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Abgewiesen
Vorzeitiges Ende einer Clubnacht

Gymnasiast und Clubgänger: Toryali Omary musste am Sonnabend seine Freunde allein ins Kamea gehen lassen.
Gymnasiast und Clubgänger: Toryali Omary musste am Sonnabend seine Freunde allein ins Kamea gehen lassen. © Foto: Gerrit Freitag
Frauke Adesiyan / 14.09.2018, 07:05 Uhr - Aktualisiert 14.09.2018, 08:16
Frankfurt (MOZ) In der Nacht von Sonnabend zu Sonntag war für den 17-jährigen Liebknecht-Gymnasiasten Toryali Omary an der Tür zum Kamea Schluss. Mit einer Gruppe von Freunden wollte er, wie so oft, in der Disco feiern.

„Der Türsteher meinte, ich komme nicht rein, weil ich ausländischer Herkunft bin“, erzählt der Gymnasiast wenige Tage darauf. Die Sicherheitsleute hätten auf die Vorfälle im Frosch-Club verwiesen und gesagt, es gäbe eine Anweisung vom Chef. „Das war wie ein Schlag ins Gesicht“, sagt der Jugendliche, der als Kind mit seinen Eltern aus Afghanistan nach Frankfurt kam.

Dass es eine derartige Vorschrift gibt oder gegeben hat, bestreitet Mirko Grabow vom Kamea. „Generell haben wir noch eine offene Tür. Aber natürlich wird jetzt genauer geguckt“, sagt er mit Verweis auf die Gewalttaten einer Gruppe von syrischen Männern. Im Falle des 17-jährigen Frankfurters sei wohl eine hinter ihm stehende Gruppe arabischer Männer der Grund für die Abweisung gewesen. „Die wäre nicht reingekommen und um keine Diskussionen zu haben, haben die Jungs ihn auch abgewiesen“, erklärt Grabow und bedauert den „Kollateralschaden“.

Die Türpolitik sei eine sehr vielschichtige Aufgabe. Es gehe darum, den Gästen eine sichere Feieratmosphäre zu schaffen. Große Männergruppen seien da tabu. Mitunter werden  ausländisch aussehende Gäste auch zu ihrem Schutz abgewiesen, weil man ihre Sicherheit nicht garantieren könne. Die Entscheidung, wer reinkommt, und wer nicht, basiere auf dem Geschäftsdenken: Wer tut einem lukrativen Abend gut? „Wir haben im Kamea einen eklatanten Anstieg von Gästen mit Migrationshintergrund“, beschreibt Grabow die Situation. Andere Gäste bleiben mitunter weg,  die wirtschaftliche Lage sei schwierig.

Unter den Türstehern am Kamea gibt es eine Bilderdatei, die kriminelle und gewalttätige Gäste verzeichnet, diese würden konsequent abgewiesen. Auch die Mitglieder der Gruppe, die vor drei Wochen den Frosch-Club angegriffen hat, seien  den Türstehern bekannt gewesen, so Grabow. Im Kamea hatten sie bereits Hausverbot.

Ihm ist es wichtig zu betonen, welchen schwierigen Job seine Sicherheitsleute Woche für Woche zu leisten haben – unter zunehmend schwierigen Bedingungen. „Von all den Konflikten, denen wir vorbeugen konnten oder die wir durch Kommunikation lösen können, berichtet niemand“, sagt er. Letztendlich sei die Situation im Kamea ein „Spiegel der Stadt, mit ihren Lebens- und ihren Denkweisen“, sagt Grabow. Dass die Türpolitik mit Omary einen gut integrierten Frankfurter Gymnasiasten getroffen hat, sei „eine Tragödie“. Er empfiehlt ihm zukünftig am besten mit einer Freundin zu kommen und klar zu kommunizieren, dass er Frankfurter sei.

Toryali Omary hat an der Abweisung noch zu knabbern, schließlich war er Stammgast im Kamea. Ihn und seine Freunde beschäftigen die jüngsten Diskussionen um straffällige Ausländer sehr. „Wir reden viel darüber und kommen immer zu demselben Ergebnis: Das Problem ist nicht die Nationalität, das Problem ist das Verhalten.“

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Kurt Crampmeyer 15.09.2018 - 00:37:25

@Roland Totzauer

Ausweis hin oder her ... Entscheidend ist die schon vorhandene oder sich anbahnende Gästezusammensetzung, das Mischungsverhältnis Männer-Frauen oder oft einfach nur die "richtige oder falsche" Kleidung. Ich glaube kaum das darüber, wenn es in angesagten Berliner Clubs geschehen wäre, jemand auch nur ein Wort verloren hätte.

Roland Totzauer 14.09.2018 - 23:36:02

Ausweis vorhanden?

Ich kann mich jederzeit und gegenüber jedem Türsteher ausweisen = durch Vorzeigen meines Personalausweises, den ich ständig bei mir trage! Sollte Herr Toryali Omary deutscher Staatsangehöriger sein, dürfte es ihm ein leichtes sein, sich mit seinem PA am Disko-Eingang zu legitimieren. In letzter Konsequenz entscheidet aber immer der Hausherr, wer rein darf und wer nicht ...

Kurt Crampmeyer 14.09.2018 - 11:50:37

die fehlenden Frauen ,...

das bemerkte auch Ex-OB Martin Patzelt im Gespräch zwischen Frau Karaschinski, Jetzt-OB Wilke bei Antenne Brandenburg in dieser Woche, sind eines der Probleme der Nochnichtsolangehierlebenden. Ob diese "fehlenden" Frauen nun unbedingt im Kamea (oder anderen Clubs) die Bekanntschaft mit diesen "Männergruppen" machen wollen, wissen nur die Frauen selbst. https://www.antennebrandenburg.de/programm/abendsendungen/antenne-gespraech/der-frankfurter-weg.html Clubbetreiber sortieren auch nach anderen Kriterien aus. Kleidung, Haarschnitt, Auftreten. Immerhin müssen sie für eine angenehme Atmosphäre in ihren Lokalitäten sorgen, wollen sie ihre zahlenden Gäste an sich binden.

Ralf H. Janetschek 14.09.2018 - 11:45:59

Türstehersteherpolitik

Türsteher haben ihre Anweisungen, handeln in diesem Rahmen nach ihren Erfahrungen und legen fest, wer kommt rein und wer nicht. Kurz gesagt: Wer passt zum Laden - wer passt nicht? und Wer macht Streß - wer verhält sich normal?

Mona Wahl 14.09.2018 - 11:07:17

verständlich---

und wieder zeigt sich das Bürger mit ausländischen Wurzeln stets mit Vorurteilen zu kämpfen haben...es heisst ja auch nicht dass ALLE sich daneben benehmen, aber es reicht allein schon das Andersaussehen um misstrauisch zu sein/werden ----spürbar in vielen Bereichen des normalen Lebens.... Verständnis hin oder her...wie schon so oft, Integration wird nicht gelingen ------- dazu bedarf es vieler Hürden die überwunden werden sollten/müssen. Der Weg dahin ist lang, steinig und fast zu 99% nicht begehbar...zuviel Mühe und Zeit wurde in den letzten Jahren investiert und die Erfolge sind eher dürftig...da machen sich leider all diejenigen die es sich wünschen, echt was vor. Immer wieder kommt es zu Problemen und die löst man nicht von HEUTE auf MORGEN ....Realität schaut anders aus...Beispiele gäbe es genügend...

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