Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Justizstaatssekretär eröffnet Exposition

JVA
Gefangene zeigen Ausstellung

Steffen Göttmann / 15.09.2018, 12:00 Uhr - Aktualisiert 15.09.2018, 15:05
Wriezen (MOZ) In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wriezen  ist am Freitagmittag eine Anne-Frank-Ausstellung eröffnet worden.  Gefangene, die an einer Bildungsmaßnahme teilnehmen, werden die Tafeln, die über das Leben von Anne Frank sowie die Ermordung der Juden durch das Terrorregime der Nazis, besichtigen können.

Anne Frank, ein jüdisches Mädchen, wird 1929 in Frankfurt am Main geboren. Um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, fliehen die Eltern mit ihr beiden Kindern nach Holland. Als deutsche Truppen 1940 das Land überfallen, holt die Familie das Schicksal ein. Ab 1942 versteckt sie sich mit weiteren Juden in einem Hinterhaus in Amsterdam. Zwei Jahre später werden die acht Untergetauchten verraten und nach Auschwitz deportiert. Anne Frank und ihre Schwester werden ins KZ Bergen-Belsen gebracht, wo sie Anfang 1945 vermutlich an Typhus sterben. Zum 13. Geburtstag, kurz vor dem Untertauchen, bekommt Anne Frank ein Tagebuch, das sie regelmäßig führt. Ihr Vater, der als einziger überlebt, veröffentlicht es nach dem Krieg. Es gilt als bedeutendes Dokument aus einer Zeit heute unvorstellbarer Grausamkeit. Davon und über die systematische Diskriminierung und Ermordung der Juden berichtet diese Wanderausstellung in eindrucksvollen Fotos und einfachen und verständlichen Texten, die vom Anne-Frank-Haus konzipiert wurde.

„Ich freue mich, dass wir zum zweiten Mal seit 2017 die Anne-Frank-Ausstellung hier herholen können“, sagte Wolf-Dietrich Voigt, Leiter der JVA Wriezen. Damals sei es darum gegangen, der Öffentlichkeit etwas aus einer Zeit zu präsentieren, in der die Situation eine ganz andere war. Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Chemnitz erfahre die Ausstellung eine ganz neue Dimension, erklärte der Leiter der JVA. Ihm gehe es um die Frage: „Welche Haltung haben die Bürger zu den Ereignissen und welche Haltung zeigen sie?“

Das Tagebuch der Anne Frank sei ein einzigartiges Zeitdokument, sagte Ronald Pienkny, Staatssekretär im Justizministerium, der mit einer Ansprache die Ausstellung eröffnete. Zu dem Termin kamen unter anderem auch Landrat Gernot Schmidt, zugleich Mitglied im Anstaltsrat, und Wriezens Bürgermeister Karsten Ilm (CDU). Er warnte davor, dass viele Menschen Rassismus und Antisemitismus versuchen zu relativieren oder gar zu banalisieren. Anne Franks Tagebuchaufzeichnungen erzählen von der  Angst des Mädchens, aber auch von seinen Träumen. Wenngleich es sich um längst Vergangenes handele, bleibe der nationalsozialistische Rassismus durch die „Hetzjagden in Chemnitz“ nach wie vor aktuell. Unverständlich sei es, dass diese von der mittleren Gesellschaftsschicht mitgetragen werden.

Pienkny dankte dem Leiter der JVA, dass er die Ausstellung nach Wriezen geholt habe. „Die Gesellschaft steht am Scheidepunkt“, so der Staatssekretär. Sie werde entscheiden, wie sie hier in Brandenburg und in Deutschland weiter leben will. „Wir müssen die soziale Gerechtigkeit herstellen, die Freiheitsrechte schützen, den Rechtsstaat stärken, dann haben Rassisten und Faschisten in unserer Gesellschaft keine Chance“, appellierte Pienkny und zitierte Anne Frank: „Es ist ein Wunder, dass ich nicht alle Erwartungen aufgegeben habe, denn sie scheinen absurd und unausführbar. Trotzdem halte ich an ihnen fest, trotz allem, weil ich noch immer an das Gute im Menschen glaube.“

Von den Gefangenen waren nur die „Guides“ Charlie, Kevin und Roman dabei, die mit Einbindung der Zuschauer durch die Ausstellung führten. Sie haben sich in den vergangenen Tagen vertieft mit dem Thema beschäftigt, führen Besucher durch die Ausstellung und binden sie interaktiv mit ein. Nicht nur Gefangene auch Schüler aus Wriezen und Eberswalde werden die Exposition in der JVA besichtigen.

124 Gefangene von 16 bis 27 Jahren sitzen derzeit in Wriezen ein. 27  besuchen berufsvorbereitende oder berufsbildende Maßnahmen.  Sie werden die Ausstellung besuchen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG