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Deichbauwerk bei Stützkow wegen Betonkrebs abgerissen / Ersatzneubau kostet 2,2 Millionen Euro mehr

Deichsanierung
Radikalkur für einen Krebspatienten

Michael Dietrich / 10.08.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 10.08.2018, 16:45
Stützkow (MOZ) 3,8 Millionen Euro sollte sie kosten, die Sanierung des Einlassbauwerks 681 im Nationalpark.  Doch das Vorhaben wurde gestoppt, weil bei dem Koloss im Oderdeich Betonkrebs diagnostiziert wurde. Die Radikalkur, also der Abriss und Ersatzneubau, sollen nun 5,7 Millionen Euro kosten.

Seit Juli bekommen die Tiere und Besucher im Nationalpark Unteres Odertal wieder ordentlich Baulärm um die Ohren. Die  Firma Strabag hat die Arbeiten auf dem Oderdeich zur Erneuerung des Einlassbauwerks am Kilometer 681 wieder aufgenommen. Ein Jahr lang herrschte Zwangspause auf der Baustelle. Jetzt zerren Abrissbagger an Stahlbeton und rollen voll beladene Laster mit Betonschutt Richtung Grenze.

Im Sommer 2016 waren am Bauwerk, durch das alljährlich zur Polderflutung Millionen von Kubikmeter Oderwasser auf die Nationalpark-Wiesen hinterm Deich fließen, die Arbeiten im Beisein von Umweltminister Jörg Vogelsänger gestartet. Der Betonkoloss mit vier großen Einlasstoren galt als instabil und unterläufig. Das heißt, dass Wasser unter dem Bauwerk hindurch floss. Für 3,7 Millionen Euro sollten Betonpfeiler und Unterbau saniert, Wehre und Antriebe erneuert werden. Doch das Vorhaben musste 2017 gestoppt werden, als Labore in den Betonproben des DDR-Baus die schon von Autobahnen bekannte Alkali-Kieselsäure-Reaktion, im Volksmund Betonkrebs genannt, festgestellt hatten. 

Die Arbeiten zur Erneuerung des Einlassbauwerkes bei Oder-Kilometer 681 nahe Stützkow gehen weiter. Die Sanierung der Anlage ist für die Verbesserung des Hochwasserschutzes an der Oder dringend erforderlich. Das Einlassbauwerk 681 ist das größte und wichtigste für die Polder A/B im Nationalpark Unteres Odertal.
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Besuch auf der Baustelle Einlassbauwerk Stützkow

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„Wir mussten erst klären, wie das Problem gelöst wird, welche neuen Planungen dafür nötig sind und woher das Geld kommt für den Mehraufwand“, erläutert Bauleiter Gerrit Frommhold-Treu. Er weiß, dass in der Bevölkerung schnell der Eindruck entsteht, dass das wieder so eine nie enden wollende BER-Baustelle werden könnte, und hält dagegen: „Die Schäden konnten erst auf der Baustelle bei der genaueren Untersuchung des Betons festgestellt werden. Dafür, dass wir ein millionenschweres Sanierungskonzept zu einem Neubau umfunktionieren mussten, ist das Vorhaben doch relativ zügig wieder gestartet“, sagt der Bauleiter, der 1998, also ein Jahr nach der Jahrhundertflut, auf den Deichbaustellen anfing.

Im Juli bekamen er und die Baufirma grünes Licht. Seither wird das Bauwerk abgerissen. Das Einlassbauwerk soll größengleich ersetzt werden. „Wir Wasserbauer hätten gern einen größeren Einlass errichtet, wie er 1980 mit damals zehn Einlasstoren geplant war. Dann aber hätte es einer komplett neuen Planung und Genehmigung bedurft und womöglich Jahre gedauert“, erklärt Frommhold-Treu.

Im Juli 2018 sollte die Sanierung von Bauwerk 681 eigentlich abgeschlossen sein. Jetzt bleibt für den Abriss und Ersatzneubau etwas weniger als ein Jahr Zeit. Als neuen Termin der Fertigstellung hat das Land nun November 2019 genannt, also kurz vor der Polderflutung vor dem übernächsten Winter. In diesem Winter wird die Baustelle so wie schon 2017 wieder vollständig geflutet, das heißt, dass dann erneut Zwangspause auf dem Bau herrscht. Erst nach dem Hochwasser soll mit dem Neuaufbau der Betonpfeiler des neuen Bauwerks begonnen werden.

Der bei Radfahrern beliebte Weg auf dem Oderdeich zwischen Stützkow und Grenzübergang Schwedt bleibt also vorerst weiter gesperrt. Anstrengungen des Nationalparks, den Weg während des Baustopps freizugeben, scheiterten an Sicherheitsbedenken des Landes.

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