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Fußball
Turbine Potsdam begeistert in Friedrichsthal

Jürgen Zinke / 24.07.2018, 10:54 Uhr
Friedrichsthal 432 Fans wollten am Sonntag in Friedrichsthal den ersten Testspiel-Auftritt des Frauenfußball-Bundesligisten 1. FFC Turbine Potsdam gegen den polnischen Meister und Pokalsieger GKS Gornik Leczna sehen. Und sie wurden vom zweifachen Champions-League-Sieger und sechsmaligen Deutschen Meister nicht enttäuscht.

Mit 7:1 (2:1)  gelang den Damen aus der Landeshauptstadt, die mit einem Kader von 20 Spielerinnen seit dem 16. Juli im Training stehen,  ein souveräner Erfolg. Svenja Huth (6.), Lena Petermann (39., 82.), Nina Ehegötz (48., 87.) und Felecitas Rausch (88.) per Handstrafstoß erzielten die Treffer. Hinzu kam ein Eigentor der Gäste nach Eingabe von Svenja Huth (61.). Victoria Schwalm war nach 85 Minuten noch mit einem Foulstrafstoß an der polnischen Torhüterin gescheitert. Zwischenzeitlich hatte Ewelina Kamszyk (25.) zum 1:1 ausgeglichen.

Dementsprechend angetan zeigte sich Turbine-Trainer Matthias Rudolph: „Das war zu diesem frühen Zeitpunkt schon eine ansprechende Leistung. Wir haben ein gutes Passspiel gezeigt und die Chancen verwertet. Mit der aggressiven Spielweise des Gegners hatten wir allerdings ein paar Probleme.“ Lobende Worte fand der Coach, der nach der Saison 2015/16 das Potsdamer „Urgestein“ Bernd Schröder abgelöst hatte, auch für die Bedingungen in Friedrichsthal. „Schauen Sie sich den Platz an, das war optimal. Wir sind sehr zufrieden“, sagte er. Und ergänzte auf Nachfrage noch: „Wir würden auch wieder hier herkommen.“

Für die Potsdamerinnen geht es am 28. Juli mit einem Test bei der Männermannschaft des SV Dallgow 47 (Kreisoberliga Havelland) weiter. Zwei Wochen lang trainieren sie dann im Mannschaftsverbund am Luftschiffhafen, danach wird jede Spielerin einen individuell abgestimmten Trainingsplan von zu Hause aus abarbeiten, bevor das Team am 5. August ins Trainingslager nach Österreich fährt. Dort ist für den 10. August ein Testspiel gegen Sankt Pölten geplant. Den Punktspiel-Auftakt vollzieht Turbine am Sonntag, 16. September, bei 1899 Hoffenheim. Das erste Heimspiel im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion steht dann am 23. September um 11 Uhr gegen den SC Sand auf dem Programm. Eine Woche vor dem Bundesliga-Start ist die erste Runde im DFB-Pokal im Terminkalender, der Gegner steht noch nicht fest.

Zufrieden war auch Gastgeber SV Friedrichsthal mit dem Auftritt des Bundesligisten und der ganzen Veranstaltung. „Der Kontakt ist über Uwe Reher zustande gekommen, der ja in Oberhavel zu Hause ist und den wir seit langem kennen. Wir haben uns die Eintrittsgelder geteilt, die Einnahmen vom Catering bleiben bei uns“, sagte Manuel Knittel, Verantwortlicher für Presse und Öffentlichkeitsarbeit beim SV Friedrichsthal. Lobend erwähnt wurde neben anderen Sponsoren auch Jens Poethke vom Kompetenzzentrum Notfallmedizin, der seinen Wagen kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Uwe Reher, einer der beiden Turbine-Vizepräsidenten, hatte nach der Partie alle Hände voll zu tun, um die Spielerinnen noch zu Fotoaufnahmen und Gesprächen heran zu holen.

Zwei Spielerinnen, zwei Laufbahnen

Ein Wiedersehen gab es unter anderem für die Friedrichsthalerin Franziska Theeg mit der Potsdamerin Bianca Schmidt. Beide kommen aus Thüringen und hatten gemeinsam in der dortigen Landesauswahl gespielt.

Neben dem Alter von 28 Jahren sind dies dann aber auch die einzigen sportlichen Gemeinsamkeiten der beiden, die sich nach dem Spiel noch zusammen setzten.

Franziska Theeg, die während der Partie im Getränkewagen verkauft hatte, hatte 2007 beim Oranienburger FC Eintracht mit dem Fußball begonnen und spielt seit zwei Jahren beim Kreismeister und Pokalsieger SV Friedrichsthal. Im Gegensatz zu den „Turbinen“ steigen die Friedrichsthalerinnen erst am 1. August ins Training ein. „Einmal die Woche treffen wir uns“, sagt Franziska Theeg.

Bianca Schmidt und ihre Potsdamerinnen müssen dagegen jeden Tag ran, und das gleich zweimal. Für die in Gera geborene Abwehrspielerin ist das nichts Ungewöhnliches. Sie hatte im Jahr 2006 bei Turbine begonnen, war dann von 2012 bis 2015 beim 1. FFC Frankfurt und kam danach wieder zurück. Mit der deutschen Nationalmannschaft war sie 2009 und 2013 Europameisterin geworden, bei der WM 2015 in Kanada wurde sie mit Deutschland Vierte. Nach der Rückkehr nach Potsdam hatte Schmidt lange mit Rückenproblemen zu kämpfen und fiel die komplette Rückrunde aus. So platzte auch der Traum von den Olympischen Spielen in Rio 2016 für die 51-fache Nationalspielerin.

In die neue Saison gehen beide Kickerinnen optimistisch. „Wir wollen wieder vor mitspielen“, sagt Franziska Theeg. Und bei Turbine möchte man mehr erreichen als zuletzt Platz vier. Bianca Schmidt zeigt augenzwinkernd auf ihr verbundenes Bein. „Aber wer weiß, ich habe immer irgendwas. Man wird ja schließlich nicht jünger.“ Doch das glaubt man einer 28-Jährigen dann doch nicht.⇥(zin)

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