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Eine Biesenthaler Familie dokumentiert die Renovierung ihrer „Villa Wildwuchs“ und führt darüber ein öffentliches Tagebuch

Renovierung
Vom Wedding in den Barnim

Olav Schröder / 16.09.2018, 10:00 Uhr
Biesenthal (MOZ) .  Anderthalb Jahre haben Sara und Oliver Jenichen nach ihrem Traumhaus gesucht. In Biesenthal wurden sie fündig. Ein Name für das Haus war schnell gefunden: „Villa Wildwuchs“. Der Umbau ist noch nicht ganz abgeschlossen. Das Besondere ist, dass die Bauherren ein öffentliches Bautagebuch führen.

Während des Studiums und auch noch in den ersten Jahren mit einem Job wohnten Sara und Oliver Jenichen in einer Mietwohnung mit zweieinhalb Zimmern im Wedding. Als sich der Wunsch nach einem Kind einstellte, reifte der Gedanke, wieder ins Grüne ziehen zu wollen. Im Barnim sollte es sein. Sie ist in Panketal aufgewachsen, er in Potsdam. „Wir suchten ein Haus, in dem schon Menschen gewohnt haben“, berichtet Sara Jenichen (30).

Wochenende für Wochenende waren die beiden unterwegs. Bei jeder Besichtigung eines Hauses stießen sie auf viele Mitbewerber. Manche Gebäude gefielen ihnen, lagen jedoch zu abseits. „Biesenthal fand ich sofort toll. Dass wir hier unser Haus gefunden haben, war sehr schön“, sagt Oliver Jeninchen (32). Freunde, die zur gleichen Zeit auf der Suche nach einem Altbau waren, haben aufgegeben.  Das junge Paar aber stieß schließlich auf die Biesenthaler Villa aus dem Jahr 1902. Fassade und Dach hatte der Vorbesitzer erst vor wenigen Jahren saniert, innen wollten sie es nach ihren Ideen umgestalten. Obwohl beide nicht vom Fach sind – sie ist Regionalmanagerin eines Kosmetikunternehmens, er arbeitet in einem Technolgieunternehmen - reizte sie die handwerkliche Arbeit. Für die Sanitäranlagen, die Elektrik und andere Arbeiten wurden Fachfirmen beauftragt, aber überall, wo selbst Hand angelegt werden konnte, erledigten sie dies selbst. Die Dielen und die Treppenstufen wurden abgeschliffen, Holztüren und die Doppelfenster  aufgearbeitet, Durchgänge gemauert. Die Steine dazu stammten aus dem Haus selbst. Um eine „offenere“ Wohnung zu erhalten, hatten sie mehrere Durchbrüche zwischen einzelnen Zimmern vornehmen lassen.

Das Haus ist fast 120 Jahre alt. Der Biesenthaler Holzhändler Max Kühn hatte es 1902 erbaut. 1926 befand sich eine Zahnarztpraxis in dem Haus.

Bei vielen Arbeiten haben Eltern beziehungsweise Schwiegereltern mitgeholfen. Zum Beispiel bei der Herstellung von Tischen war Sara Jenichens Vater, Dirk Jenichen – vielen als Schwanebecker Motorsportler in der Formel 3 bekannt – im Einsatz. „In seiner Werkstatt hat er einfach das geeignete Werkzeug“, sagt sie.

Bei der Einrichtung herrscht bewusst Stilvielfalt. Ein Chippendale-ähnliches Möbel ist ebenso vertreten wie ein einfacher Spind, der aufgearbeitet und hellgrün gestrichen wurde. Viele Möbel stammen von Flohmärkten, ein schlanker und hoher, schwarzer Heizkörper aus England, das große Schuhregal wurde aus alten Weinkisten zusammengesetzt. Ein Küchenschrank ist ein Erbstück von der Urgroßmutter, die an der Ostsee wohnte.

Vielfältig ist auch die Wohnung gestaltet. Im Bad – das noch nicht fertig ist – befindet sich vis-a-vis der schwarzen Fliesen eine unverputzte Wand aus Mauersteinen.  In einem Teil des Flures wurde bewusst auf das Abschleifen der Dielen verzichtet, um das frühere Erscheinungsbild zu erhalten. Sara und Oliver Jenichen haben über ihre Ideen nicht nur miteinander besprochen. Unter dem Stichwort „villawildwuchs“ haben sie Baustellenfotos unter www.instagram.com veröffentlicht. „Tatsächlich haben uns viele ihre Meinung mitgeteilt, Vorschläge gemacht und Tipps gegeben“, sagt Sara Jenichen.

Seit November 2017 – und damit während der Bauzeit – wohnt das Paar in der Villa. Da es damals noch keine Kücheneinrichtung  gab, wurde kurzerhand eine Außenküche auf der Terrasse eingerichtet. Dort wurde schon das erste im Garten geerntete Gemüse zubereitet. Urlaub – bis auf  ein paar Tage an der Ostsee – gab es seit dem Einzug und Umbau nicht. Jeder freie Tag wurde genutzt, denn die Zeit drängte, um zumindest einen Teil des Hauses bewohnbar zu  machen: Vor fünf Wochen wurde Wilma geboren. Auch das Kinderzimmer war natürlich fertig.

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