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Wie sieht es unter Wasser aus?
Menschliche Hinterlassenschaften

Mario Merkel / 14.09.2018, 06:30 Uhr
Frankfurt (Oder) Mit über 3000 natürlichen Seen ist Brandenburg das seenreichste deutsche Bundesland. Aber wie sieht eigentlich das Leben unter der Wasseroberfläche aus? Unsere Sommerserie lüftet einige Geheimnisse. Teil 12: Unrat.

Die vorangegangenen Beiträge dieser Sommerserie eröffneten einen Einblick in die wunderbare Unterwasserwelt Brandenburger Seen und Flüsse mit ihrer artenreichen Flora und Fauna. Sie erzählten von den großen und den kleinen Fischen, der Schönheit und Notwendigkeit von Unterwasserpflanzen und den vielen kleinen, kaum sichtbaren Dingen im lebenspendenden Nass. Jede Art entwickelte ihre eigene Strategie zum Überleben in unseren Gewässern vor der Haustür und trotzt den Veränderungen. Heimische Arten sehen sich zusätzlich dem Druck von etablierten „Neubewohnern“, sogenannter Neobiota, wie Grundeln und Amerikanischen Flusskrebsen ausgesetzt.

Die Brandenburger Gewässerlandschaft ist allerdings nicht nur wunderschön, artenreich und vielfältig. Sie ist vor allem auch verletzlich.

Strahlende Kindergesichter beim Baden an sommerlichen Tagen, stolze Freizeitkapitäne hinter hölzernen Steuerrädern und leuchtende Augen vieler Wassersportler zeugen von der Liebe der Brandenburger zu ihren Seen und Flüssen. Und dennoch.

Man muss kein Meisterdetektiv sein, um die Vermüllung an den Ufersäumen zu erkennen. Ausgediente Schwimmhilfen, leere Köderdosen, Verpackungen eines fröhlichen Picknicks achtlos entsorgt im Schilfgürtel oder auf der Badewiese nach einem fröhlichen Ausflug sind leider keine Seltenheit mehr. Dieses nicht tolerierbare Entsorgen von Müll macht nicht am Gewässerufer halt. Ein Platsch, ein paar kleine Wellen und das Wasser legt sich friedlich über die Schandtat.

Das Tauchen an besiedelten Uferabschnitten offenbart die traurige Seite der Gewässernutzung. Ausgedientes aller Art findet den Weg ins Wasser und in die Vergessenheit. Als Taucher kann ich sagen, dass die Seen keine schwarzen Löcher sind, in denen der Müll einfach so weg ist. Nein, er liegt am Grund, im Lebensraum vieler Pflanzen und Tiere für lange Zeit. Es gibt nichts, was nicht schon einmal den Weg in unsere Seen gefunden hat. Fahrräder, Mopeds, Einkaufswagen, Flaschen, Fässer, Bauschutt, ja ganze Gewerbebetriebe scheinen auf dem Grund der Seen zu ruhen. Bei einem so dichten Netz von legalen Entsorgungsmöglichkeiten staunt man über die aufgewendete Energie.

Umso erfreulicher stimmen die unermüdlichen Säuberungsaktionen von Gemeinden, Schulen, Freiwilligen, Angel- und Tauchvereinen. Emsig und ehrenamtlich organisieren engagierte Menschen Einsätze, befreien die Natur von menschlichen Hinterlassenschaften und führen es dem Entsorgungskreislaufsystem zu. Die Gewässer sind eben keine Müllhalden, sondern wahre Schätze, die es für Mensch und Tier zu erhalten gilt. Gemeinsam für gesunde Seen.

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