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Landwirtschaft
So geht Europa mit der Hitze um

Mathias Puddig, Peter Heusch, Martin Dahms / 02.08.2018, 06:45 Uhr
Berlin (MOZ) Wochenlange Trockenheit treibt den Landwirten in Deutschland Sorgenfalten auf die Stirn. Am Mittwoch wurde das Thema im Bundeskabinett besprochen. Nützlich ist auch ein Blick darauf, wie andere Länder mit Hitze und Trockenheit umgehen.

Der Druck auf die Landwirtschaftsministerin wächst, auf Soforthilfen vom Bund für den Ackerbau will sich Julia Klöckner (CDU) aber noch nicht einlassen. Das ist das Ergebnis, nachdem die Dürre am Mittwoch im Kabinett in Berlin besprochen wurde. „Wir sind dem Steuerzahler verpflichtet, und vor allem brauchen wir valide Daten“, erklärte Klöckner, weshalb erst Ende August über Hilfen vom Bund entschieden werden soll.

Mit leeren Händen kam die Ministerin trotzdem nicht. Sie kündigte an, dass Tierhalter angesichts der drohenden Futterknappheit mit schnellen Hilfen rechnen können: „Wir lassen die Betriebe nicht im Regen stehen“, versprach sie. Zudem wolle sie bei der EU erreichen, dass die strengen Regeln für ökologische Vorrangflächen flexibilisiert werden. Doch reicht das? So gehen andere Staaten mit Hitze und Trockenheit um:

Frankreich Canicule (Hundewetter) nennen die Franzosen Hitzeperioden, bei denen die Temperaturen wie derzeit über mehrere Tage hinweg selbst nachts nicht unter 20 Grad fallen. So ein Hundewetter sind sie gewöhnt. Was die Deutschen in diesem Sommer erleben, das ist bei den Franzosen ganz normal. Um der Hitze zu trotzen, haben sie vor 14 Jahren den Canicule-Alarmplan ausgearbeitet.

Schlägt der Alarm, dann wird in den Seniorenheimen und Notaufnahmen der Krankenhäuser das Personal aufgestockt. Außerdem werden gezielte Vorsorgemaßnahmen ergriffen. In diesem Sommer ist das in bislang 19 von 101 Departements geschehen. Das ist überschaubar.

Dass der Alarmplan eingeführt wurde, hat mit der Hitzewelle des Sommers 2003 zu tun, der 10 000 zumeist ältere Menschen zum Opfer fielen. Damals stürzten heillos überlastete Notaufnahmen und überfüllte Leichenhallen das Land in ein humanitäres Drama. Ein Drama, das sich dank des Alarms nicht mehr wiederholte.

Spanien Die Landwirte haben sich in Spanien auf Hitzeperioden eingestellt: Sie bewässern 3,7 Millionen Hektar Land (was der Fläche Baden-Württembergs entspricht) künstlich, das sind etwa 22 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche. Vielerorts wäre die Landwirtschaft ein unmögliches Geschäft, wenn der Mensch nicht bewässerte. Anders als in Nordeuropa, wo auf brachliegendem Ackerland Wald heranwächst, verwandelte sich unbebautes Land in Wüste.

Deshalb ist es essentiell, Wasserressourcen zu erschließen: Mehr als 1300 Stauseen gibt es in Spanien, so viele wie in keinem anderen europäischen Land. Gut die Hälfte des bewässerten Landes ist mit modernen Bewässerungssystemen ausgestattet, die den Pflanzen die Wassermenge zuführen, die sie brauchen, und nicht mehr. Falls das Wasser einmal ausgehen sollte, stehen an der Mittelmeerküste Meerwasser-entsalzungsanlagen bereit. Sie sind die Quelle der Zukunft, für Landwirte wie für die Haus-halte.

Nordafrika/Naher Osten Wassernot und Ernteschwankungen gehören in Nordafrika und im Nahen Osten zum Alltag. In Tunesien etwa zittern die Verantwortlichen jedes Frühjahr, ob die Regenmenge für die niederschlagsfreien Sommer- und Herbstmonate reicht.

Der Wasservorrat wird in Talsperren gesammelt oder im Grundwasser. Trotzdem wird immer noch viel zu viel verschwendet, zum Beispiel in großen Obstplantagen ohne Tröpfchenbewässerung. Wie Tunesien müssen praktisch alle Länder des Nahen Ostens Getreide zukaufen. Bekanntestes Beispiel ist Ägypten, einst die Kornkammer der antiken Welt. Um die 95 Millionen Menschen zu ernähren, ist Kairo seit Jahren der größte Getreideimporteur der Welt.

Italien In Jahren mit Rekordhitze und geringen Niederschlägen wie im vergangenen Sommer wird in einzelnen Regionen Italiens wegen drastischer Einbußen der Landwirtschaft immer wieder der Notstand ausgerufen. Seit jeher bemühen sich Landwirte jedoch darum, ihre Ernten durch Bewässerungssysteme vor Dürrezeiten zu schützen.

Doch versickert knapp vierzig Prozent des Trinkwassers aufgrund von Lecks in den Leitungen im Erdreich. Auf zunehmend extreme Wetterphänomene wie Trockenheit und starke Regenfälle reagiert die Forschung, indem sie High-Tech-Systeme mit Drohnen zur Erkundung des Wasserbedarfs der einzelnen Böden entwickelt.

Andererseits wird verstärkt darauf geachtet, weniger Pflanzen mit hohem Wasserbedarf anzubauen und die Verschwendung durch Bewässerungssysteme, die Wasser verdunsten anstatt es abends direkt ins Erdreich tropfen zu lassen, zu reduzieren.

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