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Harte Strafe
Betrunkener Berufspilot verursacht tödlichen Autounfall

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Symbolfoto © Foto: dpa
Mathias Hausding / 13.09.2018, 17:37 Uhr - Aktualisiert 13.09.2018, 23:10
Bernau (MOZ) Das Amtsgericht Bernau (Barnim) hat einen Berufspiloten zu einem Jahr Haft ohne Bewährung verurteilt, weil er im betrunkenen Zustand einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht haben soll. Der Fall wirft nebenbei auch ein fragwürdiges Licht auf die Flugbranche.

Beim Unfallverursacher handelt es sich demnach um einen in Berlin lebenden Flugkapitän, der nach Informationen dieser Zeitung für die Fluggesellschaft Germania unterwegs ist. Der 55-Jährige hatte laut Gericht den 22. April 2017 allein in Bernauer Restaurants verbracht und dabei zwei Flaschen Rotwein getrunken, bevor er sich zur Rückfahrt nach Berlin entschloss.

Am südlichen Ortseingang von Bernau sei er mit seinem Auto von der Fahrspur abgekommen und ungebremst mit einem entgegenkommenden Wagen kollidiert. Dessen 73 Jahre alter Fahrer starb. Der Unfallverursacher blieb unverletzt, was ein Sachverständiger im Prozess mit dem größeren und moderneren Auto begründete, das der Pilot steuerte.

Ein Alkoholtest nach dem Unfall habe bei ihm einen Wert von 2,5 Promille ergeben. Das geltende Tempolimit hatte keiner der beiden Fahrer überschritten. Wert legt das Gericht in seiner Mitteilung auf weitere Umstände, die in der Verhandlung bekannt geworden seien. So hätten Ersthelfer ausgesagt, darunter ein Polizist, dass der Pilot während der Beatmung des Opfers auf dem Fahrersitz plötzlich auftauchte, sich auf den Beifahrersitz setze und versuchte das Opfer abzuschnallen. Dabei sei er sogar auf dessen Schulter eingeschlafen. Als die Helfer ihn wegzogen, sei er zu seinem schwer beschädigten Auto gegangen und habe versucht, es zu starten.

Weiter stellte sich heraus, dass der junge Polizist bis heute unter den Ereignissen leidet. Nachdem er die psychischen Folgen zunächst verdrängt habe, sei er seit Jahresbeginn dienstunfähig und in therapeutischer Behandlung.

Als „beunruhigend“ beschreibt das Amtsgericht das, was über den Arbeitsalltag des Angeklagten bekannt wurde. Demnach hatte er regelmäßig 18-stündige Arbeitstage. „Er fuhr dann mit dem Auto zu seinem Stammflughafen nach Rostock, steuerte eine Passagiermaschine über viereinhalb Stunden zu den Kanarischen Inseln und zurück und begab sich dann mit seinem PKW auf die wiederum dreistündige Rückfahrt“, schreibt das Gericht.

Nach dem Unfall habe er sich für mehrere Monate einer Suchttherapie unterzogen. Anschließend absolvierte er ein sogenanntes Anti-Skid-Programm, das Piloten helfen soll, Abhängigkeiten in den Griff zu bekommen. Nach einer positiven Gutachter-Prognose sei ihm im Januar 2018 die Flugtauglichkeit bescheinigt und vom Luftfahrt-Bundesamt – in Kenntnis des laufenden Strafverfahrens – die Pilotenlizenz wiedererteilt worden. Seitdem fliegt er wieder.

Das Gericht verweist in dem Zusammenhang auf eine „paradoxe Situation“. So hätte es dem Angeklagten eigentlich die Fahrerlaubnis entziehen müssen. „Demnach hätte der Angeklagte zwar ein Flugzeug fliegen, aber kein Auto führen dürfen“, schlussfolgert das Gericht. Es verzichtete schließlich auf den Entzug, „weil die Vollstreckung der verhängten Freiheitsstrafe ohnehin mit einer Verbannung des Angeklagten aus dem Straßenverkehr verbunden ist“.

Mit seinem Urteil ging das Schöffengericht über die Strafanträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung hinaus, die Bewährung beziehungsweise eine Geldstrafe gefordert hatten. Zwar erkannte das Gericht in seinem am 6. September ergangenen Urteil an, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist, eine Langzeittherapie absolviert hat und die Last tragen muss, den Tod eines Menschen verursacht zu haben. Man hätte vor diesem Grund von einer Haftstrafe absehen können. „Allerdings liegt der Tat, gerade bei einem Piloten, ein so hohes Maß an Verantwortungslosigkeit und damit kriminelles, sozialschädliches Unrecht zu Grunde, dass – auch zur Abschreckung anderer Trunkenheitsfahrer – eine Strafaussetzung zur Bewährung ausscheidet“, heißt es in der Mitteilung des Amtsgerichtes vom Donnerstag.

Der Angeklagte hat bereits gegen das ergangene Urteil bereits Rechtsmittel eingelegt – es ist somit nicht rechtskräftig.

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