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Stadtförster
Der Herr der Bäume

Volkmar Ernst / 16.09.2018, 15:00 Uhr
Liebenwalde (MOZ) Herbert Otto kennt sich aus in seinem Revier – und das umfasst immerhin stattliche 320 Hektar. Sein Revier ist der Liebenwalder Stadtforst, und Otto ist dort der Herr über die Bäume.

Dass er zügig auf die 80 zugeht, im November steht der Geburtstag an, ist für Otto noch lange kein Grund, ans Aufhören zu denken. Seine Frau Karin mag das vielleicht hoffen, doch der studierte Förster verschwendet daran noch keinen Gedanken. „Was soll ich zu Hause auf dem Sofa sitzen, wenn ich mich hier im Wald erholen kann?“ Das verschmitzte Lachen, das sich auf seinem Gesicht spitztbübisch abzeichnet und ihn wie einen kleinen Jungen erscheinen lässt, ist die Antwort auf seine rhetorisch gestellte Frage.

Für Herbert Otto bedeutet das Stadtförster-Dasein in Liebenwalde keinen Stress. Denn seinen Arbeitsalltag kann er sich so einteilen, wie er es möchte. Mit seiner Pensionierung 2004 hat Otto das Amt übernommen. Doch bestimmte Struktur im Alltag, die gibt es auch für ihn. Sein erster Weg derzeit führt ihn jeden Morgen an den Naturlehrpfad, um die erst in diesem Jahr gepflanzten Esskastanien zu gießen. Ohne diese Gabe hätten die jungen Sprosse diesen heißen Sommer nicht überlebt, erklärt er. „Wenn die Pflanzen erst angewachsen sind, dann kommen sie ohne weitere Pflege aus.“

Vom Naturlehrpfad geht es dann wirklich in den Wald, beispielsweise  in den Thüren. Doch auch auf der anderen Stadtseite im Heidchen oder in Liebenthal, Kreuzbruch, Neuholland, Hammer und Freienhagen stehen ausgedehnte Waldflächen, die bewirtschaftet werden müssen, wie jedes normale Gemüsebeet eben auch. Der Unterschied besteht nur darin, dass ein Radieschen einen Monat nach der Aussaat schon geerntet werden kann. Im Gegensatz dazu braucht eine Kiefer mindestens 120 Jahre, ein Eiche sogar 180 Jahre, bis sie geschlagen werden kann.

Den Setzling einfach nur in den Boden bringen und dann warten, das habe mit Waldwirtschaft nichts zu tun, wie Otto  erklärt. Bevor gepflanzt wird,  müsse der Standort mit bedacht gewählt werden. Denn eine märkische Kiefer sei viel genügsamer als eine Rotbuche, wie der Forstfachmann erklärt. Anhand der Bodenwertzahlen wird deshalb gezielt nach Standorten für bestimmte Arten gesucht. Im Heidchen dominiert  beispielsweise die Kiefer, im Thüren Richtung Neuholland wachsen unter dem Schutz der Kiefernkronen  inzwischen auch Rotbuchen und Eichen. Denn die Nährstoffe, die auf dem angrenzenden Feld durch die Düngung eingebracht werden, machen natürlich nicht an der Waldgrenze halt, sondern werden ebenso von den jungen Holz-Sprößlingen genutzt.

Wie jedes Gartenbeet muss ebenso der Wald gepflegt werden. Dass bestimmte Waldabschnitte mit jungen Bäumen eingezäunt sind, hat damit zu tun, die jungen Bäume vor Verbiss zu schützen. Denn die Triebe sind bei viele Tieren beliebt.

Je weniger Äste an einem Baum vorhanden sind, umso höher die Qualität des Holzes. Das gelte ebenso für die Wuchsform. Verkrüppelte Bäume seien schlechter zu verkaufen, lange gerade Stämme hingegen begehrt, erklärt Otto. Deshalb müssten aus den Wäldern je nach Baumart in bestimmten Jahresabständen die kleinen und kranken Bäume abgenommen werden, damit die anderen in die Höhe wachsen können. Senioren werden sich auch noch an das sogenannte Knüppeln erinnern können. Dabei werden die Äste gezielt abgeschlagen. Die Bäume wachsen dann gerade in die Höhe, Einwüchse von Ästen in das Holz gibt es kaum noch.

Ebenso wichtig ist die ständige Kontrolle des Waldes, ob Tiere Schäden angerichtet haben, ob es nach einem Sturm Windbruch gibt oder einfach die Ernte von Bäumen ansteht.  Entsprechend des Zustandes ordert Otto dann Firmen, damit die jeweils notwendigen Arbeiten (Ausästungen, Holzeinschlag oder Anpflanzungen) ausgeführt werden. An all das muss er als Liebenwaldes Stadtförster denken. „Denn auch Holz ist eine Ware, mit der Geld verdient werden kann und soll“, stellt er klar und fügt hinzu: „Das steht aber überhaupt nicht im Gegensatz zum Naturschutz.“ Natürlich sei es so, dass sich in einem naturbelassenen Wald ganz bestimmte Pflanzen und Tierarten ansiedeln würden, so der Fachmann. Umgekehrt biete aber auch die Bewirtschaftung eines Waldes bestimmten Arten einen Lebensraum, der ihnen in der Natur ansonsten durch die natürlichen Feinde vorenthalten werde.

Besonders stolz ist Herbert Otto darauf, „dass wir hier eine nachhaltige Waldbewirtschaftung betreiben.“ Denn in seinem Revier gibt es tatsächlich kein Areal, das brachliegt. So wird demnächst eine weitere Fläche im Thüren mit Kiefern aufgeforstet.

Wald und Forst

Die Begriffe Wald und Forst wurden lange Zeit gleichberechtigt benutzt. Erst in jüngerer Zeit findet, ausgehend von Biologen, privaten und auch amtlichen Naturschützern, eine Begriffsumdeutung statt.

■ Als Forst werden alle Waldflächen bezeichnet, die entweder bewirtschaftet werden oder auf die der Mensch Einfluss nimmt.

■ Umgekehrt dürfen als Wald nur noch solche Flächen bezeichnet werden, auf die der Mensch keinen Einfluss – mehr –  hat.

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