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Barnimer Gesangsgruppen schwören auf ihr liebstes Hobby / Beim Chorfest kamen etliche von ihnen im Familiengarten zusammen

13. Chorfest
Gesund, sozial, traditionsreich

Julia Lehmann / 10.09.2018, 06:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Chöre teilen nicht nur die Begeisterung fürs Singen. In ihren Reihen spielen Werte wie Zusammenhalt und Erhalt von Kulturgut eine zentrale Rolle. Einen Eindruck davon bekam man am Sonnabend beim Chorfest des Barnimer Sängerkreises. Die inzwischen 13. Auflage.

Auf der Bühne Sänger, im Publikum Sänger. Das Chorfest brachte am Sonnabend 11 von 19 im Barnimer Sängerkreis organisierten Chöre in der Stadthalle des Eberswalder Familiengartens zusammen. Eine ausgesprochen traditionsreiche Veranstaltung des 1991 gegründeten Vereins. Besonders fallen die Sängerinnen der Gruppe Iwuschka auf, ein deutsch-russischer Chor aus Eberswalde. Die roten Hauben und rot-goldenen Kleider sieht man schon vom Weiten. Unter den Liedern der Gruppen finden sich vor allem volkstümliche, deutsche Stücke, ab und an Gospel oder Pop. Obgleich viele Gesangsgruppen im Landkreis existieren, sie alle haben Probleme damit, sich zu verjüngen und so letztlich auch zu erhalten.

Dabei begreifen sich Chöre als Teil des Kulturguts, meint Petra Thiele. Die 61-Jährige ist Vorstandsvorsitzende des Barnimer Sängerkreises und führt am Sonnabend durch das Programm. Gesungen wurde schon immer. Es verbindet Völker, Familien, Kinder und Erwachsene. Chöre halten altes deutsches Liedgut wach, sagt sie.

Welche Zusammenschlüsse die Chorkultur im Barnim hervorgebracht hat, sieht man an den unterschiedlichen Gruppen. Vertreten war der Volkschor Stolzenhagen, der Gesangsverein Eintracht Friedrichswalde, MGV Teutonia Ladeburg, der Gesangsverein „Eintracht“ Friedrichswalde, das Iwuschka Ensemble,   der MGV „Frohsinn“ Marienwerder, der Frauenchor Cantilena Marienwerder, das Bollipop Kinder- und Jugendensemble, der Gemischte Chor Biesenthal, die Chorgemeinschaft Blumberg, der Gemischte Chor Finowfurt, die Waggonkomödianten, der Chor Cantus Vitalis Eberswalde, der Chor Jubilate Wandlitz sowie der Forstchor Silvanus Eberswalde.

Sie alle werden stets unter anerkennendem Applaus wieder von der Bühne entlassen. Man unterstützt sich, wo man kann. „Ortsfeste leben von Chören“, nennt Petra Thiele ein Beispiel für die Bedeutung von Chören. Und obwohl vor allem alte deutsche Lieder gesungen werden, gebe es auch Modernisierungsprozesse innerhalb einer Gruppe. So würden Lieder neu intoniert werden und das Repertoire generell verjüngt.

Warum dennoch nur wenig junge Menschen Chöre aufsuchen, dafür hat Torsten Saalmann eine Theorie. Der 54-Jährige leitet den Männergesangsverein Teutonia Ladeburg mit 14 Mitgliedern. Gut zu erkennen an den grasgrünen T-Shirts der Mitglieder. Er sagt, der Alltag lasse eine Chormitgliedschaft bei vielen nicht zu. Schließlich sind Proben ein fester Termin in der Woche. Gerade Berufstätige würden dafür nur wenig Zeit opfern wollen. „Es ist ein Hobby, für das man das Haus verlassen muss“, sagt der Wandlitzer. Mitglieder ab 60 Jahren seien leichter zu finden.

Dabei bekomme man unheimlich viel zurück, sagt Petra Thiele. Das Gefühl Gemeinschaftlichkeit zu erleben zum Beispiel. Chöre haben eine besondere Struktur inne, mit dem Chorleiter an der Spitze. Jeder müsse individuell sein dürfen und trotzdem Kompromissbereitschaft an den Tag legen. „Chöre erfüllen einen sozialen Auftrag“, sagt Thiele. Viele der Gesangsgruppen treten regelmäßig in Krankenhäusern und Altersheimen auf. Und, dass die Energie, die man durch das Singen erzeugt, sich durchaus auch auf den Zuhörer überträgt, daran hat Brigitte Saalmann keinen Zweifel.

Die 54-Jährige ist Vorstandsmitglied des Sängerkreises und singt seit zehn Jahren im Volkschor Stolzenhagen. Und in der Tat handelt es sich beim Chorfest durchaus um eine Veranstaltung, die durch gut gelaunte Menschen getragen wird. Brigitte Saalmann hat auch einen positiven Effekt des Singens selbst erkannt. „Auf der Bühne haben alle den gleichen Puls“, sagt sie. Wer unter Bluthochdruck leidet, sei beim Singen davon befreit. Kurzum: Singen ist gesund. Es trainiere die Atmung und macht schlichtweg Spaß. Um einen Eindruck davon zu bekommen, war das 13. Chorfest eine gute Gelegenheit. Finanziert wurde es zu großen Teilen von der Stadt Eberswalde und dem Landkreis.

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