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Jugendliche im Club an der Lindenberger Straße verschönern ihre Gemeinde mit knallbunten Graffitis

Jugendkultur
Mehr Farbe in Ahrensfelde

Schon ganz Profi: Luca (links) und Vicky lernen im Jugendclub während eines Graffitiworkshops, worauf sie beim Sprühen von Flächen  genau achten müssen.
Schon ganz Profi: Luca (links) und Vicky lernen im Jugendclub während eines Graffitiworkshops, worauf sie beim Sprühen von Flächen genau achten müssen. © Foto: Kerstin Ewald
Kerstin Ewald / 07.09.2018, 06:45 Uhr
Ahrensfelde (MOZ) Graffiti ist für viele Bürger nach wie vor ein Ärgernis. Wie Jugendliche Spaß haben, Spannendes über diese Kunstform lernen können und zu guter Letzt etwas für die Verschönerung ihres Ortes tun können, zeigt jetzt ein Workshop, der im Jugendclub Ahrensfelde stattfindet.

Vicky, fast 13, und Luca, fast 12 Jahre alt, sind zwei neugebackene Graffiti-Künstler von Ahrensfelde. Sie machen gerade bei einem Intensivkurs im Jugendclub Ahrensfelde mit. An insgesamt neun Nachmittagen lernen sie bei Jugendförderer Rick Gläske Techniken, die nützlich sind, wenn man sich mit Spraydose an der Wand verwirklichen möchte.

Geübt wurde zuerst auf OSB-Platten, dann an der Schuppenwand im Garten des Jugendclubs, der sich in Trägerschaft des AWO Kreisverbandes Bernau befindet. Den Schuppen ziert jetzt eine knallbunte Landschaft.

Was ist eine „Outline“? Luca weiß das, er springt auf und zeigt eine Linie, die den farbigen Schriftzug am Geräteschuppen einrahmt. „Die ‚Second Outline’, eine zweite Linie außerhalb der ersten Buchstabenumrandung bewirkt, dass die Buchstaben beginnen plastisch auszusehen“, ergänzt Rick Gläske. Auch Schattierungen sorgen natürlich für mehr Perspektive.

„Steigt von der Leiter runter und schaut euch das Bild mit Abstand an“, hat Gläske den Jugendlichen immer wieder gesagt, damit sie lernen, die Proportionen richtig einzuschätzen.

Vicky, die sich beim Graffiti-Workshop angemeldet hat, weil sie sehr gerne zeichnet, bekam beim Sprayen manchmal einen Fingerkrampf. Sie hat zwar gut durchgehalten, doch Graffiti wird wohl nicht ihr Hobby werden. Luca dagegen ist begeistert und kann gar nicht genug bekommen vom Sprayen: „Wir überlegen in der Familie gerade, ob ich auch unseren Gartenschuppen ansprayen kann“, freut er sich.

„Wir haben am Anfang auch Theorie durchgenommen“, erzählt Rick Gläske, der selbst vor 15 Jahren als Hobbysprayer angefangen hat. Er will den Jugendlichen zeigen, dass man mit der Spraydose nicht nur „herumschmieren“, sondern auch ansehnliche Kunst produzieren kann. Er vermittelte seinen Teilnehmern auch, dass sie, wenn sie unerlaubt im öffentlichen Raum sprayen, „Sachbeschädigung“ begehen und dies nach dem Jugendstrafrecht mit zwei Jahren Freiheitsentzug oder Geldstrafe geahndet werden kann.

Er weihte seine Schützlinge auch in die Anfänge des Graffitis in den 70er und 80er Jahren ein, damals verstanden als Protestbewegung gegen „das System“. „Auch ‚Tacken’, das Sprayen wilder Schriftzüge - eine Art persönlicher Logos junger Leute -  an exponierte Wände im öffentlichen Raum ist ein Teil von Graffiti“, erklärt Gläske. Gerade weil „Tacken“ vielen Bürgern verhasst ist, gibt es Jugendlichen die Gelegenheit, sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen. Der Pädagoge Gläske betrachtet das Phänomen auch von der soziologischen Seite.

Das Potenzial der Graffitikunst zur Gestaltung öffentlicher Räume haben indes viele Städte und Gemeinden für sich entdeckt. So wird der Ahrensfelder Workshop auch vom Land Brandenburg, vom Kreis  Barnim und der Gemeinde Ahrensfelde gefördert. Am kommenden Samstag werden Vicky und Luca als Abschlussprojekt ihres Kurses eine Kinderhütte des Kindergartens „Lindenzwerge“ zum Feuerwehrhäuschen umgestalten.  Darüber hinaus prüft die Gemeinde Ahrensfelde derzeit, ob sie weitere Flächen für Graffitikünstler freigibt, so Pressesprecher Daniel Ackermann.

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