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Publikumslieblinge unter den Jockeys

Rennbahn-Jubiläum
Auch deutsche Jockeys konnten reiten

Bei der Morgenarbeit: Otto Schmidt (Mitte) als Trainer, rechts Trainer Hans Gröschel aus Dresden
Bei der Morgenarbeit: Otto Schmidt (Mitte) als Trainer, rechts Trainer Hans Gröschel aus Dresden © Foto: Frank Sorge/Archiv Hoppe
Jens Sorge / 21.07.2018, 07:30 Uhr
Hoppegarten Vor 150 Jahren wurde die Rennbahn Hop­pegarten eröffnet. Die Märkische Oderzeitung blickt in einer Serie auf die Entwicklung zurück. Heute: Publikumsliebling Otto Schmidt, Jahrzehnte das Rennreiter-Idol.

Die große Wende für die deutschen Trainer und Reiter kam zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Die meisten Engländer und Amerikaner mussten in ihre Heimat zurück. Bereits ab 1910 tauchten mit Albert Schlaefke und Julius (Jule) Rastenberger zwei Könner im Vorderfeld der Statistik auf. Als erster deutscher Jockey konnte Willy Plüschke das Deutsche Derby gewinnen. Als Sohn des erfolgreichen Hindernisreiters und späteren Trainers Wilhelm Plüschke war ihm der „Pferdevirus“ in die Wiege gelegt. Dann kam die große Stunde des kleinen Waisenkindes Otto Schmidt. Sensationell holte er auf dem Außenseiter Amorino im Jahre 1916 das Derby nach einem packenden Finale gegen Spitzenkräfte wie George Archibald und Jule Rastenberger. In der „Rundschau im Bilde“ lautete der Kommentar: „So siegte Amorino unter dem Lehrling Otto Schmidt, einem kühnen, frischen jungen Reiter, dem kommenden Mann, der jetzt schon die meisten älteren Jockeys in die Tasche steckt.“

Das große Talent, seine Disziplin und sein Ehrgeiz ließen ihn hierzulande viele Jahrzehnte zum erfolgreichsten und populärsten Jockey werden. Als der Liebling der Berliner Turffans im Jahre 1952 seine Jockey-Laufbahn beendete, standen stolze 2218 Siege zu Buche, ein Rekord, der Jahrzehnte Bestand hatte. Nur elf Jahre waren Otto Schmidt als Trainer in Dortmund vor allem für die Gestüte Mydlinghoven und Ebbesloh beschieden. Er starb am 12. April 1964.

Zu den genialsten deutschen Jockeys zwischen 1910 und 1945 gehörte Julius Rastenberger. Als seine Stärken galten eine weiche, feine Hand und ein ausgeprägtes Tempogefühl. Der Berliner war 1915 der erste deutsche Reiter, der das Championat gewann. Bei einem Rennen am 3. Juli 1943 in Hoppegarten starb er kurz vor dem Ziel an Herzversagen und fand wie viele andere Jockeys und Trainer auf dem Friedhof von Dahlwitz seine letzte, gepflegte Ruhestätte.

Zu den damaligen Größen ihrer Zunft zählten ferner Anton Olejnik (auch als Trainer ein Könner), Wilhelm Taras, Gerhart Streit und der Amerikaner Everett Haynes. Dieser galt als bester ausländischer Jockey zwischen den beiden Weltkriegen. 1925 kam er nach Deutschland, holte im gleichen Jahr mit Roland den Derbysieg (Lupus und Palastpage folgten). 1933 kehrte Haynes dem Land, wo er eigenen Angaben zufolge seine glücklichsten Jahre verbrachte, den Rücken und zog nach Oklahoma.

Wenn von Jockeys mit außergewöhnlichen Fähigkeiten die Rede ist, fällt sofort auch der Name von Ernst Grabsch. Als Champion der Jahre 1929 bis 1931 war der aus Berlin-Spandau stammende Grabsch durch sein Reitgenie ebenso bekannt wie durch sein exzentrisches Privatleben. Er beschäftige in seiner Villa in der Rennbahnallee einen Diener, Chauffeur, Gärtner und eine Köchin. Seine Allüren kosteten horrendes Geld, und obwohl er 150 000 Mark im Jahr verdiente, war es ein offenes Geheimnis, dass Grabsch stets von Vorschuss lebte. Als Reiter des überragenden Rennpferdes und Zuchthengstes Alchimist und der Wunderstute Nereide, beide Derbysieger, nimmt er für immer einen besonderen Platz in der facettenreichen Geschichte des Hoppegartener Rennsports ein.

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