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Trotz Trockenheit sind in diesem Jahr 35 Jungvögel durchgekommen/ Storchenexperte ist dennoch besorgt

Vogelschutz
Storcheneltern haben hart geschuftet

Kerstin Ewald / 10.08.2018, 07:30 Uhr - Aktualisiert 10.08.2018, 11:14
Bernau (MOZ) „Dieses Jahr waren die Störche extrem gefordert. Alle Achtung, dass die Brutpaare es geschafft haben, trotz der extremen Witterung und dem damit verbundenen Nahrungsmangel so viele Jungvögel großzuziehen“, resümiert Gerhard Meyer, der im Niederbarnim seit sage und schreibe 41 Jahren Störche betreut. Meyer konnte dieses Jahr 35 Jungtiere verzeichnen, die von 12 Brutpaaren im Landkreis großgezogen worden sind. Die meisten davon sind nun bereits ausgeflogen, nur einige wenige wie zwei Jungtiere im Bernauer Ortsteil Ladeburg sind noch nicht flügge.

Frösche, Mäuse, Regenwürmer, Insekten und zur Not auch mal ein Heuhüpfer gehören zur Nahrungspalette dieses beliebten Tieres. In diesem Jahr mussten die Vogeleltern oft bis zu drei Stunden für einen einzigen Beutefang ackern, berichtet Meyer. Jedes Nest im Landkreis besucht er vier bis fünf Mal pro Saison und dabei verbringt er oft mehrere Stunden bei seinen Schützlingen - bisweilen einfach mit Warten.

Nachdem die Störche in den letzten drei veregneten Sommern große Probleme hatten, ihren Nachwuchs überhaupt durchzubringen - das Federkleid der Jungen hatte sich mit Wasser vollgesogen, viele sind ertrunken oder wurden von den Altvögeln aus den Nestern geworfen - war auch 2018 kein optimales Jahr für den Weißstorch. Diesmal machte den Tieren die Trockenheit zu schaffen. Seit im April die Brutpaare eintrafen, hat es wenig geregnet.

Zu den extremen Witterungsbedingungen kommt aber noch eine Dauerproblematik, mit der die Tiere zu kämpfen haben. „Das größte Problem sind nach wie vor die riesigen Monokulturflächen der Landwirtschaft“, bemängelt Meyer und verweist auf die unsere Landschaft prägenden Raps- und Maisfelder, in denen die großen Vögel keine Möglichkeit haben zu landen.

Auch im Getreidefeld finden die Vögel kaum Nahrung, dort wird es für sie erst leichter, wenn die Bauern ab Juli anfangen zu dreschen. Ideal für die Tiere wären aber ausreichend feuchte gemähte oder beweidete Wiesen.

Bei seiner ehrenamtlichen Arbeit stützt sich der als „Storchenmeyer“ bekannte Experte auf ein weites Netz von engagierten Tierfreunden im Umfeld der Storchennester. Für jede Brutstätte sind drei Kontaktleute vor Ort verantwortlich. Sie legen ein wachsames Auge auf ihre langschnäbeligen Nachbarn, bei allen besonderen Vorkommnissen, rufen sie bei Meyer an.

So erreichte Meyer im Juni beispielsweise der Hilferuf von Eberhard Plaumann, einem ehrenamtlicher Storchenbeauftragten in Rüdnitz: Dort saß ein vermeintlich orientierungsloser Storch an der Waldkante. Nach einigem Hin- und Her stellte sich heraus, dass das Tier nicht mehr fliegen konnte.

Mit Hilfe seiner jahrelangen Routine gelang es Meyer, den Storch einzufangen und zum Tierarzt Valentin nach Melchow zu bringen. Ende Juni wurde der Patient erfolgreich wieder ausgewildert. Dennoch ließ sich in Rüdnitz in diesem Jahr leider kein Storchenpaar nieder.

Meyer ist seinen Unterstützern vor Ort dankbar für jeden wertvollen Hinweis: „Die Beobachtungen der Bürger sind für meine Arbeit äußerst wichtig und dienen dem Schutz dieser Art“, betont der Storchenpate.  In diesem Jahr sorgten sich viele Leute, wenn stundenlang kein Elterntier im Nest zu sehen war. Häufig konnte Storchenmeyer dann die besorgten Anwohner beruhigen, indem er ihnen erklärte, dass die aufreibenden Beutesuche der Brutpaare einfach lange dauert. Manche Probleme lösen sich zum Glück von selbst.

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