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Ende Oktober startet in Sachsendorf der Betrieb der ersten Fairmast-Anlage Deutschlands

Rundgang
Mehr Licht, Luft und Zeit

Ulf Grieger / 08.09.2018, 14:45 Uhr - Aktualisiert 08.09.2018, 14:54
Golzow (MOZ) In Golzow sollen die ehemaligen Milchviehställe zu Hähnchenmastställen nach dem mit Tierschutzverbänden entwickelten Fairmast-Verfahren umgebaut werden. In Sachsendorf ist man dabei. Das hat erneut die Veganer-Initiative „Tierfabriken-Widerstand“ auf den Plan gerufen. Am Freitag führte Odega-Chef Detlef Brauer durch die Baustelle in Sachsendorf.

„Wo waren Sie seit vorigem Jahr?“ Golzows Bürgermeister Frank Schütz erinnerte am Donnerstag die Tiermastgegner daran, dass sie mit den Golzowern Kontakt halten wollten. Nur wenige Golzower waren der Einladung der Iniative gefolgt. Wie schon zur Info-Versammlung im Februar 2017, als es um die Sachsendorfer Ställe ging, waren Umweltschutzaktivistinnen aus Müncheberg gekommen sowie eine Delegation aus Reitwein, wo die Einwohner gegen  geplante Putenmastställe kämpfen. Moderator Tom Michel erklärte die Arbeitsweise der Ehrenamtler: „Wenn wir erfahren, dass wieder Stallanlagen geplant sind, fahren wir dahin und versuchen, Protest zu organisieren.“ Davon, mit Landwirten ins Gespräch zu kommen, könne hingegen keine Rede sein. Friederike Schmitz und ein weiterer Aktivist machten ihre Sicht auf das Genehmigungsverfahren für die Golzower Anlage deutlich. Als roter Faden zog sich am Donnerstag die Aussage durch den Abend, dass das Fairmast-Verfahren aus Veganer-Sicht nicht ausreichend ist und lediglich einen Versuch darstelle, das Image der Mastbetriebe aufzupolieren.

Niclas Fakler, der Gymnasiast war der jüngste Teilnehmer, gab der Debatte eine andere Richtung, als er gezielt nach den Alternativen fragte, die Tierfabriken-Widerständler anzubieten hätten. Die Veganer hatten darauf keine Antwort. Dann ging es um Grundsätzliches: Wie soll sich Landwirtschaft entwickeln und welchen Einfluss haben „zivilgesellschaftliche Kräfte“, wie es das bündnisgrüne Kreistagsmitglied Jan Sommer nannte, auf diese Prozesse. Es entwickelte sich eine spannende Debatte, in der auch die Reitweiner Bürgerinitiative ihrer Erfahrungen einbrachte. Johannes Große-Darrelmann berichtete von der Wirkung des Versagens des gemeindlichen Einvernehmens zur Putenmastanlage. Andere betonten die Einflussmöglichkeit der Landverpächter auf die Nutzungsart. Jan Sommer informierte, dass er die Agrarentwicklung im Kreistag thematisieren will.

Am Freitag führte Oderga-Chef Detlef Brauer über die Baustelle in Sachsendorf. Er hatte dazu den Vorstand der Landwirtschaft Golzow und Gemeindevertreter eingeladen. Frank Schütz aus Golzow, Karl-Friedrich Tietz aus Reitwein und Marlies Zachert vom Amt Seelow Land gehörten zu den Teilnehmern. Die umgebauten Kuhställe sollen bereits Ende Oktober mit den ersten der rund 70 000 Masthähnchenküken bestückt werden. „Die Sachsendorfer werden vom Betrieb nichts mitbekommen“, versicherte Brauer. Vertreter des Deutschen Tierschutzbundes, die die zum Fairmast-Projekt gehörenden Tierwohlauflagen kontrollieren, haben sich die Umbauten bereits angeschaut und für gut befinden. „Natürlich gehen die Wünsche immer darüber hinaus. So zum Beispiel der nach Freilaufanlagen. Aber das können wir aus Seuchenschutzgründen nicht sicherstellen“, erklärte Brauer. Die Hähnchen bekommen im Gegensatz zur konventionellen Haltung mehr Licht, Luft und Lebenszeit. Sie werden auf Stroh gehalten, bekommen Auslauf in Wintergärten. „Wir wollen, dass sie langsamer wachsen“, so Brauer. Deshalb ist 70 Prozent des Futters Weizen. Sitzstangen und Strohballen sollen für Bewegung sorgen.

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