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Unbekannte Täter erschießen streng geschützte Tiere bei Ragow und im Raum Fürstenwalde / Todesschützen drohen bis zu fünf Jahre Haft

Naturschutz
Strafanzeigen nach Tötung zweier Wölfe

Erstes Opfer: Dieser Wolfsrüde ist Anfang Juli im Wald zwischen Müllrose und Ragow erschossen worden.
Erstes Opfer: Dieser Wolfsrüde ist Anfang Juli im Wald zwischen Müllrose und Ragow erschossen worden. © Foto: Udo Specht
Frank Groneberg / 26.07.2018, 09:15 Uhr
Ragow/Fürstenwalde (MOZ) Innerhalb von zwei Wochen sind in der Region zwei  getötete Wölfe gefunden worden. Nach MOZ-Informationen wurden beide Tiere von bislang unbekannten Tätern erschossen. Der Landkreis Oder-Spree hat zweimal Strafanzeige erstattet.

Illegale Tötung eines streng geschützten Tieres – so lautet der Vorwurf gegen den oder die Schützen, die innerhalb zwei Wochen im Landkreis Oder-Spree zwei Wölfe getötet haben. Denn nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist der Wolf eine streng geschützte Tierart, die Tötung von Wölfen eine Straftat. Werden Täter überführt, drohen ihnen bei vorsätzlicher Tötung bis zu fünf Jahre Haft. Außerdem müssen sie ein hohes Bußgeld zahlen – in Brandenburg pro Wolf bis zu 65 000 Euro.

Den ersten toten Wolf, einen etwa ein Jahr alten Rüden, haben Mitarbeiter der Landeswaldoberförsterei Müllrose am 9. Juli in der Nähe eines Waldwegs zwischen Ragow und Müllrose entdeckt, im Forstrevier Schwarzheide. Die Untere Naturschutzbehörde hat das Tier geborgen und zur Untersuchung nach Berlin überstellt, ans Institut für Wildtierforschung. Dort wurde dann festgestellt: Der Wolf ist erschossen worden. Die Kreisbehörde hat daraufhin bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt wegen des Verdachts der vorsätzlichen Tötung eines streng geschützten Tieres.

Am vergangenen Wochenende ist dann im Raum Fürstenwalde erneut ein toter Wolf entdeckt worden. Und die Untersuchung des Kadavers ergab auch diesmal: Das Tier ist erschossen worden. Auch in diesem Fall hat die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Oder-Spree Strafanzeige gestellt. Ob zwischen beiden Tötungen ein Zusammenhang besteht, ist völlig unklar. Die Fundorte liegen sehr weit auseinander. Auf jeden Fall haben sich der oder die Täter in beiden Fällen nicht mal die Mühe gemacht, die verbotenerweise getöteten Wölfe zu entsorgen oder zu verstecken.

Der im Landeswald zwischen Ragow und Müllrose getötete Wolf hatte ein auffallend helles Fell, zeigen Fotos, die von Udo Specht gemacht worden sind. „Wir vermuten schon lange, dass hier in unserem Forstrevier Schwarzheide ein Wolfsrudel lebt“, erzählt der Förster. Kollegen hätten dort schon öfter Wölfe gesehen, er selbst im vergangenen Jahr einige Tiere im Forstrevier Drahendorf. Für die Tötung von Wölfen habe er absolut kein Verständnis, betont Udo Specht. „Klar ist der Wolf  ein Jagdkonkurrent – aber er hilft uns zum Beispiel auch dabei, die viel zu hohen Schalenwildbestände abzubauen.“ In Deutschland sehe man leider vieles nur noch schwarz oder weiß, gut oder böse. „Natürlich muss reagiert werden, wenn der Wolf irgendwann zum Problem wird“, betont er. „Ich finde es auf jeden Fall spannend und interessant, dass er sich hier ansiedelt.“

Dass Wölfe in seinem Forstrevier leben, mache sich durchaus bemerkbar, erläutert Udo Specht. „Es kommt vor, dass wir drei, vier Wochen gar kein Wild im Wald sehen – weil das Wild woandershin ausgewichen ist.“ Er selbst fühle sich manchmal beobachtet, wenn er nachts auf Pirsch sei. „Das ist schon ein neues Gefühl. Ich sehe den Wolf ja eine halbe Stunde später, wenn ich auf dem Hochsitz bin, also war er vorher auch schon da.“ Angst brauche aber niemand zu haben, erklärt er, „denn der Wolf ist von Natur aus ein sehr scheues Tier.“ Hundebesitzer sollten jedoch aufpassen, denn ein im Wald  freilaufender Hund sei für einen Wolf ein leicht zu erlegendes Beutetier. Aber: „Hunde müssen laut Gesetz  im Wald generell angeleint werden“, betont Förster Udo Specht.

Mario Behnke, Sprecher des Landkreises Oder-Spree, bestätigte am Mittwochabend, dass „im Juli zwei getötete Wölfe im Landkreis Oder-Spree aufgefunden wurden und durch die untere Naturschutzbehörde Strafanzeigen zur Klärung der genauen Umstände auf den Weg gebracht wurden“.

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Jürgen Hauschke 26.07.2018 - 13:15:28

Feige Wilderer ziehen durch unsere Wälder!

Trauer und Wut steigen in mir hoch wenn ich diesen Beitrag lese. Was ist nur passiert mit unserer Heimat? Wilderer ziehen durch den Wald, Schafzüchter forder den Abschuss der Wölfe, ganze Gemeinden erklären sich zu "Wolfsfreien Zonen" .... Wärend wir vor gewaltigen Erntausfällen stehen und "Nutztierhalter" Notschlachtungen befürchten, wärend Insekten und Vögel immer weniger werden, wärend unser Wasser mit Nitrat und Glyphosat vergiftet wird, haben diese fanatischen Menschen nicht besseres zu tun als den Wolf schnellst möglich wieder auszurotten. Wenn diese Feiglinge sich doch mit den wirklichen Problemen befassen würden ... aber leider geht das nicht hinterhältig und unerkannt. Ich schäme mich in so einem Land zu leben!

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