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Vergnüglicher kann Krimi nicht sein: Die Schauspieltruppe „textnot“ begeistert mit der Mausefalle.

Bühnenstück
Agatha-Christie-Klassiker in die Zukunft gerückt

Vergnügliches Krimi-Schauspiel: Die Theatertruppe „Textnot“ führte am Wochenende im Festsaal zu Trampe den Agatha-Christie-Klassiker „The Mousetrap“ auf.
Vergnügliches Krimi-Schauspiel: Die Theatertruppe „Textnot“ führte am Wochenende im Festsaal zu Trampe den Agatha-Christie-Klassiker „The Mousetrap“ auf. © Foto: Thessa Wolf
Thessa Wolf / 23.07.2018, 06:30 Uhr
Trampe Die schlechte Nachricht zuerst: Es ist vorbei. Dieses herrlich vergnügliche Sommertheater – und das gilt umso mehr, da es sich um einen Krimi handelt – ist zu Ende. Ein halbes Jahr geprobt, drei Mal aufgeführt, begeistert beklatscht. Glücklich, wer dabei sein und die Theatertruppe um Regisseur Bernd Matzner erleben konnte. Seit 17 Jahren ist diese als „Textnot“ allsommerlich unterwegs, in diesem Juli im Festsaal zu Trampe mit dem Agatha-Christie-Klassiker „The Mousetrap“, deutsch „Die Mausefalle“.

Dabei ist die Trampe-Aufführung keine reine Adaption, sondern eine leicht in die Zukunft gerückte und mit heutigen Protagonisten besetzte Charakter-Studie, die es in sich hat. Ja, dass man gehörig ins Schwitzen kam, lag auch an der aufgeheizten Festsaal-Luft. Den Großteil machte aber das Stück aus, mit all seinem Argwöhnen, Verdächtigen und schließlich Morden.

Wer verheimlicht was? Wie gut kennt man den anderen, ja sogar den eigenen Mann – und zwar in einer Zeit, da „das System“ alles speichert, sortiert und auswertet. „Das System“ beginnt zunächst auch mit etwas Physik und Biologie. Ein Faradeyischer Käfig? „Schlägt der Blitz ein, passiert den Menschen im Innern nichts.“ Es ist so ungefähr das Gegenteil des „Bühnenkäfigs“, einer Pension, die just zum Eröffnungswochenende durch ein Unwetter von der Außenwelt abgeschnitten wird. Immerhin sind die Gäste noch rechtzeitig eingetroffen, so der Gernegroß Christoph, die überempfindliche, Schimmel-unverträgliche und anderen schnell auf die Nerven gehende Manuela und Sven, der sich von Spruch zu Spruch durch den Tag frohlockt.

Zum Beispiel: „Alle reden übers Wetter. Aber keiner unternimmt etwas dagegen.“ Oder: „Der Zufall kennt Wege, da kommt die Absicht gar nicht hin.“ Mit von der Partie sind die um Aufmerksamkeit heischende Sylvia, die geheimnisvolle Juliane und die energische Polizistin Anna. Und nicht zu vergessen: Die Pensionswirte Peggy und Friedemann. „Jetzt kann uns nichts mehr überraschen. Sie sind alle da“, erklärt Peggy, als sich auch der letzte Gast eingefunden hat. Doch weit gefehlt: Noch vor der Pause passiert der erste Mord. Und dann beginnt das Wirrwarr-Spiel um gestrige Verstrickungen und heutige persönliche Abgründe, dass es eine Bühnenfreude ist.

Apropos Bühne: Die kommt recht spartanisch in Weiß, nur mit einem großen Doppelbett bestückt daher und lässt die unterschiedlich farbigen Pyjamas der Spieler umso mehr wirken. An zwei Bühnenecken sitzt „Das System“, zwei Mädchen mit Lampenkragen als Stimmen aus dem Off. Auch wenn es gegenüber den anderen, allesamt souverän Spielenden vielleicht etwas ungerecht erscheint: Christoph Leucht sorgt allein schon mit seiner Mimik für beste Unterhaltung, Anna Siegenthaler hält den Spielfluss sehr kompetent-zackig am Laufen und Juliane Seeliger-Ahlhelm bringt das Geheimnisvoll-Verspielte ihrer Figur sehr sehenswert rüber.

Übrigens: Die Auflösung ist eine echte Überraschung, wird an dieser Stelle auch nicht verraten – und liegt damit ganz und gar auf der Linie des Originals. Im Londoner West End, wo das Stück seit 1952 täglich aufgeführt wird, bittet man die Zuschauer, das Ende nicht zu verraten. Und auch die Presse hält sich daran.

„Textnot“ besteht übrigens aus zehn Barnimern, die teilweise selbst als Profis auf den Bühnen aktiv sind.

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