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Bildungswerk der Wirtschaft startete in Letschin  neuen Stationsbetrieb / Anliegen ist die Werbung für praktische Berufe

Nachwuchssuche
Von der Vielfalt der Hände Arbeit

An der Spritzpistole. Obermeister Sven van Dyk (l) zeigt den Schülern die Handhabung.
An der Spritzpistole. Obermeister Sven van Dyk (l) zeigt den Schülern die Handhabung. © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 28.08.2018, 13:45 Uhr - Aktualisiert 28.08.2018, 14:33
Letschin. (MOZ) Die Letschiner Fontane-Schule hat am Montagdie Berufsorientierungswoche gestartet. Das  Bildungswerk der Wirtschaft Berlin-Brandenburg (bbw) hatte dafür eine neue Form der Präsentation gewählt. Die Neuntklässler konnten  sich an sechs Stationen ausprobieren.

„Die Berufsmessen haben ihren Reiz verloren, Viele Schüler sind nur noch gekommen, um sich Werbepräsente abzuholen“, begründete Hans-Jürgen Burau von der Berufsvorbereitung des bbw die Suche nach neuen Wegen, um die Schüler für das Handwerk zu begeistern. Denn in diesem Bereich gibt es den größten Bedarf an fähigen Nachwuchskräften. Für die Premiere in Letschin hatte sich der bbw auch Praxispartner gewonnen: Die Innung Oderland der Maler und Lackierer war mit Innungsobermeister Sven van Dyk, Meisterin Jeanine Antoniak und Lehrling David Voigt vor Ort, um den Schülern einige Kostproben vom Berufsbild zu geben.

Die Neuntklässler hatten zuvor bereits Workshops besucht, auf denen für eine Karriere bei der Bundeswehr oder Polizei geworben wurde und für die Ausbildung in der Schule für Sozialwirtschaft. An den Stationen des bbw ging es in erster Linie darum, sich ausprobieren zu können. Die Aufgaben waren darauf angelegt, mit den Händen zu begreifen und Begeisterung für die zumeist analoge Arbeitswelt zu wecken. So hatten die Schüler mit dem Messschieber Werkstücke zu vermessen, Materialien von Werkstoffen zu bestimmen, Kupferdraht zu biegen oder Steckverbindungen von Verlängerungskabel anzuschließen.

Aber auch die digitale Welt kam nicht zu kurz. Die Berufsschullehrer hatten einen 3D-Drucker mitgebracht und einen Laser-Brenner. Mit diesen Geräten werden verschiedene Produkte hergestellt. An der Station Holzverarbeitung waren Holzarten zu bestimmen. Es gab eine Station mit Sinnesübungen und eine Videostation, an der Berufsbilder von  Azubis vorgestellt wurden.

Hans-Jürgen Burau räumte ein, dass mit diesem Stationsbetrieb vor allem männliche Schulabsolventen angesprochen werden. Das soll sich aber bei den nächsten Auftritten ändern. „Wir wollen das Angebot ergänzen. Dann wird auch das Arbeiten mit Drohnen und Robotern vorgestellt“, so Durau.

Jungen wie Mädchen wurden bei den praktischen Übungen gefesselt, die Malerinnungsobermeister Sven van Dyk und Meisterin  Jeanine Antoniak angeboten hatten. „Probier es doch mal, dass ihr ein Gefühl dafür bekommt“, ermunterte Sven van Dyk die Neuntklässler dazu, die große und die  kleine Farbspritze zu benutzen, um vorbereitete Würfel und Tafeln zu besprühen.

Jeanine Antoniak weiß um die Vorbehalte von Mädchen vor dem Handwerk. Ihr gelang es aber, das Interesse der Schülerinnen zu wecken, indem sie mittels  Schablonen zeigte, wie kreativ das Malerhandwerk auch ist. Aus erster Hand konnte David Voigt den Schülern davon berichten. Der Lehrling des dritten Lehrjahres schwärmt regelrecht von seinem Beruf. „Ich hatte schon in der Schule in Kunst gern gemalt. Es ist wirklich ein Beruf, in dem man kreativ sein kann.“ Der junge Mann, der bei der Berliner Firma „Frühlingsmaler“ arbeitet, hat schon Friese geklebt, Bodenbeläge ausgelegt und Spachtelarbeiten ausgeführt.

Das Bild, das viele noch vom Beruf des Malers und Lackierers haben, habe kaum noch etwas  mit dem Arbeitsalltag heute zu tun. Meisterin Jeanine Antoniak ergänzte, was mit Kreativität gemeint ist. „Natürlich bestimmt der Kunde  in erste Linie, inwieweit die Handwerker kreativ sein können. Viele aber schätzen gerade die Beratung in puncto Gestaltung und Materialauswahl, weil es auch dabei immer neue Trends und Entwicklungen gibt.“ Heutzutage werde schon lange nicht mehr nur Raufasertapete geklebt. Es seien zumeist Spachtel- und Schablonenarbeiten gefragt.

Die Malermeister bedauern, dass das Interesse der Jugendlichen an ihrem schönen Beruf so gering ist. Auch deshalb versuchen sie, bei solchen Präsentationen wie am Montag in Letschin, Begeisterung zu wecken. Am heutigen Vormittag haben die Letschiner Zehntklässler ihr Bewerbungstraining,. 17 Firmen aus der Region unterstützen diese „Echtzeitbewerbung“.

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