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The Golf Club featuring PGA Tour
Aufteen wie die Pros

Stefan Klug / 13.09.2018, 14:17 Uhr - Aktualisiert 13.09.2018, 14:49
(MOZ) Eingefleischten Golf-Fans wird nicht verborgen geblieben sein, dass 2017 die alljährliche Ausgabe eines virtuellen Spiels mit dem kleinen weißen Ball ausgefallen ist. Möglich, dass den Entwicklern nach dem Absturz von Tiger Woods und dem anhaltenden Formtief von Rory McIlroy die Testimonials ausgegangen sind. Um so überraschender taucht mit den HB-Studios ein neuer Mitbewerber in der Konsolenwelt auf, der zudem auch noch die prestigeträchtige Lizenz der PGA Tour mitbringt. „The Golf Tour 2019“ ist damit das einzige Spiel, mit dem sich passionierte Golfer die lange Winterpause hierzulande vertreiben können.

Rein von der Qualität der Software her dürfte der Winter wohl ewig dauern. Denn soviel vorweg: Authentischer hat man wohl noch nie in den eigenen vier Wänden aufgeteet. Dabei erfinden die Programmierer des virtuelle Golfspiel keineswegs neu. Im Prinzip greifen sie auf alle Features zurück, die man aus anderen Spielen schon kennt. Doch die Summe des Feintunings hebt das Gameplay auf eine ganz neue und wirklich realistische Stufe. Geschwungen wird unter der Zuhilfenahme eines der beider Analogsticks. Dankenswerter Weise darf ausgesucht werden, ob es der linke oder rechte ist. Wird der Stick zum Körper hingezogen, vollführt der Akteur den Rückschwung, durch die Richtungsänderung nach vorn den Durchschwung. So weit, so bekannt. Denn jeder Golfer weiß, dass die Qualität des Schwunges von mehr als nur der Rückwärts-Vorwärtsbewegung abhängt. Und das haben die HB-Studios in grandioser Weise berücksichtigt. Rhythmus ist das Zauberwort, also der Übergang von der einen zur anderen Bewegung und in welcher Intensität und Geschwindigkeit diese ausgeführt werden. Schließlich wirkt sich auch aus, ob man in der Schwungbahn bleibt. Kurzum, nicht gut getimter Rückschwung kostet Länge, beim Durchschwung Genauigkeit: Zu langsam produziert einen Slice, zu schnell einen Hook. Wer aus der Bahn gerät, pusht den Ball irgendwo in die Botanik. Gelungen ist auch, dass man durch eine Kombi von Fehlern andere umgehen kann. Wer also Schwierigkeiten mit dem Tempo hat, zielt nach rechts und gibt dann richtig Gas, so dass der Ball mit einer schönen Linkskurve schlussendlich irgendwie dann doch die richtige Richtung bekommt. Zwar nicht die reine Lehre des Golfspiels, aber gängige Praxis.

Allerdings können, wie bei den Pros üblich, Draw und Fade wie auch veränderte Lofts, also Schlägerblatt-Winkel, voreingestellt werden. Per Druck auf die entsprechende Schultertaste öffnet sich eine Grafik. Gerade mit den Loftveränderungen lassen sich Längen zwischen zwei Schlägern besser dosieren als über die mit „Wucht“ übersetze Schlagkraft. Auf den Grüns zeigt eine Gitterlinie mit in Richtung Brake verlaufenden Punkten an, wohin das Gefälle den Ball rollen lässt. Anders als vielleicht gewohnt, kann der Putter nicht auf eine bestimmte Länge voreingestellt werden. Es wird lediglich die mögliche Gesamtdistanz, sowie die tatsächliche und die relative Entfernung zum Loch, abhängig vom Brake, angezeigt. Alles andere ist Gefühl. Um das zu bekommen sollte man durchaus immer einige Puts auf dem Übungsgrün vor jeder Runde absolvieren. Apropos: Tutorials für die grundlegenden und speziellen Schläge sowie Driving-Range stehen immer zur Verfügung.

Die PGA-Tour ist nicht nur als Namensgeber mit im Spiel. Sie stellt auch das Grundgerüst für den Karriere-Modus. In diesem muss sich der Spieler erst in der Q-School beweisen, danach in der Web.com-Tour, um endlich die 32 Turniere der PGA-Tour in Angriff nehmen und um den FedExCup spielen zu können. Fünf Schwierigkeiten stehen zur Wahl, der Turniermodus dauert also etwas. Abseits davon kann jederzeit eine schnelle Runde gedreht oder ein Matchplay mit Freunden gespielt werden. Die Server bieten zudem genügend Raum für Online-Vergleiche rund um den Globus.

Die großen Stars allerdings sucht man vergebens in „The Golf Club 2019“. Jeder darf seinen persönlichen Spieler kreieren, ihn dank Sponsorenverträgen und Preisgeldern reichlich ausstatten, aber in der virtuellen Haut bekannter Namen aufteen fällt aus. Insofern geht dem Spiel ein wenig Atmosphäre verloren, wie auch die Präsentation eher nüchtern daherkommt. Es wird deutlich, dass die Entwickler mehr auf Inhalt, denn auf Verpackung Wert gelegt haben. Das schlägt sich zum Teil auch in der Grafik nieder. Das Design, die Ansichten und auch die Animationen sind hervorragend, aber alles, was nicht mit dem unmittelbaren Spiel zu tun hat, wirkt ein wenig steril. So stehen die Zuschauer wie Zombies in der Gegend rum und der Balls rollt einfach durch sie hindurch. Und auch die Kommentare wirken ein wenig lustlos, wenngleich sie im Bezug auf die Situation sehr authentisch sind. Schlussendlich darf man sich als Designer von Golfplätzen versuchen und dorthin Freunde einladen, diese zu spielen und zu bewerten.

Nicht nur, weil „The Golf Club 2019 Featering PGA Tour“ ein Lücke im Spielsegment füllt, ist der Titel passionierten Golfern wärmstens zu empfehlen. Auch die wirklich gelungene Umsetzung von Schwung- und Ballphysik setzt Maßstäbe im Segment. Dazu sieht das Game toll aus, bietet reichlich Abwechslung in Sachen Plätzen und Modi, so dass kleine Makel bei der Präsentation und der Grafik abseits der Fairways zu vernachlässigen sind.

The Golf Club 2019 Featuring PGA TOUR; HB Studios im Vertrieb von 2K

https://www.thegolfclub2019.com

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