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Frühstück
Auf der Schulbank ohne knurrenden Magen

AWO-Projekt „Spirellibande“: Anke Sievert (li.) und Marlies Jung bereiten an der Grundschule „Am Weinberg“ täglich das Frühstück vor.
AWO-Projekt „Spirellibande“: Anke Sievert (li.) und Marlies Jung bereiten an der Grundschule „Am Weinberg“ täglich das Frühstück vor. © Foto: weber
Simone Weber / 16.09.2018, 05:30 Uhr
Rathenow Eine Woche nach Schulbeginn startete an der Grundschule „Am Weinberg“ das Projekt „Spirellibande“. In Trägerschaft des Bezirksverbands Potsdam der Arbeiterwohlfahrt (AWO) erhalten die Schüler nun  vor dem Unterrichtsbeginn ein tägliches, kostenloses Frühstück. „Mit diesem Angebot wollen wir vor allem die Kinder erreichen, die – aus verschiedenen Gründen – ohne Frühstück in die Schule kommen“, so AWO-Projektleiterin Franziska Löffler. Am Frühstück könne jeder teilnehmen, ohne eine Bedürftigkeit nachweisen zu müssen.

Das Projekt, das zunächst für ein Jahr geplant ist, wird durch das Sozialministerium und durch AWO-Eigenmittel finanziert. Private Spender und Unternehmen beteiligen sich ebenfalls. So beliefert die Rathenower Bäckerei Thonke die Schule jeden Tag kostenlos mit Brötchen. „Es ist wichtig, dass Kinder ein richtiges Frühstück bekommen, aber gleichzeitig traurig, dass manche es nicht mehr Zuhause erhalten“, so der Erste Beigeordnete der Stadt, Hans-Jürgen Lemle. Die Kommune gibt 2.000 Euro dazu. Die Kosten für ein Schuljahr betragen rund 25.000 Euro.

Anke Sievert und Marlies Jung sind über das AWO-Projekt angestellt und bereiten das tägliche Frühstück für die Kinder zu. Sie schmieren Brötchen, schneiden Obst und Gemüse, kochen Tee oder bereiten frische Smoothies zu. Marlies Jung aus Schollene steht dafür nun an jedem Schultag um 4.45 Uhr auf. Ab sechs Uhr bereiten die Frauen das Frühstück vor. Auch den Einkauf der Lebensmittel erledigen sie, dabei um Abwechslung bemüht. Mal gab es schon Cornflakes und Müsli, sogar ein Eiertag stand schon auf dem Frühstücksplan, wie Anke Sievert berichtet, die seit fünf Jahren in der Weinbergschule das Mittagessen ausgibt.

Die Eltern vieler Kinder müssen sehr früh zur Arbeit. So kommen die ersten Kinder bereits ab 6.30 Uhr. Egal, ob noch hungrig oder eigentlich schon satt, kann sich jeder bedienen. Derzeit nehmen etwas mehr als 30 der insgesamt 265 Schulkinder am Frühstück teil. Die 2011 an der Schule eröffnete Lehrküche bietet dafür sehr gute Bedingungen.

Schulleiterin Kerstin Pollak schätzt das „Spirellibande“-Projekt sehr und wünscht es sich auf Dauer, also über das eine Jahr hinaus. „Das Projekt bietet mehr als nur ein kostenloses Frühstück. Die Kinder kommen ‚runter’, entspannen und essen gemeinsam – ein positiver Start in den Schultag“, freut sie sich.

„Kinder sollten nicht hungrig zur Schule kommen“, so Elternsprecherin Stephanie Spitschan. Um das Projekt langfristig an der Schule zu etablieren, würden private Spender und Unternehmen gesucht, die die „Spirellibande“ unterstützen. „Das Totschlagargument, dass wir mit dem kostenlosen Frühstück ein bestimmtes Klientel an Eltern noch mehr aus der Verantwortung entlassen, kann ich nicht gelten lassen. Mit dem gemeinsamen Frühstück erreichen wir die Kinder auf verschiedenen Ebenen. So lernen sie für ihr gesamtes Leben auch soziale Kompetenzen. Eine gute Investition in die Zukunft“, ist sich die Sprecherin sicher.

Das Projekt „Spirellibande” wurde durch die AWO vor elf Jahren an Potsdamer Schulen gestartet. Nun hat die AWO die Trägerschaft des Projekts komplett an die Stadt Potsdam abgeben. An den derzeit zwölf Potsdamer Schulen werden so potentiell bis zu 1.000 Schüler mit echtem Frühstück versorgt.

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