelangen, wird befürchtet. Zugleich wird das Umweltgutachten zu dem Bauprojekt angezweifelt, weil darin besagte Aufschüttungen nicht bemerkt worden seien. Die in dem Areal getätigten Bohrungen seien „nicht nachvollziehbar“, bemängeln die Kritiker. Aus ihrer Sicht wolle der Grundstückseigner die Flächen möglichst teuer verkaufen und die Käufer riskierten gesundheitliche Schäden.

Bei der Gemeinde Rüdersdorf hält man entgegen, dass der Umweltbericht von einem renommierten Landschaftsplanungsbüro erarbeitet worden sei. „Abfallbelange, die gegen das Vorhaben sprechen, sind nicht bekannt. Sonst wäre der Plan nicht beschlossen worden“, erklärt Baufachbereichsleiter Robert Knobloch. Aus seiner Sicht gebe es keinen Anlass, den Bebauungsplan in Frage zu stellen. Zwar seien Probebohrungen nicht so intensiv gewesen wie vielleicht bei der Suche nach Kriegsmunition in Oranienburg, aber das Vorhaben müsse deshalb nicht aufgegeben werden, befand er. Was den künstlichen See angehe, bedürfe der einer gesonderten Genehmigung, würden weitere Planer einbezogen. Und die Überwachung des Baugeschehens obliege dem Bauordnungsamt vom Landkreis.

Dort wollte Joachim Trabs die in einem Schreiben der Pächter vorgetragenen Sachverhalte nicht näher beurteilen. Auf jeden Fall sei nach einer anonymen Anzeige ein ordnungsbehördliches Verfahren  anhängig und nach einer Ortsbesichtigung mündlich eine Einstellung des Bauens verfügt worden. Zwischenzeitlich hatte die Stienitzsee Real Estate GmbH neue Aufschüttungen veranlasst. Damit wäre die vermarktbare Fläche vergrößert worden, sagen Anlieger. Selbst vor einem Biotop habe man nicht Halt gemacht. Ohnehin scheine Natur nicht so wichtig, denn Baumfällungen seien im April, also in der Vegetationszeit, erfolgt, berichten sie.

Die neuen Aufschüttungen seien ungenehmigt und unzulässig und müssten rückgebaut werden, urteilte jedenfalls die Baubehörde. Es sei zugesichert worden, dass dies bis Ende des Monats erfolge. Damit ist am Montag begonnen worden. Henrik Sundstöm, Chef der Stienitzsee Real Estate GmbH, gab zu, dass etwas „schief gelaufen“ sei. Nach seinen Angaben hätten die Erdarbeiten aber nichts mit der Bebauung zu tun, sondern seien für die Läufe der Stienitzsee Open Anfang September.

Die Umsetzung des Bebauungsplans Alte Ziegelei/Tonloch sei nach Beseitigung des ordnungswidrigen Zustandes nicht gefährdet, äußerte Trabs. Im Übrigen habe der Bebauungsplan bereits vor Jahren Rechtskraft erlangt, so dass die im Nachhi-nein erhobenen Zweifel „verwirkt sein dürften“. Nichtsdestotrotz müsse für Baugenehmigungen letztlich die Standsicherheit des Bauwerks nachgewiesen werden, seien insofern weitere Untersuchungen des Untergrundes zu erwarten.

Henrik Sundstöm hält die neuen Bedenken für unangebracht. „Wir wissen, was wir machen“, sagte er. Es seien ausreichend Bohrungen vorgenommen worden. Ein Ingenieurbüro beginne jetzt mit der Detailplanung. In Kürze stellte er weitere Informationen in Aussicht.

Unterdessen ist am Rande des Tonlochs Müll aufgetaucht: Offenbar ist bei Erdarbeiten eine alte Kippe freigelegt worden. Bei der Gemeinde liegt dazu eine anonyme Anzeige vor. Man habe Fotos gemacht, hieß es im Rathaus, werde mit dem Eigentümer reden. Der müsse dies wohl entsorgen. Auch beim Landkreis liegt die Anzeige vor, sei „in Bearbeitung“. Mitarbeiter der zuständigen Behörde waren bereits vor Ort.

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