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Mit der Situation der Binnenschifffahrt auf der Oder beschäftigt sich eine Ausstellung im Rathaus Oderberg. Das multimediale Projekt wirft einen Blick auf die Realitäten der Binnenschiffer und sucht nach Ursachen und Kausalitäten.

Schiffffahrt im Fokus
Seemannsknoten für Oderberg

Susan Hasse / 16.09.2018, 17:00 Uhr
Oderberg (MOZ) Wann waren Sie eigentlich das letzte Mal in Oderberg? Eine neue Ausstellung im Rathaus könnte einen Anlass bieten, mal wieder an den östlichen Zipfel des Barnims zu reisen. „Wir wollen die Besucher mit auf eine Reise auf die Oder nehmen“, beschreibt Feliks Aleksander das Konzept der Ausstellung. Aleksander hat zusammen mit Malte Fröhlich und Beata Kana die Ausstellung „Auf der Oder unterwegs. Oderland, Seemannsgarn und Blaues Band“ zusammengestellt.

Es werden zahlreiche Fotodokumente, Videos und Hörspiele gezeigt, die vom Leben der Schiffskapitäne entlang der Oder erzählen. Die drei Künstler haben sich für das Projekt mehrere Wochen auf das Wasser begeben: Sie fuhren zusammen mit Kapitänen und Matrosen die Oder entlang. Die Gespräche, die sie führten und was sie dabei erlebten, haben sie in Ton, Bild und Film festgehalten.  „Wir haben sehr viele humorvolle, kluge und tiefsinnige Gespräche geführt“, erzählt Fröhlich. Die Arbeit am Projekt sei wie das Abtauchen in eine andere Welt gewesen. Die Welt der Binnenschiffer war ihnen vorher unbekannt. „Auf dem Wasser fließt das Leben anders“, bringt der Schiffer Lukasz Pedzik den Unterschied auf den Punkt.

Die Besucher der Ausstellung können mit in diese andere Welt fahren: auf den im Ausstellungsraum liegenden MP3-Playern sind Mitschnitte der Interviews zu hören. Durch kurze Filme und zahlreiche Fotos bekommt man so einen Einblick in die Arbeit und das Leben eines Binnenschiffers.

Früher, so erzählen Zeitzeugen, gab es sehr viel mehr Schiffsverkehr auf der Oder. Mittlerweile sei hier allerdings Totenstille. Diesen Eindruck haben auch die Künstler Fröhlich und Aleksander während ihrer Recherchen gewonnen. Die Oder sei ganzjährig nicht mehr uneingeschränkt befahrbar, so die einhellige Meinung der befragten Schiffer. Der Wasserstand sei zu niedrig und es fehle überall an Investitionen. Während die Polen sehr am Ausbau der Oder interessiert sind, seien die Deutschen recht verhalten, so ein weiteres Fazit der Recherchen. Zwar gebe es das Investitionsprogramm  „Blaues Band“ der Bundesregierung, das den Ausbau der Wasserwege verspricht, doch an dem Fluss vor Ort sei bislang davon nichts zu sehen. Vielmehr werde weiter auf den weniger umweltfreundlichen LKW-Verkehr gesetzt.

Heutzutage sind fast ausschließlich polnische Schiffer auf den Wasserwegen im Osten unterwegs, so Aleksander. Diese befürchten bald aufgeben zu müssen, Geld würde nur noch in Belgien und Holland verdient. Aufschwung erwarten die Schiffer durch das neue Schiffshebewerk. Das sehen einige Besucher der Vernissage allerdings anders: „Das neue Schiffshebewerk ist überdimensioniert und drohe eine tote Investition zu werden“, meint etwa ein Bürger.

Die Ausstellung ist im Rahmen des Themenjahres Kulturland Brandenburg entstanden, das wiederum vom Kultusministerium gefördert wird. Die Macher des Projekts kooperieren mit dem Binnenschifffahrtsmuseum Oderberg. Interessierte Besucher können sich dort den Schlüssel für die Sonderausstellung holen.

Die Ausstellung ist freitags zwischen 16 und 18 Uhr geöffnet. Zu den Öffnungszeiten des Binnenschifffahrtsmuseum Oderberg kann dort zudem ein Schlüssel ausgeliehen werden.

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