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Naturistentreffen
Den Wind am ganzen Körper erleben

Der Weg ist das Ziel: Sogar ein Fernseh-Team war dabei, als die nackigen Wanderer am Sonnabend aufbrachen.
Der Weg ist das Ziel: Sogar ein Fernseh-Team war dabei, als die nackigen Wanderer am Sonnabend aufbrachen. © Foto: Holger Rudolph
Holger Rudolph / 13.08.2018, 14:08 Uhr - Aktualisiert 13.08.2018, 14:26
Pfalzheim 55 Naturisten trafen sich am Samstagvormittag am Pfalzheimer Beginn des Wanderweges durch die Kyritz-Ruppiner Heide. Nackt zu sein, ist für sie etwas völlig Normales. Künftig wollen sie einmal jährlich ihr Gefühl von Freiheit und Naturverbundenheit in der Heide genießen.

Bernd Schaffrath aus Pritzwalk ist einer der Organisatoren der Probewanderung. Er selbst kennt die Strecke bereits und schwärmt von der Heideblüte und der insgesamt weitgehend unberührt wirkenden Natur. Die Heinz-Sielmann-Stiftung als Betreiber des Geländes hat den Liebhabern der Freikörper-Kultur (FKK) erlaubt, die sechs Kilometer nach Neuglienicke und den Weg zurück nach Pfalzheim zu gehen.

In Neuglienicke werde der Tross zum Mittag einkehren, erzählt Schaffrath. Nach sechs Stunden seien alle wieder am Startpunkt zurück. Probleme mit bekleideten Wanderern, die sich an der Nacktheit der Naturisten stören könnten, erwartet Schaffrath nicht. Die Strecke ist noch nicht so sehr frequentiert wie andere Wanderrouten. Woanders sei es durchaus schon vorgekommen, dass Touristen die Polizei gerufen hätten, nachdem sie Nudisten begegnet waren. In einigen Reiseregionen gebe es daher spezielle Strecken, die auch für Nackte zugelassen sind. In Reiseführern und mit Wegmarkierungen wird darauf hingewiesen, dass dort  nicht bekleidete Menschen unterwegs sein können. Verboten sei das Nacktwandern sowieso nicht. Es gebe kein Gesetz, ob der Wald bekleidet oder unbekleidet zu betreten ist, erläutert Schaffrath.

Temperaturen knapp unter 20 Grad und immer wieder auftretende Böen machen Schaffrath an diesem Vormittag nichts aus: „Es ist sehr angenehm, den Wind am Körper zu spüren. Ein bisschen Regen würde auch nicht stören.“ Viele seiner Mitwanderer und -wanderinnen kennt er schon lange. Schaffrath schwärmt: „Wir sind eine tolle Gemeinschaft.“ Beruflich auf Langstrecken als Busfahrer unterwegs, genießt der Prignitzer die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten einmal komplett vom Stress ausspannen zu können.

Aus Clausthal-Zellerfeld im niedersächsischen Westharz ist der 35-jährige Lars Martini angereist. Der Fernfahrer liebt es, in seiner Freizeit die Natur zu genießen. Und das nicht nur im Sommer. „Ich wandere nackt bis minus vier Grad“, sagt er und lächelt froh dabei. Es sei wunderbar, „den Wind und die Elemente am gesamten Körper zu spüren“. Im Lkw sitze er sonst die ganze Zeit. Mit den Wanderungen sorge er für etwas Bewegung. Das innige Verhältnis von Mensch und Natur zu genießen, sei auch für die Psyche sehr gut. Wer es selbst mal probiert hat, werde das bestätigen.

Im Internet hatten sich in verschiedenen Foren auch Besucher aus Österreich angekündigt. Zumindest zum Start der Wanderung waren sie noch nicht eingetroffen. Am weitesten angereist waren wohl die Hamburger und Pinneberger.

Frauen bildeten bei dieser Wanderung klar die Minderzahl. Das sei nicht immer so, versicherten die Männer. Naturismus sei bei beiden Geschlechtern in Deutschland bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts gleichermaßen beliebt. Mehrere Teilnehmer erinnerten sich an FKK-Urlaube mit der ganzen Familie zu DDR-Zeiten. Damals habe es anders als heute seltener als außergewöhnlich gegolten, sich vollkommen nackt zu bewegen.

Umso mehr freuen sich die Naturisten über jeden neuen Mitwanderer und jede neue Mitwanderin. Im Internet finde man durchaus genug seriöse Nudisten-Seiten, um mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen und vielleicht schon bei der nächsten Wanderung selbst erleben zu können, wie angenehm es ist, den Wind am ganzen Körper zu erleben.

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